Wako Kote läuft in ein anderes Leben

Wako Kote hat im Alter von 2 Jahren seine Eltern im Krieg verloren. Der 14 Jahre alte Äthiopier wächst in einem SOS-Kinderdorf auf. Am Samstag startet er beim Altstadt-GP.

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Wako Kote weiss in diesem Moment nicht, dass seine 20 Runden um den Fussballplatz zum Lauf in ein anderes Leben werden. Der 14 Jahre alte Äthiopier aus dem SOS-Kinderdorf Harar gewinnt das Rennen überlegen, auch im zweiten läuft er der Konkurrenz davon. Im Ziel nimmt ihn Programmdirektor Tsegaye Dejene zur Seite.

Kote erfährt mit leuchtenden Augen, dass er als Sieger der beiden «Mini-GP von Bern in Harar» eine Einladung in die Bundesstadt gewonnen hat. Kote wird am Samstag im Altstadt-GP (4,7 Kilometer) an den Start gehen.

Am Donnerstag hat der afrikanische Schüler den Aargauerstalden inspiziert. Kote war mit einem prominenten Pacemaker unterwegs: Viktor Röthlin. Der Marathon-Europameister gab ihm Tipps: «Äthiopische Kinder sind es nicht gewohnt, auf Asphalt zu laufen. Ich rate Wako Kote, bergab einen Gang zurückzuschalten, sonst werden die Beinmuskeln zu stark strapaziert.»

Gebrselassie als Vorbild

«Mein Ziel ist es, das Rennen zu gewinnen und mit einem Medaillengewinn Ehre für mein Dorf einzulegen», sagt Kote selbstbewusst. Dorfdirektor Dejene übersetzt diese Worte mit einem Schmunzeln. Die Laufzeiten seines Schützlings kennt er nicht – sie wurden in den beiden Ausscheidungsrennen nicht gemessen. «Aber er hat schon reichlich Talent», sagt der 45 Jahre alte Betreuer.

Fünfmal pro Woche absolviert Wako Kote 46 400-Meter-Runden um den Fussballplatz. Das sind 18,4 Kilometer. Hinzu kommen Einheiten im coupierten Gelände vor der Haustür. Der schnellste Läufer im SOS-Kinderdorf Harar, Charity-Partner des GP Bern, ist Kote bereits. Wo geht seine Reise hin? «Erst wollte ich Fussballer werden, dann Ingenieur; jetzt träume ich davon, ein so berühmter Läufer zu werden wie Haile Gebrselassie.»

Im Alter von 2 Jahren wurde Wako Kote ins SOS-Kinderdorf Harar, eine von sieben solcher Einrichtungen in Äthiopien, eingewiesen. Seine Eltern starben im Krieg an der Grenze zwischen Äthiopien und Somalia. «Ich verbringe eine schöne Kindheit. Im Dorf habe ich eine neue Mutter und viele Geschwister gefunden», sagt der 45 Kilogramm schwere Jüngling.

Mother Debritu heisse die Bezugsperson von Kote in Harar, erzählt Dejene. Jeweils 10 Kinder werden in der Gemeinschaft von einer «Mutter» betreut. In der Anlage gibt es 15 Familienhäuser. «Wir bemühen uns, den Kindern ein familiennahes Umfeld zu bieten.» Nur in einem beschützten Zuhause würden sich die Kinder nachhaltig entwickeln können.

23'000 Franken gespendet

Auf Kotes T-Shirt ist die Zahl 23000 aufgedruckt. So viele Franken spendeten die GP-Teilnehmer im Rahmen der Onlineanmeldung für das SOS-Kinderdorf in Äthiopien. «Das Geld fliesst in verschiedene Projekte, mit denen wir den Kindern eine Perspektive geben können», sagt Dejene. Kindertagesstätten, Schulbildung, Berufsberatung und medizinische Betreuung benötigen ebenso Spendengelder wie die Renovation der 36 Jahre alten Anlage und die Förderung der Kinder im Sport. Damit nicht nur Wako Kote in ein besseres Leben laufen kann.

Berner Zeitung

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