Ambitioniertes Berner Trio

Anne-Sophie Koller, Dimitri Vogt und Sascha Lehmann gehören zum Schweizer Olympiapool. Die Chancen, 2020 in Tokio dabei zu sein, sind für die Berner aber klein.

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Peter Berger@PeterBerger67

Neun Athleten hat der Schweizer Alpen-Club im Hinblick auf die Sommerspiele 2020 in Tokio für den Olympiapool nominiert (sechs Frauen, drei Männer). Mit den Seeländern Anne-Sophie Koller (Biel), Dimitri Vogt (Worben) und dem Emmentaler Sascha Lehmann (Burgdorf) gehören auch drei Berner Talente dazu.

Bei der Olympiapremiere in Japan sind indes weltweit nur die jeweils zwanzig besten Frauen und Männer (maximal je zwei pro Land) für den einzigen Combined-Wettkampf (Kombination aus den drei Disziplinen Lead, Bouldern und Speed) zugelassen. Die Schweiz möchte mit ein bis zwei Athleten vertreten sein. Die besten Chancen hat dabei Petra Klingler. Die Zürcherin wurde 2016 Boulder-Weltmeisterin.

Lehmanns starkes Comeback

Aber auch Sascha Lehmann hat zuletzt überzeugt. Nach einer Knieoperation (Kreuzband und Meniskus) im Januar kehrte der 20-Jährige im Juli im Weltcup stärker denn je zurück. «Ich bin selber überrascht», sagt Lehmann. Vor einer Woche erreichte er bei seiner dritten Finalteilnahme (Top 8) in Italien mit dem 6. Rang sein bisher bestes Resultat. «Ich war nach der langen Pause sicher extrem motiviert und hatte gut trainiert», versucht der Jugendweltmeister in der Kombination von 2016 seinen aktuellen Höhenflug zu begründen.

Sascha Lehmann gibt sich kämpferisch: «Wir werden alles daran setzen, das Ziel Tokio 2020 zu erreichen.»

Trotzdem sagt Lehmann: «Meine Olympiachancen sind klein. Die Hürde ist riesig. Aber weil es theoretisch möglich ist, bleibt Tokio ein Ziel.» Der Burgdorfer konzentriert sich seit dem Maturabschluss vor zwei Jahren ausschliesslich auf das Klettern. «Ich überlege mir zwar, ob ich ein Physikstudium beginnen soll, möchte mir aber 2019 im Hinblick auf die Olympiaselektionswettkämpfe nichts verbauen», erklärt Lehmann. Um neben der finanziellen Unterstützung durch die Sporthilfe weitere Gelder zu generieren, ist der Sportkletterer nun «in einem kleinen Rahmen» eine Zusammenarbeit mit einem Manager eingegangen.

Vogts Fokus

Wie Lehmann ist auch Dimitri Vogt ein Leadspezialist. «Bisher hatten alle Athleten so etwas wie eine Paradedisziplin, weil nun aber bloss in einem Kombinationswettkampf Olympiamedaillen vergeben werden, trainieren alle vermehrt jede Disziplin», sagt Vogt. Der Seeländer hat dadurch festgestellt, dass die «Teilnehmerfelder an den Wettkämpfen grösser geworden sind». Selber ist der 21-Jährige bisher mit seiner Saison zufrieden, «obwohl mir international ein absolutes Topresultat fehlt».

«Die Chancen für die Olympischen Spiele sind vorhanden, wenn auch nicht riesig», sagt Dimitri Vogt.

Vogt behält dennoch die «sehr schwierige» Olympiaqualifikation im Fokus. Das 163 cm grosse Kraftpaket mit einer Spannbreite seiner Arme von 170 cm hält fest: «Der Kopf ist der grösste Muskel. Alles Training nützt nichts ohne die mentale Verfassung.» Auch deshalb arbeitet er seit diesem Jahr mit einem Mentaltrainer. Und zur Abwechslung klettert der Geologiestudent nach wie vor gerne draussen am Felsen.

Kollers Doppelbelastung

Auch für Anne-Sophie Koller wäre eine Olympiateilnahme ein Traum. Die Schweizer Meisterin im Lead machte diese Saison im Weltcup mit den Rängen 9 und 12 auf sich aufmerksam. Die 21-jährige Bielerin absolviert indes auch ein Medizinstudium. «Es ist eine grosse Doppelbelastung, da beide Teile sehr zeitintensiv sind», sagt sie. «Für mich liegt es im Moment mit dem Studium nicht drin, in alle drei Disziplinen genügend Zeit zu investieren.» Tokio dürfte deshalb ohne sie stattfinden.

«Die Olympiaqualifikation wird für alle Schweizer brutal schwierig», weiss Nationaltrainer Kevin Hemund. «Aber ich gehe davon aus, dass Sportklettern weiter im Programm bleibt und in Zukunft in allen drei Diszip­linen Medaillen vergeben werden.» Hoffnungsvoll fügt Hemund an, «und das Berner Trio ist ja noch jung».

Neues Leistungszentrum

Um den Athleten optimale Trainingsmöglichkeiten bieten zu können, hat der SAC in Zusammenarbeit mit dem Baspo und Swiss Olympic am vergangenen Wochenende ein neues nationales Leistungszentrum für die Sportkletterer in Biel eröffnet.

Berner Zeitung

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