Selbst der Schwingerkönig ist keine «Riesenmaschine»

Matthias Sempach hat am Montag auf dem Stoos den Kranz geholt. Zwei Tage zuvor hatte er am «Oberaargauischen» gesiegt.

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Der Schwingerkönig ist müde, aber zufrieden. Zum Abschluss seines anspruchsvollen Pfingstwochenendes freut er sich auf dem Stoos über den Kranzgewinn. «Ziel erreicht», sagt Sempach, der nun im Besitz sämtlicher sechs Bergkränze ist.

Zwei Tage zuvor reüssierte der Alchenstorfer bei seinem Heimfest: Mit einem Brienzer entschied er den Schlussgang des Oberaargauischen Schwingfests in Messen kurz vor Ablauf der Zeit gegen Florian Gnägi. Bereits zum fünften Mal durfte sich der 28-Jährige an einem «Oberaargauischen» als Sieger schultern lassen. Der Erfolg ging indes nicht spurlos an ihm vorbei.

Mentale Belastung

Auf dem Stoos vermochte Sempach nicht zu kaschieren, dass er als einziger ernsthafter Sieganwärter bereits am Samstag einen Wettkampf bestritten hatte. «Was die Müdigkeit betrifft, hatte ich punkto Kraft keine Probleme», sagt Sempach. Vielmehr habe er die Belastung in mentaler Hinsicht gespürt. «Ich war im Kopf nicht bereit, deshalb fehlten auf dem Stoos die letzten fünf Prozent.» Wer ein Fest gewonnen habe und zwei Tage später beim nächsten Wettkampf wieder zu hundert Prozent frisch und bereit sein wolle, der müsse eine «Riesenmaschine» sein. Merke: Selbst ein Schwingerkönig ist keine «Riesenmaschine».

Zurück zum «Oberaargauischen»: In Messen hatte Sempach bloss im ersten Gang gegen den Nordwestschweizer Christoph Bieri einen bangen Moment zu überstehen. Nach dem Gestellten zum Auftakt reihte er fünf Siege aneinander – den letzten gegen Gnägi wie erwähnt kurz vor Schluss. Der späte Exploit war nötig, sonst hätte das Duo bestehend aus Ruedi Roschi und Beat Salzmann den Festsieg geerbt.

Der Oberländer Roschi, Sohn von Schwingerkönig David Roschi, konnte für einmal sein Potenzial aufzeigen. Nach einer Niederlage im ersten Gang gegen Christoph Wälti zeigte der in Thun wohnhafte Diemtigtaler seine Fortschritte. Obschon ihm kein «Eidgenosse» zugeteilt wurde, konnte er ein starkes Notenblatt vorweisen. Wie Roschi startete Salzmann mit einer Niederlage (gegen Willy Graber) und realisierte in der Folge fünf Siege.

Drei Neukranzer

Ein erfreuliches Fazit des «Oberaargauischen» ist, dass die Nachwuchsschwinger der Spitze näher rücken. Mit Remo Käser (Jahrgang 1996), Stefan Gäumann (1996), Philipp (1995) und Dominik Roth (1996) wächst im Kanton Bern eine Generation von Schwingern heran, die in Kürze an der Spitze mitwirken wird. Alle aus diesem Quartett stammenden Schwinger realisierten bereits ihren dritten Kranzgewinn 2014. Thomas Inniger, Gustav Steffen und Daniel Glauser kamen erstmals zu Kranzehren.

Nicht auf Touren kam der «Eidgenosse» Thomas Zaugg. Der Eggiwiler beendete den Wettkampf zwar ohne Niederlage, musste nach dem ersten gestellten Gang gegen den späteren Schlussgangteilnehmer Gnägi aber auch mit Richard Tschanz und Remo Käser die Punkte teilen. Durch diese drei gestellten Gänge fehlte ihm am Ende das berüchtigte «Vierteli» zum Kranzgewinn.

Berner Zeitung

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