Zum Hauptinhalt springen

Ausblick in neuen Lebensabschnitt

Nach einem schweren Sturz hat Markus Zberg (35) vor drei Wochen seine Karriere beendet. Der Oberhofer sagt, er habe in seiner sportlichen Laufbahn teils eine Hauptrolle besetzt, manchmal sei er bloss Nebencharakter oder Statist gewesen.

Die Szenerie am Schiffssteg in Oberhofen lädt zum Verweilen ein, der Fotograf sucht am Uferrand ein passendes Sujet. «Nur keinen Stress, ich habe jetzt nach meinem Rücktritt genügend Zeit», sagt Markus Zberg lachend. Der 35-Jährige ist trotz schmerzverzerrtem Gesicht gut gelaunt, dabei hätte er allen Grund zum Hadern. Durch einen schweren Sturz am 9.August an der Tour de L’Ain hat sich der Oberhofer den Beckenkamm und eine Rippe gebrochen. Obwohl eine Operation nicht notwendig war, hat er kurz darauf seine Karriere für beendet erklärt. «Nun geniesse ich einige Wochen das Leben», sagt der Vizeweltmeister von 1999.

Kein Sturzpilot

Er habe die Geschehnisse der vergangenen Wochen verarbeitet, in ein Loch sei er nicht gefallen, erzählt Markus Zberg. «Ich bin 35-jährig – es ist auf Grund der Umstände der richtige Entscheid aufzuhören. Ich bin mehrmals schwer gestürzt; die Rehabilitation und den Formaufbau nahm ich stets mit letzter Konsequenz in Angriff. Dieses Mal war es etwas anders.» Vom Image des Bruchpiloten distanziert er sich indes vehement. «Erst in meiner zweiten Karrierenhälfte kam ich ein bis zwei Mal pro Saison zu Fall. Meistens aber mit gravierenden Folgen.» Viele Stürze erlitt Zberg ohne eigenes Verschulden. 1999, beim prestigeträchtigen Amstel Gold Race etwa, brachte ihn ein Begleitmotorrad zu Fall und um den Sieg. Drei Jahre später erwischte es ihn im Training – Jochbein und Oberkiefer gingen in die Brüche. Dass ihn die Unfälle den einen oder anderen Erfolg gekostet haben, will er nicht verneinen. «Ich konnte aber immer alles akzeptieren.»

Hauptrolle und Statist

Markus Zberg ist niemand, der sich in den Vordergrund schieben will. Seine Worte wirken durchdacht, in ein Fettnäpfchen tritt er nicht. Er, der nie direkt mit Dopingvorwürfen konfrontiert wurde, will über dieses Thema kaum Worte verlieren. Es sei schade, werde der Sport teils zur Nebensache, sagt er. «An einer Tour-de-France-Etappe hatte es jüngst eine Million Zuschauer. In welcher Sportart gibt es dies sonst?» Zberg sagt auch, dass man der Szene gegenüber nicht blauäugig sein darf. «Es gibt aber enorm viele Kontrollen, mehr sind kaum möglich. Sie verletzen teils schon die Privatsphäre.»

In 14 Profijahren ist Markus Zberg gegen die Grossen des Radsports gefahren; er hat sich mit Miguel Indurain, Lance Armstrong und Marco Pantani gemessen. Mit Letzterem pflegte er ein kollegiales Verhältnis. Der 2004 unter mysteriösen Umständen verstorbene Italiener habe ihm als Teamkollege den Einstieg ins Profibusiness erleichtert. Es sei allerdings unglaublich gewesen, wie Pantani medial verfolgt wurde. Zberg selbst betrachtet den Sport als Unterhaltung, als befristete Geschichte. «Darin habe ich zeitweise eine Hauptrolle spielen dürfen. Manchmal war ich nur ein Nebencharakter und zwischendurch bloss Statist», sinniert er.

Luxus und Insekten

Markus Zberg war Radprofi aus Leidenschaft, er wollte seine Grenzen kennen lernen. «Eine Tour de France zu fahren ist eine Erfahrung im Grenzbereich», erzählt er. Er habe in den Alpen in Hotels der tiefsten Preisklasse genächtigt, den einen oder anderen Käfer als unerwünschten Zimmerkollegen gehabt. Andererseits durfte er auch in Luxusdestinationen verweilen. «Vermissen werde ich die Emotionen während eines Rennens. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich mich auf meinem neuen Lebensabschnitt gut zurechtfinden werde.» Sein Golfhandicap verbessern und das Motorboot-permis ablegen will er in naher Zukunft. Mit seiner Frau Karin, einer Bernerin, kann er sich vorstellen, im Oberland sesshaft zu werden. Bereits ist er Mitinhaber einer Sportvermarktungsfirma, welche unter anderem in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft engagiert ist. Und: Auch das Thema Kinder könnte bald aktuell werden. «Wir lassen es auf uns zukommen», sagt Markus Zberg. Spätestens als Vater hätte er wieder eine Hauptrolle inne.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch