Zum Hauptinhalt springen

Auf Distanz

Mirco Gerson verpasst an der Schweizer Beachvolleyball-Meisterschaft den Einzug ins Halbfinale. Es ist das passende Ende einer enttäuschenden Saison.

Nachdenklich: Mirco Gerson hatte sich diese Saison weniger schwierig vorgestellt.
Nachdenklich: Mirco Gerson hatte sich diese Saison weniger schwierig vorgestellt.
Christian Pfander

Der Berner Bundesplatz und der Bahnhof sind nur etwa 500 Meter voneinander entfernt. Als Mirco Gerson am Freitagmorgen am Bahnhof sitzt, würde er sich wünschen, dass diese Distanz unendlich viel grösser wäre. Abstand gewinnen will er, in den nächsten Wochen nicht an Beachvolleyball denken. Die Halbfinalspiele der Schweizer Meisterschaft, die zu diesem Zeitpunkt auf dem Bundesplatz ausgetragen werden, interessieren ihn nicht, denn schliesslich ist er nicht dabei – zum ersten Mal überhaupt.

Es kann schnell gehen. Vor einem Jahr hatte er an der Seite von Philip Gabathuler seinen dritten Schweizer-Meister-Titel feiern können, nach dem gewonnenen Finalspiel wurde er zum wertvollsten Spieler des Jahres gewählt. Nun ist er in der entscheidenden Phase nicht dabei. Sinnbildlich für die ganze Saison sei das, sagt Gerson. Die Enttäuschung in seinen Worten ist spürbar. An der Seite seines jungen Partners Michiel Zandbergen kam er nie richtig auf Touren. Das neu formierte Tandem tat sich schwer, über eine längere Zeit auf hohem Niveau zu spielen.

Auch an der Schweizer Meisterschaft wäre mit mehr Konstanz durchaus die Halbfinalqualifikation dringelegen. Nach gewonnenem Startsatz lagen Gerson/Zandbergen in der dritten Partie auch im zweiten Durchgang in Führung. Da sie ihr Spiel aber nicht bis zum Ende durchziehen konnten und unter Druck öfters falsche Entscheidungen trafen, kam ihre ­Saison am Donnerstagabend zu einem unerwartet abrupten Ende. «Ich wusste, dass es eine schwierige Saison wird», sagt Gerson. «Aber gleich so schwierig hätte ich nicht erwartet.»

Schwierige neue Rolle

Nach Gabathulers Rücktritt hatte sich Gersons Rolle komplett verändert. Er war auf einmal der Routinier im Team, der trotz seiner 24 Jahre schon über mehrere Jahre Erfahrung auf der World Tour verfügte und entsprechend den drei Jahre jüngeren Michiel Zandbergen in seiner ersten Saison als Profi unterstützen und anleiten sollte. Er übernehme gerne eine Führungsrolle, sagt Gerson, aber dennoch sei es bisweilen nicht einfach gewesen, Wege zu finden, wie er seinem Partner vorab in Drucksituationen helfen könne.

In den sechs Monaten ihrer Zusammenarbeit hätten sie sicherlich Fortschritte gemacht, auch wenn diese nicht immer ersichtlich seien. Gerson muss aber festhalten: «Es reicht halt noch nicht, um mit den Besten der Welt mitzuhalten.» Für einen, der seit Jahren auf der World Tour unterwegs ist, einst in der Weltrangliste an 14. Position geführt wurde und im letzten Jahr die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro nur knapp verpasste, ist dies eine ernüchternde Erkenntnis. «Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch.»

Dazu beigetragen, dass Gerson/Zandbergen auf eine enttäuschende Saison zurückblicken, hat auch, dass das Duo aufgrund von Umstrukturierungen beim Weltverband FIVB viel weniger häufig als erhofft Gelegenheit hatte, sich auf internationaler Bühne zu präsentieren. Der Berner und der Zürcher waren auf Wildcards von Veranstaltern angewiesen. Immerhin sechsmal konnten sie so auf der World Tour antreten. Weil aber der Turnierkalender massiv zusammengestrichen worden ist, mussten sie dort oft gegen Topteams antreten, was sportlich reizvoll, aber nicht von Erfolg gekrönt war. «Ein Riesenchaos» sei es bisweilen gewesen, sagt Gerson, da sie oft im Ungewissen gewesen seien, ob sie überhaupt an einem Turnier würden teilnehmen können. Dennoch: Gerson nimmt vor allem sich und seinen Partner in die Pflicht: «Die Chancen, die wir erhielten, haben wir einfach nicht genutzt.»

Wie und ob es für die beiden im nächsten Jahr weitergeht, wird sich in den kommenden Monaten weisen. Gerson will sich genug Zeit lassen, die Saison mit etwas Abstand zu analysieren. Am Samstag fliegt er nach Lombok in die Ferien. Die indonesische Insel ist gut 12 000 Kilometer vom Bundesplatz entfernt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch