Reaktion nach dem Rücktritt von Gallardo

Die Könizerinnen haben nach turbulentem Wochenanfang den Kopf in Neuenburg wieder frei bekommen und überlegen 3:0 gewonnen. Nach dem Adios von Gallardo dürfte es am Ende der Saison ein Servus von Anika Schulz geben

Verschworene Einheit: Sarah van Rooij, Michelle Nogueras, Roslandy Acosta, Yessica Maria Paz Hidalgo, Martina Frankova und Perez Cabrera (v.l.) formieren einen Kreis, um sich auf den nächsten Punkt einzustimmen.

Verschworene Einheit: Sarah van Rooij, Michelle Nogueras, Roslandy Acosta, Yessica Maria Paz Hidalgo, Martina Frankova und Perez Cabrera (v.l.) formieren einen Kreis, um sich auf den nächsten Punkt einzustimmen.

(Bild: Raphael Moser)

Nach der unerwarteten Rücktrittsankündigung von Trainer Guillermo Gallardo am Montag machte sich bei den Könizer Volleyballerinnen gestern in Neuenburg eine «Jetzt-erst-recht-Stimmung» breit. Die Bernerinnen glänzten im Kollektiv und setzten sich gegen den Ligakonkurrenten NUC souverän 3:0 (26:24, 25:21, 25:23) durch.

Latino-Fraktion ist traurig

Die interne Ankündigung von Guillermo Gallardo, den Verein am Ende der Saison zu verlassen, hat viele Spielerinnen von Volley Köniz getroffen – im Besonderen die Latino-Fraktion. «Das war ein Schock», sagte die talentierte Angreiferin Roslandy Acosta gestern vor dem Spiel in Neuenburg.

Um anzufügen: «Ich rechnete fest damit, dass unser Trainer in Köniz weitermacht. Ich mag Guillermo. Er ist ein harter Arbeiter, ein ausgezeichneter Motivator, und er liebt seinen Job über alles.» Der Fokus liege jetzt voll auf Cup und Meisterschaft – «so wie es sich der Trainer von uns wünscht», liess die 22 Jahre alte Nationalspielerin aus Venezuela wissen. Hat Gallardos Entscheidung Einfluss auf ihren Verbleib in Köniz? «Ich habe mir noch keine Gedanken darüber gemacht. Es wird sicher davon abhängen, wer sein Nachfolger wird», sagte Acosta.

Auch Mittelblockerin Yessica Maria Paz Hidalgo zeigte sich nach dem Adios von Gallardo ergriffen: «Guillermo hat mich besser gemacht. Er war ja schon in der Bundesliga bei den Roten Raben Vilsbiburg mein Trainer.» Sie könne seine Entscheidung, mit der Familie nach Deutschland zurückzukehren, nachvollziehen, meinte die 25 Jahre alte Nationalspielerin aus Venezuela. Es sei noch zu früh, über eine Vertragsverlängerung nachzudenken, sagte Paz Hidalgo. Priorität hätten nun Cup und Meisterschaft. Das sah gestern auch Michelle Nogueras so. Die 26 Jahre alte Zuspielerin aus Puerto Rico betonte: «Die Ankündigung unseres Trainers darf uns nicht negativ beeinflussen. Wir stehen jetzt vor der entscheidenden Saisonphase.» Nogueras liess offen, ob sie ihren Kontrakt verlängern wird. Sie sagte: «Ob ich in Köniz bleibe oder nicht, hängt nicht mit Gallardos Abgang zusammen.»

5 Trainer auf der Shortlist

Gallardo hat mit der Absichtserklärung auch die Könizer Führung überrumpelt. «Wir wurden schon etwas auf dem falschen Fuss erwischt. Schliesslich besitzt unser Trainer einen bis 2017 laufenden Dreijahresvertrag», sagte VR-Mitglied Beat Ackermann. «Wir werden einen exzellenten Ausbildner verlieren.» Er hätte sich gewünscht, so Ackermann, dass Gallardo in der Saison 2015/2016 die Integration der drei Könizer Nachwuchstalente Zoé Vergé-Dépré, Xenia Staffelbach und Céline Ackermann vorantreiben würde.

Auf der Shortlist des Berner Vorortklubs für einen geeigneten Nachfolger stehen laut Beat Ackermann fünf Namen – vier Ausländer und ein Trainerkandidat aus der Schweiz. «Nach Bekanntwerden des Abgangs von Gallardo habe ich bereits Dossiers von Personen zugeschickt bekommen, die interessiert wären, zu uns zu kommen», sagte Ackermann.

Schulz tritt wohl zurück

Anika Schulz, Captain von Volley Köniz, wirkte am Freitag gefasst. Das Team habe die Nachricht professionell aufgenommen. «Wir sind keine Juniorinnen mehr, die gleich weinen, wenn der Trainer geht», sagte die 31 Jahre alte Diagonalspielerin. Sie sei von Gallardos Entscheidung, den Verein am Ende der Saison zu verlassen, nicht überrascht gewesen. Sie habe gespürt, dass so etwas im Raum stehen könnte, meinte die 23-fache deutsche Nationalspielerin.

«Guillermo leitete die Trainings zuletzt mit grosser Freude, er genoss jede einzelne Einheit richtiggehend – als befände er sich auf Abschiedstour.» Obwohl Topskorerin Schulz sagt, dass «Guillermo der beste Coach ist, den ich je gehabt habe», macht sie ihr Bleiben bei Köniz nicht von der Trainerentscheidung abhängig. «Das spielt keine Rolle mehr», sagte sie sibyllinisch. Es ist zu vermuten, dass Schulz Ende Saison zurücktreten und die Leitung der Geschäftsstelle übernehmen wird – eine Arbeit, die sie sich gegenwärtig mit Guillermo Gallardos Ehefrau Nadja teilt.

Berner Zeitung

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