«Auf der Strasse gibt es weniger Action»

MOUNTAINBIKE Auch nach fünf WM-Titeln hat Nino Schurter ein klares Ziel: Titel Nummer sechs. Warum das ­so ist, verrät der 31-jährige Olympiasieger im Interview.

Das Mass aller Dinge: Nino Schurter ist morgen an der WM in Australien der grosse Favorit im Cross-Country-Rennen.

Das Mass aller Dinge: Nino Schurter ist morgen an der WM in Australien der grosse Favorit im Cross-Country-Rennen.

(Bild: Peter Berger)

Nach dem Olympiasieg 2016 in Rio ziehen Sie Ihre starken ­Leistungen nahtlos weiter. ­Erklären Sie das Phänomen.Nino Schurter: Ich habe einfach immer noch Spass und Freude an dem, was ich tue. Nach dem Olympiasieg machte ich schon eine längere Pause, diese benötigte ich auch. Aber Motivationsprobleme hatte ich nie.

Haben Sie den Trainingsumfang nicht gedrosselt?Nein, ich trainiere gleich viel. Letztes Jahr habe ich jedoch viel Zeit investiert, um etwa den optimalen Reifen zu finden, hier und da beim Material noch etwas ­ausprobiert, um schneller zu werden. Von diesen Erfahrungen ­zehre ich jetzt. Ich habe deutlich weniger Stress.

Mit sechs Weltcuprennen und sechs Siegen sind Sie das Mass aller Dinge.Wie gesagt, das Material passt perfekt, ich habe schnelle Reifen, und ein Weltcuprennen ist für mich immer ein Highlight. Deshalb habe ich auch das letzte in Val di Sole nicht ausgelassen, ­obwohl mein fünfter Gesamtsieg schon vorher feststand. Wenn ich zudem irgendwann den Rekord von Julien Absalon mit 32 Weltcupsiegen brechen will, darf ich nicht zu viele Rennen auslassen – ich stehe derzeit bei 26 ­Siegen.

Früher dominierten Julien Ab­salon, Jaroslav Kulhavy und Sie das Geschehen. Nun sind Sie als einziger der ­Altmeister an der Spitze übrig geblieben.Nun ja, Absalon hatte diese Saison mit seiner Schulterverletzung auch etwas Pech. Ihn habe ich aber an der Weltmeisterschaft durchaus auf der Rechnung. Und von Kulhavy weiss man, dass seine Leistungen schwanken. Das war bei ihm immer so.

Sie sind dagegen konstant an der Spitze, aber dahinter wechseln sich die Verfolger immer wieder ab.Neben mir standen tatsächlich immer wieder andere auf dem Podium. Es gibt jetzt auch viele jüngere Fahrer. Das macht es für mich nicht einfacher, denn diese kenne ich noch weniger gut, weshalb sie schwieriger einzuschätzen sind.

Die Verfolger bedrängen Sie zwar oft zu Beginn des Rennens, aber am Ende fahren Sie trotzdem solo ins Ziel. Wie machen Sie das?Es ist überhaupt nicht so, dass die Rennen für mich locker sind. Ich spüre immer Druck. Man darf sich einfach keinen Fehler erlauben. Da verschafft mir die Er­fahrung gegenüber den Jungen einen Vorteil.

Bisher verloren Sie nur, wenn Sie wie Mitte August beim Swiss-Cup in Muttenz einen ­Defekt hatten.Da hatte ich gleich zwei: einen Kettenriss und einen platten Reifen. Aber besser zwei auf einmal und an einem Swiss-Cup statt an einem Weltcup. Ich hoffe, dass ich da gleich alle Defekte für diese Saison eingezogen habe. Denn einen solchen kann man sich nicht erlauben, sonst ist man weg vom Fenster.

Eigentlich haben Sie ja schon ­alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Warum ist Ihnen die WM in Cairns so wichtig?Es war diese Saison immer mein Hauptziel, den WM-Titel zu verteidigen. Mit dem Shirt des Weltmeisters an den Rennen zu starten, ist jeweils eine grosse Ehre. Auch wenn ich nicht gewinnen sollte, darf ich jedoch festhalten, dass ich eine bombastische Saison hatte, die kaum besser hätte sein können.

2014 haben Sie einmal einen Abstecher zu den Strassenprofis gemacht und die Tour de Romandie und die Tour de Suisse ­absolviert. Wäre das als Abwechslung nicht wieder malein Thema?Nein, das war ein Test. Meine Wurzeln sind im Mountainbike. Hätte ich wechseln wollen, hätte ich das damals gleich tun sollen, denn ich hätte das Training umstellen müssen. Aber auch dann weiss ich nicht, ob ich ein Top-Strassenfahrer geworden wäre.

Als der slowakische Star Peter Sagan an der Tour de France ­disqualifiziert worden ist, haben Sie ihn per Twitter aufgefordert, wie in Rio wieder aufs Mountainbike zu steigen. Hat er ­reagiert?Nein, jedenfalls habe ich nichts bemerkt. Aber ich kenne ihn von früher, er kommt ja aus dem Mountainbike. Ich bin überzeugt, dass er ein Top-Biker sein könnte. Aber er müsste sich natürlich länger vorbereiten als nur wie vor den Olympischen Spielen auf ein Rennen. Es würde Spass machen, wieder gegen ihn zu fahren.

Sie betonen immer wieder die Leidenschaft für Ihren Sport. Was macht denn die Faszination Mountainbike aus?Das ist einfach die coolste Sportart. Man ist in der Natur, weg vom Verkehr. Die Kombination Ausdauer, Technik und Material ist spannend. Man kann einen Berg hochfahren und hat dann eine schöne Abfahrt. Auf der Strasse ist man an die Verkehrswege gebunden; es geht viel mehr um Ausdauer, da gibt es deutlich weniger Action.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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