Bescheiden, geduldig, erfolgreich

Der Thuner Joey ­Hadorn hat an der Junioren-WM in Scuol schon bei Halbzeit Einzigartiges erreicht.

Anführer der Schweizer Orientierungsläufer: Joey Hadorn aus Fahrni bei Thun hat an der Junioren-WM schon zweimal Gold gewonnen.

Anführer der Schweizer Orientierungsläufer: Joey Hadorn aus Fahrni bei Thun hat an der Junioren-WM schon zweimal Gold gewonnen. Bild: Rémy Steinegger

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Weltmeister im Sprint am Sonntag in Scuol, Weltmeister am Montag über die Langdistanz im Val Müstair – Joey Hadorn ist die grosse Figur der diesjährigen ­Junioren-WM im Unterengadin. «Besser hätte es nicht kommen können», sagt der 19-Jährige aus Fahrni bei Thun, der von seiner Ausbeute selber «ziemlich überrascht» war.

Nachdem er letztes Jahr auf dieser Stufe in Norwegen in Sprint auf Rang 13 gelaufen war, setzte er sich nun eine ­Medaille zum Ziel. Dass es nun gleich zweimal für die begehrteste Auszeichnung gereicht hat und dass er die starken Schweizer (7 von 12 Medaillen gewonnen) derart eindrücklich anführen kann, entspricht aber «einem Märchen, das ich mir nicht erträumen konnte».

Mit Ausnahme des späteren Weltmeisters Olav Lundanes aus Norwegen ist dieses Gold-Kunststück noch keinem Junior geglückt.

Dass es sich im Dorfsprint mit einer Siegerzeit von gut 13 Minuten und dem Langdistanzrennen von mehr als einer Stunde Dauer um zwei völlig unterschiedliche Renncharaktere handelte, will Hadorn nicht betonen. Er sagt: «Schliesslich ist beides OL und zielt auf das Gleiche: einem Konzept folgen, mit voller Konzen­tration die Route zum nächsten Posten finden und dort im Voraus wissen, wohin du weiterziehen willst.»

Nahe am Optimum

Hadorn lief zweimal nahe am ­Optimum. Die physische Komponente spielte er aus auf den Parcours mit völlig unterschiedlichen Anforderungen. «Im Sprint ist das Schnelllaufen Grund­voraussetzung», sagt er, «auf der Langdistanz hast du zwar mehr Möglichkeiten zur Korrektur, aber die Physis ist die Basis, um die Konzentration bei hohem Rhythmus aufrechtzuerhalten.»

Vergleicht er die beiden Goldmedaillen, spricht er dennoch von einem Unterschied: «Die Langdistanz bedeutet mir mehr, zumal sie in den skandinavischen Nationen stärker gewichtet wird.»

Erst die Hälfte des Edelmetalls ist vergeben. Heute steht die Entscheidung über die Mitteldistanz an, und Hadorn möchte seine Qualitäten erneut ausspielen. Er sagt: «Ich bin in Form und fühle mich körperlich gut.» Zu weit aus dem Fenster lehnen will er sich allerdings nicht: «Es beginnt wieder bei null, vieles kann passieren, und vielleicht packen es diesmal ­andere.»

Joey Hadorn, der als langfris­tiges Ziel Erfolge bei der Elite ansteuern will, blickt nicht zu weit in die Zukunft. Nächstes Jahr kann er nochmals bei den Junioren starten, und ähnliche Erfolge an den Titelkämpfen in Finnland sieht er schon jetzt als «Riesen­herausforderung». Dieser will er sich stellen, ebenso jener, die es danach beim Übertritt in die Elitekategorie zu bestehen gilt. «Ich werde geduldig sein müssen», sagt er.

Spagat zwischen Sportarten

Schon weit gebracht hat Joey Hadorn sein Talent. Er, Enkel des OL-Norska-Gründers Bänz Hadorn und Sohn des aktuellen Klubpräsidenten Daniel Hadorn, hat sich nämlich als Jugendlicher nicht nur in seiner nun bevorzugten Sparte profiliert. Auch im ­Triathlon gewann er Jugend-Schweizer-Meister-Titel.

Ebenso bewies er Potenzial beim Biken. Schliesslich fiel seine Wahl auf den OL. «Mehr Spass, mehr Spannung und der Freundeskreis» ­gaben den Ausschlag, «obwohl ich anfänglich zu oft schlecht lief, also zu schnell rannte und zu viele Fehler beging.» Die Resultate dieser Junioren-WM beweisen, dass er die Lehren gezogen hat. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.07.2016, 11:01 Uhr

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