Berner Eisschwimmer holt WM-Silber

Der Bolliger Adrian Wittwer wurde an den Weltmeisterschaften im Eisschwimmen in Murmansk Zweiter über 50m Brust – und hat eine persönliche Bestzeit über 1km aufgestellt.

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Martin Bürki@tinubuerki27

Das Training mit dem Erfolg bei der Eismeile im Lorrainebad als Höhepunkt hat sich ausbezahlt: Als einziger Schweizer Teilnehmer am Arctic Cup im Rahmen der Weltmeisterschaften im Eisschwimmen im russischen Murmansk hat Adrian Wittwer aus Bolligen überraschend eine Silbermedaille geholt. Bei einer Wassertemperatur von null Grad wies der 32-Jährige in seiner Altersklasse die zweitschnellste Zeit über 50 Meter Brustschwimmen auf.

«Brustschwimmen ist meine Spezialität», sagte Wittwer nach seiner Rückkehr in die Schweiz. «Ich stand auch schon an Wettkämpfen in Deutschland auf dem Podest, daher hegte ich gewisse Hoffnungen.» Bei so kurzen Distanzen sei aber am Ende auch immer etwas Glück dabei, der Start und das Wenden müssen perfekt klappen. Über 100 Meter verpasste er das Podest knapp und wurde Vierter.

Taube Hände nach 50 Metern

Erstmals trat Wittwer zudem bei einem offiziellen «Ice Zero Kilometer»-Wettkampf an – also über einen Kilometer in null Grad kaltem Wasser. «Zuvor war ich noch nie so weit geschwommen in Wasser, das kälter war als 1,7 Grad.» Beim Testschwimmen am Tag vor dem Wettkampf sei er schon etwas nervös geworden, als seine Hände und Arme bereits nach etwa 50 Metern taub wurden. «Ich kannte bislang einfach ein leichtes Kribbeln.»

Umso erfreuter ist der Bolliger über sein Ergebnis: Mit 20 Minuten und 15 Sekunden sei er den Kilometer erstmals in unter 21 Minuten geschwommen. Allerdings relativiert er auch: «Da es 25- und nicht 50-Meter-Bahnen waren, konnte ich öfter abstossen.» Ausserdem ist er trotz der persönlichen Bestzeit bei den Männern «nur» auf Rang 51 von 59 platziert gewesen. Gewonnen hat der 43-jährige Bulgare Peter Stoychev mit einer Zeit von 12 Minuten und 10 Sekunden.

Lob für die WM-Organisatoren

Aus 33 Nationen stammten die insgesamt 400 Schwimmerinnen und Schwimmer, die an der WM in Murmansk teilgenommen haben. «Jeder Schwimmer wurde am Flughafen abgeholt und hatte einen freiwilligen Helfer als Betreuer, gerade wegen der Sprache war das auch nötig», erzählt Wittwer. Aus der Heimat habe ihn niemand begleitet, doch habe er einige bekannte Gesichter von früheren Wettkämpfen getroffen und sei eigentlich nie alleine gewesen.

Adrian Wittwer beim Einlauf an den Eröffnungszeremonien. (Videos: zvg)

Mit am meisten beeindruckt hätten ihn die Eröffnungszeremonien – von denen habe es gleich zwei gegeben. «Von jeder Nation durfte ein Vertreter die Fahne in die Schwimmarena tragen. Und als einziger Schweizer hat es natürlich mich getroffen», lacht Wittwer.

Jetzt erstmal Pause

Nach diesem Abenteuer, «das ich erst noch verarbeiten muss», will er nun eine Saison aussetzen. «Das heisst nicht, dass ich mich nicht weiter in kaltes Wasser stürze, bloss die Wettkämpfe lasse ich vorderhand sein.» Vielleicht nutze er die Zeit auch, um einen lange gehegten Traum umzusetzen und einen Schweizerischen Eisschwimmerverband zu gründen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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