In neuen Sphären

Innerhalb von fünf Jahren hat sich bei Wacker Thun der Zuschauerschnitt nahezu verdoppelt.

Stets dabei: Die Leute des Fanklubs Green Hornets scheuen keinen Aufwand.

Stets dabei: Die Leute des Fanklubs Green Hornets scheuen keinen Aufwand.

(Bild: Christian Pfander)

Adrian Horn

Es schien, als träumten sie. Die Verantwortlichen von Wacker Thun sprachen im Frühling 2011 davon, künftig regelmässig 1000 Leute vor Ort haben zu wollen, wenn das Fanionteam spielt.

Das klang ambitiös, Martin ­Rubins Mannschaft trug ihre Matchs ­damals vor durchschnittlich 699 Besuchern aus, im Jahr davor waren Partien der Oberländer auf noch geringeres Interesse gestossen. Unterdessen sind Begegnungen mit vierstelligen Zuschauerzahlen in der Lachenhalle Standard. 1420 Personen wohnten am vergangenen Mittwoch dem Duell mit dem BSV Bern bei, derlei Werte dürften heuer noch ein paarmal erreicht werden.

Wacker ist in Stadt und Region zur Marke geworden, der Klub in neue Sphären vorgestossen. Handball mag hierzulande Nebenerscheinung sein – in Thun ist die Sportart schwer angesagt.

Längst ist es chic, Rubins Ensemble schauen zu gehen, und es findet sich nicht so rasch ein Unternehmen, das den Verein in den letzten Jahren nicht in irgendeiner Form unterstützt hat. Die Begeisterung ist in dieser Ausprägung schweizweit einzigartig; die Oberländer haben einen Stellenwert, um den sie die Konkurrenz beneidet, die grossteils bloss den Fall in die Bedeutungslosigkeit verhindern konnte.

Erntezeit

Der Popularitätsschub ist freilich primär auf die Erfolge zurück­zuführen – es macht Spass, den «Hiesigen» zuzuschauen, wenn sie gewinnen. Dass das sportliche Abschneiden einen grossen Einfluss auf das Interesse der Bevölkerung hat, beweist die Auswertung der Zuschauerzahlen von den letzten Jahren: Als die Oberländer in den Saisons 2009/2010 und 2013/2014 jeweils unter den Erwartungen klassiert waren, büssten die Leute dies mit Fernbleiben.

Auf gute Platzierungen allein sollte man das Wachstum indes nicht zurückführen. Der Klub erntet auch in dieser Beziehung, was er einst gesät hat. Aus talentierten einheimischen Teenagern wie Luca Linder und Reto Friedli sind Leistungsträger geworden, Persönlichkeiten, welche eine Art Botschafterrolle einnehmen und unaufhörlich für Sportart und Verein werben. Das sind Leute, mit denen sich die Bevölkerung identifizieren kann – Leute, die sich oft in der Stadt aufhalten und jene Unternehmen berücksichtigen, welche Wacker unterstützen.

Reto Wullimann vom Fanklub Green Hornets sagt, die familiäre Atmosphäre sei es, was ihm so sehr zusage. «Sehen Sie: Am Tag des Matchs gegen Basel hatte ich Geburtstag. Die Spieler erfuhren davon und sangen mir im Anschluss an die Partie ein Ständchen.»

Das habe ihn riesig gefreut und ihm gezeigt, dass die Jungs schätzten, was er und seine Mitstreiter täten. Überhaupt sei die Mannschaft sehr dankbar, nach der Begegnung in Schaffhausen habe der Fanklub im Car mit dem Team nach Hause fahren dürfen, erzählt der 46-Jährige.

Der Telematiker aus Thun ist Familienvater, seine Kinder sind bei Wacker engagiert, der Kontakt mit Sportart und Verein kam deswegen zustande. «Ich war gleich sehr angetan, als ich das erste Mal an ein Spiel ging.» Er schätze die friedliche Stimmung im Handballumfeld, «hier gibt es keine Ausschreitungen oder andere Taten irgendwelcher Chaoten». Den Fanklub gibt es schon eine ganze Weile, in dieser Saison erfährt er so was wie ein Revival. Er zählt elf Mitglieder. Tendenz seit Herbst 2015: stark steigend.

Schritt für Schritt

Thomas Fahrni, Vorstandsmitglied von Wacker Thun, sagt, es sei sehr erfreulich, wie sich die Zuschauerzahlen entwickelt hätten. Peilt der Verein nun eine andere Marke an, nachdem er den 1000-Besucher-Schnitt erreicht hat?

«Wir müssten wohl verstärkt die Bevölkerung jener ­Gemeinden ansprechen, welche nicht im unmittelbaren Einzugsgebiet liegen, wenn wir den Mittelwert entscheidend heben wollten», sagt er, und das sei schwieriger, als es klinge. «Natürlich streben wir an, auf noch grösseres Interesse zu stossen. Aber wir nehmen Schritt für Schritt.»

Berner Zeitung

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