Aus dem Schatten zurück ins Scheinwerferlicht

Michael Kauter ist wieder im Weltcupzirkus. Aktuell kämpft er in Vancouver. Der Berner hat Ambitionen. Selbst die Teilnahme an Olympischen Spielen schliesst er nicht aus.

Wieder da: Michael Kauter (hier an den Olympischen Spielen in Peking 2008) will nach zwei Jahren globaler Fechtabstinenz zurück auf die grossen Bühnen.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Wieder da: Michael Kauter (hier an den Olympischen Spielen in Peking 2008) will nach zwei Jahren globaler Fechtabstinenz zurück auf die grossen Bühnen.

(Bild: Keystone)

Daniel Ernst@daniserio87

«Können wir es später nochmals probieren», sagt Betriebsökonom Michael Kauter am Telefon, «die Börsen gehen rauf und runter, und die Kundschaft wird ungeduldig.» Es ist ein erstes Indiz dafür, dass der Fechtsport in seiner Prioritätenliste nicht mehr unbedingt zuoberst steht. Dennoch: Ganz kann der mittlerweile «andere Kauter» den Degen dann doch nicht von seinen Opponenten lassen.

Spricht man in der Schweiz heute vom fechtenden Kauter, dann ist in der Regel von seinem jüngeren Bruder Fabian die Rede. Vor acht Jahren war aber Michael der Einzige, der sich für die Schweiz an den Olympischen Spielen in Peking duellieren durfte. «Damals war ich wirklich gut drauf», sagt er. Nach dem Grossevent reduzierte Kauter sein Pensum deutlich. Mit dem Trainerwechsel im Nationalkader von Rolf Kalich zu Gianni Muzio kurz danach entschloss sich der Berner, sich vermehrt seiner beruflichen Karriere zu widmen. Die zunehmende Professionalisierung des Schweizer Fechtsports unter dem neuen Trainer sei dabei auch ausschlaggebend gewesen.

Doch ganz los liess ihn die Leidenschaft nie. Zu sehr war Kauter dem Fechtsport verbunden. Und das Fechten haben die Kauters ja ohnehin im Blut. Schon Vater Christian war in den Achtzigern Aushängeschild der hiesigen Szene, Bruder Fabian ist es heute.

Das Feuer brennt noch

Und die Passion wird es wohl auch gewesen sein, die Michael Kauter vor kurzem trotz eines 100-Prozent-Jobs zurück in den Weltcup führte. «Ich verspüre noch Lust», sagt er und vergleicht seine Karriere sogleich mit jener seines Bruders. «Ich weiss nicht, wie lange er noch aktiv ist, gut möglich, dass er nach gelungenen Olympischen Spielen genug hat.»

Ihm selbst komme nun zugute, dass er zwei Jahre weg vom Fenster gewesen sei. «Ich bin zwar nicht mehr der Agilste, aber Fechten kann ich, und grosse Lust darauf habe ich auch noch.» Mittlerweile trainiert er wieder fünfmal wöchentlich, davon zweimal mit dem Nationalkader. Dabei misst er sich mit Spitzenfechtern wie seinem Bruder oder Max Heinzer, er ist auf Augen­höhe. Auch im Weltcup gelangen ihm bereits wieder Achtungserfolge. In Tallinn wurde er 15., das Maximum sei dies jedoch nicht.

Hohe Ziele

Steigern könnte er sich zum Beispiel heute und morgen beim Weltcup in Vancouver. Und einen Exploit traut er sich zu. «Ich kann es ganz nach vorne schaffen, es fehlt nicht viel.» Oft habe er in knappen Partien die Big Points verpasst, deswegen hat er nicht noch besser abgeschnitten. Als Ziel nennt er eine erneute Teilnahme an einem grossen Turnier, hat er doch noch eine Rechnung offen: 2009 und 2010 wurde er trotz dem Erreichen der Nominationskriterien vom Verband nicht für die Weltmeisterschaften nominiert. Diese Rückschläge sind ihm nun Ansporn, es nochmals nach oben zu schaffen.

Auch eine Teilnahme an den Olympischen Spielen im Sommer in Rio schliesst er noch nicht kategorisch aus. Aufdrängen wolle er sich nicht. Aber: «Wenn das Team das Gefühl hat, ich könne ihm helfen, würde ich mich dieser Herausforderung stellen.» Dazu müsste er sich in der Weltrang­liste jedoch deutlich steigern. «Wenn ich bis August unter den besten 16 bin, dann wäre das Szenario wohl einigermassen realistisch», sagt Michael Kauter. Es wäre dann die ultimative Vollendung der Rückkehr auf die grosse Bühne.

Berner Zeitung

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