Weltbeste Volleyballerin in Köniz

Natalia Mammadowa, 29 Jahre alt, gehört zu den besten Volleyballerinnen der Welt. Am Sonntag tritt die Aserbeidschanerin mit Volero Zürich in der neuen Heimstätte von Volley Köniz an.

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Ihren Spitznamen «Eichhörnchen» verdankt Natalia Mammadowa einer serbischen Teamkollegin. Diese verstand kein Wort, als Mammadowa im Car von Volero Zürich erst entzückt aus dem Fenster blickte, dann auf einen Baum zeigte und auf Russisch schrie: «Ein Eichhörnchen!» Mammadowa wurde gebeten, ihre Entdeckung zu übersetzen – und hatte ihren Spitznamen weg. Die 29 Jahre alte Volleyballerin erzählt diese Geschichte mit viel Charme. Mammadowa, eine der weltbesten Angreiferinnen und am Sonntag mit dem Schweizer Branchenleader zu Gast bei Volley Köniz, sitzt in der klubeigenen Lounge im Zürcher Quartier Oerlikon.

Sie strahlt Zufriedenheit aus, sie lacht, streicht sich mit den langen Fingern durchs Haar, wird aber ernst, als sich das Gespräch um ihre Heimat dreht: «Ich mache mir Sorgen, was in Donezk passiert. Ich habe Angst vor einem Krieg», sagt die gebürtige Ukrainerin, die seit 12 Jahren für das mediokre Nationalteam von Aserbeidschan spielt. Ihre Mutter sei nach Sewastopol auf die Halbinsel Krim umgezogen; auch die beiden Schwestern hätten Donezk verlassen, nur noch der Bruder sei geblieben, erzählt die 1,96 Meter grosse Starspielerin von Volero Zürich.

Mammadowa sorgt für das Wohl der Familie, sie schickt Geld oder steckt der Mutter einen Batzen zu, wenn sie zu Besuch kommt. Ihrer Mutter hat es Mammadowa zu verdanken, dass sie Volleyballerin wurde. «Als ich 13 Jahre alt war, schickte sie mich in die Sportschule. Dort trainierte ich jeweils vor und nach den Lektionen», sagt Mammadowa, die in ihrer Jugend auch im Hochsprung, im Schiessen und im Schwimmen Talent gezeigt hatte.

Massive Lohneinbusse

«Mammadowa verdient bei uns sieben Mal weniger als zuletzt in Omsk – auf jeden Fall weniger als 100'000 Franken», sagt Volero-Präsident Stav Jacobi, der die hochdekorierte Volleyballerin mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet hat. Mammadowa spielt nach 2005/2006 und 2007/2008 zum dritten Mal für den Millionenklub Volero Zürich, der zu Europas Top 7 gehört.

«Ich möchte meine Karriere bei Volero ausklingen lassen. In Zürich fühle ich mich wie zu Hause», sagt die Führungsspielerin. Mit Jacobi verbinde sie eine langjährige Freundschaft. «Er hat mir sehr viel geholfen.» Jetzt wolle sie ihm etwas zurückgeben. Im Juni wurde Mammadowa in der Klinik Hirslanden erfolgreich an der rechten Schulter operiert, ihr Comeback steht kurz bevor.

47 Punkte in einem Spiel

An die zwei letzten Spiele des Playoff-Finals 2005 gegen Köniz kann sich Mammadowa noch gut erinnern. Für die verletzte Jewgenia Artamonowa kurzfristig aus Baku eingeflogen, führte sie Zürich mit zwei weiteren Siegen zum Titel. «Am Sonntag werden zwei andere Teams auf dem Feld stehen. Wenn uns Köniz überraschen will, muss es dies im ersten Satz tun, wenn wir vielleicht etwas nervös sind», sagt Mammadowa, die in der Champions League mehrmals zur besten Angreiferin ausgezeichnet worden ist.

Auch ein anderes Spiel wird Mammadowa nie mehr vergessen: In der Champions League 2006 erzielte sie für Baku gegen Vakifbank Istanbul 47 Punkte – das sind fast zwei Sätze. Schon damals hat Mammadowa ihrem Spitznamen alle Ehre gemacht. Eichhörnchen legen sich jeweils auch einen Vorrat an.

Berner Zeitung

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