«Sport muss besser gemanagt werden»

Auf dem Spielfeld ist alles transparent. Daneben fast nichts. Das behauptet der Sportmanager Rowland Jack. Er engagiert sich mit seiner Firma für mehr Transparenz im Sportgeschäft.

Sportmanager Rowland Jack setzt sich mit seiner Agentur «I trust sport» für Transparenz im Sportgeschäft ein.

Sportmanager Rowland Jack setzt sich mit seiner Agentur «I trust sport» für Transparenz im Sportgeschäft ein.

(Bild: zvg)

Mathias Born@thisss

Haben Sie das Vertrauen in den Sport verloren? Rowland Jack: Keineswegs. Was auf dem Spielfeld oder auf der Strecke passiert, kann man oft genau verfolgen. Und jede erdenkliche Situation ist klar geregelt. Weniger Vertrauen habe ich hingegen in die Sportverbände.

Weshalb? Es sorgt für Unruhe, wenn die Fifa all ihre Profite aus der Fussballweltmeisterschaft aus Brasilien abzieht. Kaum jemand begreift, weshalb Bernie Ecclestone, der Geschäftsführer der Formel-1-Holding, in Deutschland mit einem Nichturteil davonkommt. Und viele Leute sind konsterniert, dass die US-Football-Liga NFL nicht sofort hart durchgreift, wenn ein Spieler seine Frau bewusstlos schlägt oder ein anderer seinen Sohn mit einem Holzstock züchtigt. Das sind bloss einige aktuelle Skandale. In den letzten Jahren ist viel zu viel schiefgelaufen. Der Sport wurde durch schlechtes Management weit zurückgeworfen. Mit jedem Skandal wird der Druck auf die Sportverbände grösser – aus den Medien, der Öffentlichkeit und der Politik, aber insbesondere auch von den Sponsoren.

Nach dem Ende Ihres Jobs an den Olympischen Spielen haben Sie die Agentur I Trust Sport gegründet. Was tun Sie genau? Sport ist ein riesiges Geschäft. Dieses muss seriös und nach den Regeln guter Führung gemanagt werden. Wir versuchen, die Akteure dabei zu unterstützen: So analysieren wir im Auftrag von Verbänden oder Sponsoren, ob die internen Regeln genügen. Dabei bedienen wir uns eines standardisierten Bewertungsverfahrens. Zum Einsatz kommt zudem ein Auswertungstool, das vom Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung der Uni Lausanne entwickelt worden ist. In unseren Berichten zeigen wir Verbesserungsmöglichkeiten auf. Zudem beraten wir Kunden im Umgang mit den Medien.

Hat ein bestimmtes Erlebnis den Ausschlag gegeben, dass Sie sich nun für Transparenz im Sportgeschäft stark machen? Es waren eher die vielen Einzelfälle. Ein wichtiger war für mich die Wahl des Präsidenten der Fifa 2011 – oder besser gesagt: die Nichtwahl. Sepp Blatter war der einzige Kandidat und wurde für eine vierte Amtszeit wiedergewählt, nachdem sein Kontrahent Mohamed bin Hammam seine Kandidatur zurückziehen musste. Mir ging das nicht in den Kopf: Gibt es in der riesigen Fussballwelt wirklich nur eine passende Person für das Amt des Präsidenten?

Sie fordern, dass Verbände ihre Daten – wenn möglich – öffentlich machen sollen. Weshalb? Daten spielen auf dem Spielfeld eine zunehmend wichtigere Rolle: Alles Mögliche wird aufgezeichnet und ausgewertet. Ganz anders sieht es neben dem Spielfeld aus: Versuchen Sie mal, an Angaben zu den Verbandsfinanzen heranzukommen, oder auch nur an Verhaltensregeln. Das ist oft schier unmöglich. Und wenn, dann liegen die Daten in einer Form vor, die kaum auswertbar ist. Das muss sich ändern. Auch im Interesse der Verbände: Sie sind nicht geschaffen worden, um Profit zu erwirtschaften. Transparenz erhöht ihre Glaubwürdigkeit.

Stossen Sie bei Sportverbänden mit diesem Ansinnen auf Gehör? Die Arbeit beginnt erst jetzt. Noch stehen viele Verbände der Freigabe von Daten kritisch gegenüber. Ich bin aber überzeugt, dass es bald vorwärtsgeht. Der Druck ist stark geworden. Wir stehen an einem Wendepunkt: Aussitzen geht nicht mehr, jetzt muss man agieren. Schaffen die Verbände es nicht, sich selbst zu reformieren, wird die Politik Auflagen machen. Eine Transparenzoffensive liegt im Interesse der Verbände. Damit können sie eine Fremdregulierung verhindern.

Beobachten Sie auch positive Entwicklungen? Das Management des Sports wird professioneller. Das ist eine gute Tendenz. Und zunehmend gibt es auch Exponenten, die Probleme anpacken. So hat Brian Cookson, der neue Präsident des Weltradsportverbandes Union Cycliste Internationale, bereits viele dringend nötige Reformen angestossen. Zunehmend finden auch Konferenzen zu Ethik und Transparenz im Sportgeschäft organisiert. So etwa am letzten Wochenende in Zürich. Mit dabei sind übrigens auch Redner der Fifa.

Berner Zeitung

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