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Bedingungsloser Ausbildner

Thomas Berger, der Erfolgsgarant, steht vor einem weiteren Titelgewinn. Für den Coach Wiler-Ersigens ist der Erfolg aber sekundär.

Zuhören, wenn der Chef spricht: Die Wiler-Ersigen-Spieler lauschen den Worten ihres Trainers Thomas Berger.
Zuhören, wenn der Chef spricht: Die Wiler-Ersigen-Spieler lauschen den Worten ihres Trainers Thomas Berger.
Marcel Bieri

Auf den Moment hat er lange warten müssen. Seine Mannschaft hat ihm den Gefallen getan, sich frühzeitig für den Superfinal zu qualifizieren, sodass ­Wiler-Ersigens Trainer Thomas Berger auch mal in den Genuss von einem freien Wochenende kam.

Wobei es den Bündner kaum stört, wenn im Verein gerade viel Betrieb herrscht. «Auch wenn es klischeehaft klingt: Ich habe das Hobby zum Beruf gemacht, und es ist ein Stück weit auch meine Berufung», sagt er.

Der 49-Jährige war wesentlich beteiligt am Aufstieg Wiler-Ersigens zur nationalen Grossmacht. 2004, es war Bergers erste Saison als Coach, gelang gleich der erste Meistertitel. Im Folgejahr kam das Triple inklusive Gewinn des Europacups hinzu. Berger hat den Verein und dessen Selbstverständnis des Siegens nachhaltig geprägt. Dann verliess er das Bernbiet vor sieben Jahren in Richtung Chur.

Das mit dem Trainersein, das hatte bei Thomas Berger schon am Tag eins begonnen. 1987 gehörte er zu den Gründern des UHC Alligator, der heute Alligator Malans heisst, und übernahm sofort die Rolle als Spieler-Trainer. Weil sein Vater Leichtathletiktrainer war, brachte Berger ein gewisses Know-how schon von zu Hause mit.

Bald legte er den Stock beiseite und nahm sich zusätzlich der Schweizer U-19-Auswahl an, die er jahrelang betreuen sollte. Es war schliesslich die Kompetenz als Ausbildner, die Berger vor zwei Jahren zu Wiler-Ersigen zurückführte.

In der Saison 2015/2016 war der Dominator schon im Viertelfinal gescheitert, ein Generationenwechsel zeichnete sich ab. Berger trat die Stelle mit dem Auftrag an, den Übergang zu bewerkstelligen.

Seither übt sich der Verein in einer Rhetorik der Zurückhaltung. So sagt Berger: «Titel sind nur eine Art der Belohnung. Sie sind schön, aber nicht mein Hauptantrieb.» Viel mehr freut ihn, «wenn das Team ein Vorhaben so umsetzt, wie ich es geplant hatte». Trotzdem wurde er im ersten Comeback-Jahr wieder Meister, nun ist im Superfinal am Sonntag gar das Double möglich.

Im Derby gegen Köniz, wo die Tagesform ein wesentlicher Faktor ist, kann vieles gelingen, aber auch vieles schiefgehen. «Wenn wir unsere Sachen richtig machen, kommt es gut», meint der Trainer trocken. «Ob wir jetzt der Favorit sind oder nicht, ist mir egal.»

Fitness mit Niederreiter

Der Spitzensporttrainer ist ein ausgewiesener Fachmann. Während seiner Churer Zeit absolvierte er im Sommer jeweils Physiseinheiten mit NHL-Star Nino Niederreiter, er schwärmt von der Zusammenarbeit mit dem Profi, der unerbittlich hart arbeite. Berger selbst ist in der Spielanalyse manchmal auch schonungslos.

Restlos zufrieden ist er nie mit seinen Schützlingen, nach überzeugenden Darbietungen findet er noch immer Optimierungspotenzial. Er fordert viel – damit eckt er auch mal an. 2011 verliess er Wiler-Ersigen nicht ohne Nebengeräusche mitten in der Saison, vor dem Playoff-Start.

Aus der Mannschaft war der Wunsch nach Veränderung gekommen. «Ich arbeite akribisch, bin aber vielleicht weniger stur als früher», sagt Berger. Aktuell scheint die Chemie zu stimmen – und der Trainer könnte am Sonntag seinen elften persönlichen Meistertitel feiern.

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