Spektakel im Emmental

Die Langnauer Tigers führen im fünften Halbfinalvergleich mit Wiler-Ersigen 7:2 und gehen trotzdem als Verlierer vom Feld – der Titelverteidiger steht im Superfinal.

Abflug Richtung Kloten: Wiler-Ersigen (hier Isaac Rosén) wird am 18. April am ersten Superfinal teilnehmen.

Abflug Richtung Kloten: Wiler-Ersigen (hier Isaac Rosén) wird am 18. April am ersten Superfinal teilnehmen.

(Bild: Marcel Bieri)

Im Handball lassen sich die Spiele häufig anhand der Torfolge analysieren. Im Unihockey ist dies ungleich schwieriger; es sei denn, die Partie verlaufe wie die fünfte Playoff-Halbfinal-Begegnung zwischen Wiler-Ersigen und den Langnauer Tigers. 0:2, 2:2 (12.), 2:7 (32.), 7:7 (52.), 7:8, 8:8, 9:8 – so präsentieren sich die entsprechenden Ziffern aus der Perspektive des Titelverteidigers, welcher die Serie mit 4:1-Siegen für sich entschied, damit am 18. April den ersten Superfinal in Kloten bestreiten wird.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig es braucht, damit ein vermeintlich gefestigtes Ensemble nicht nur den Faden verliert, sondern gar in sich zu zerfallen droht. Wiler-Ersigen beispielsweise, aus der vierten Begegnung vom Samstag trotz bescheidener Effizienz als 6:4-Sieger hervorgegangen, kassierte im Mitteldrittel innert 10 Minuten fünf Tore. Es hätte in Anbetracht der Tigers-Chancen gar noch der eine oder andere zusätzliche Treffer fallen können.

Wolfs Missgeschick

Ausgelöst worden war der Torreigen durch einen Fehler von Nicolas Wolf; der Goalie hatte einen vermeintlich harmlosen Schuss des Langnauer Captains Simon Stucki passieren lassen. In der Folge zeigten aufseiten des Favoriten selbst langjährige Nationalspieler Nerven: Bälle versprangen bei der Annahme, Pässe landeten auf der Schaufel eines Gegenspielers. Die Tigers erkannten die Situation sofort, erhöhten das Tempo, demonstrierten ihre Konterqualitäten, waren nicht nur physisch, sondern auch gedanklich einen Schritt schneller. Es sah danach aus, als steuerten sie einem sicheren Erfolg entgegen – bis zur 36. Minute.

Gfellers Strafe

Als der Langnauer Thomas Gfeller beim Stand von 7:2 auf die Strafbank geschickt wurde, wendete sich das Blatt. Wiler-Ersigens Trainer Johan Schönbeck konzentrierte seine besten Kräfte auf zwei Linien, setzte alles auf eine Karte. Sein Team vermochte sich aus einer scheinbar ausweglosen Situation zu befreien, in der 52.Minute erzielte Patrick Mendelin den Ausgleich. Die zuvor so beeindruckenden Gäste hatten dem Ansturm nichts entgegenzusetzen, begingen haarsträubende Fehler, wie sie in der ersten Hälfte des Mitteldrittels den Kontrahenten unterlaufen waren.

Trotzdem standen die Tigers dem Sieg 2 Minuten vor Schluss näher, hatte doch Thomas Gfeller, wiederum er, in der 57.Minute das 8:7 erzielt. Was folgte, lässt sich als verfrühtes Meisterstück bezeichnen. Wiler-Ersigen – der für Wolf eingewechselte Samuel Zimmermann hatte einem sechsten Feldspieler Platz gemacht – liess den Ball zirkulieren, wartete geduldig auf die Abschlussgelegenheit.

Und als sich diese bot, untermauerte Mendelin seinen Ruf als kaltblütigster Spieler mit Schweizer Pass. Neun Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit schoss Christoph Hofbauer, der Vorgänger des Baselbieters, den Titelhalter ins Glück. Den beteiligten Trainern wird die Partie kaum Freude bereitet haben. Die Zuschauer hingegen erlebten ein aussergewöhnliches Spektakel – und sahen fast so viele Tore wie im Handball.

Berner Zeitung

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