Kilian I.: «Ich weiss nur, dass ich König bin»

Seit dem Wochenende steht der neue Schwingerkönig Kilian Wenger im Rampenlicht – was ihm nicht sonderlich behagt. «Ich verspüre Müdigkeit und bin froh, wenn ich bald etwas Zeit für mich habe», sagt der 20-Jährige.

Der König wird gekrönt.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Der König wird gekrönt.

(Bild: Keystone)

Reto Kirchhofer@rek_81

«Ich bin eben der Wenger Kilian aus Horboden.» Die lapidare Antwort des neuen Schwingerkönigs kommt ebenso unvermittelt wie die Frage. Beim Medientermin nach der Krönungszeremonie in Frauenfeld wird Kilian Wenger als Erstes gefragt, ob er sich kurz vorstellen könne, da ihn die breite Öffentlichkeit doch noch kaum kenne.

Der Wenger Kilian aus Horboden. Mittlerweile ist der Name gewiss auch ausserhalb der Schwingerszene geläufig. Am Wochenende wurde der 20-jährige Berner Oberländer nach zwei erfolgreich angesetzten Hüftern gegen sein Vorbild Jörg Abderhalden (fünfter Gang) und Martin Grab (Schlussgang) zum Schwingerkönig erkoren – und gleichsam in den Status des Prominenten gehoben. Die anschliessende Feier von Sonntag auf Montag war lang, die Nacht kurz. Erst um fünf Uhr ging Wenger in der temporären Unterkunft in der Kaserne Auenfeld zu Bett. Exakt, der König nächtigte rudimentär – in der Kaserne. Frisch geduscht erschien er schliesslich am Montagmittag zur Aufzeichnung der Sendung «sportlounge».

Der Wenger Kilian aus Horboden. Er sei ein stilles Kind gewesen, sagt seine Mutter Beatrice. Auch mit 20 Jahren ist er kein Lautsprecher, kein Träumer, kein Maulheld. Enge Bekannte erwähnen, der «Kilä» sei immer sehr, sehr ruhig; und wie sein Vater Res ein zäher «Cheib». Die Eltern sind geschieden und leben getrennt, was dem intakten Familienverhältnis keinen Abbruch tut. Die elfjährigen Zwillinge Marcel und Ruedi eifern ihrem Bruder fleissig nach, Schwester Franziska litt in Frauenfeld auf der Tribüne mit und war für die TV-Produzenten ein beliebtes Sujet. Mutter Beatrice verfolgte den Schlussgang zu Hause in Horboden. Und nachdem sich ihr Sohn den Königstitel gesichert hatte, seien «aus sämtlichen Richtungen Leute mit Champagnerflaschen angerannt».

«Freude herrscht»

Der Wenger Kilian aus Horboden. Er ist gelernter Metzger und befindet sich in der Zweitausbildung zum Zimmermann, weil sich die Arbeitszeiten des Metzgerberufs nicht optimal mit dem Schwingtraining kombinieren liessen. Wer den ruhigen Diemtigtaler kennt, sagt, er habe durchaus auch einen gewissen Schalk. Diesen liess Wenger gestern Abend beim Empfang des Schwingerkönigs in Oey-Diemtigen ansatzweise durchblicken. «Ich bin nervöser, als ich es vor dem Schlussgang gewesen war», meinte er zum Auftakt seiner kurzen Ansprache, die Wenger nach drei weiteren Sätzen mit «Freude herrscht» zügig beendete. Später erklärte der Schwingerkönig: «Ich verspüre etwas Müdigkeit und bin froh, wenn ich bald etwas Zeit für mich habe.» Und: «Ich konnte die Freude noch nicht richtig ausleben, weil ich auf Schritt und Tritt beobachtet, von allen Seiten befragt und beglückwünscht werde. Ich weiss nur, dass ich Schwingerkönig bin – der wirklichen Bedeutung dieses Erfolgs werde ich mir erst später bewusst werden.»

Der Wenger Kilian aus Horboden. Nach seinem Triumph in Frauenfeld sparten die Zeitungen nicht mit Lob, vom «perfekten König» war die Schreibe, und Wenger habe «das Zeug zum Nationalhelden». Werbefachleute attestieren dem gut aussehenden, bodenständigen und erfolgreichen König grosses Vermarktungspotenzial. Auf der Onlineplattform Facebook haben beim Profil «Wenger Kilian» bereits über 11700 Benutzer den «Gefällt mir»-Button geklickt. «Ich werde auf dem Boden bleiben und mich nicht ändern», versichert Wenger mit unaufgeregter Stimme.

«Ein Wenger reicht»

Der Wenger Kilian aus Horboden. Muskelpaket, Musterknabe, Mädchenschwarm. Die Schlagzeilen nach seinem Triumph habe er noch nicht gelesen, sagt Wenger, «aber ich werde zu allen freundlich sein. So, wie ich eben bin.» Im Herbst gedenkt der 20-Jährige auszuziehen, um in der Nähe von Thun mit seinen Schwingerkollegen Ruedi Roschi und Markus Isler eine Wohngemeinschaft zu gründen. Noch ist offen, ob er all seine erschwungenen Gabenpreise mitnehmen wird. Falls ja, müsste man sich im Elternhaus in Horboden nicht lange über die entstandene räumliche Leere beklagen: Marcel und Ruedi haben in ihrer Jung-schwingerkarriere gemeinsam bereits über 50 Siege errungen und treffen nicht selten im Schlussgang aufeinander. Es erstaunt deshalb nicht, dass der «Eidgenosse» Matthias Glarner kürzlich erklärte: «Ich schwinge noch rund sechs Jahre, dann höre ich auf – ein Wenger als Gegner reicht mir.»

Berner Zeitung

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