Im selben Rennen

Am Armadacup auf dem Wohlensee treten jedes Jahr junge Ruderer gegen Profis im selben Rennen an. Biels Andreas Heiniger hat sich nach dem Skiff-Rennen mit dem vierfachen Weltmeister Ondrej Synek aus Tschechien getroffen.

Der eine enttäuscht, der andere entspannt: Andreas Heiniger (links) und Weltmeister Ondrej Synek nach dem 29. Armadacup.

Der eine enttäuscht, der andere entspannt: Andreas Heiniger (links) und Weltmeister Ondrej Synek nach dem 29. Armadacup. Bild: Iris Andermatt

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Zuerst war da noch die Lehre als Goldschmied. Damals, mit 16, war Rudern nur eine Nebenbeschäftigung von Ondrej Synek gewesen. Ein Hobby, in dem er allerdings ziemlich gut war. Es kam der Moment, an dem er sich entscheiden musste. Seine Mutter pochte darauf, dass er ihr Schmuckgeschäft in der Mitte von Prag übernimmt.

Doch er sagte ihr mit fester Stimme: «Mama, Rudern ist etwas, das kann ich nicht immer machen. Die Goldschmiederei kann ich auch später wieder aufnehmen. Jetzt bin ich jung und möchte diese Möglichkeit nutzen.»

Gesagt, getan: Mit 17 folgte Syneks erste professionelle Saison. Er kämpfte sich Jahr für Jahr näher an die Spitze des Rudersports heran, bis er im Jahr 2010 zum ersten Mal Weltmeister wurde. Diesen Erfolg wiederholte der Vater von zwei Kindern in den Jahren 2013, 2014 und 2015.

Einen wesentlich anderen und kürzeren Lebenslauf weist Andreas Heiniger vor. Der 16-Jährige hat erst vor kurzem mit dem Rudern angefangen. Er und Ondrej Synek sind Namensvetter. Sie haben sich nach der 29. Ausgabe des Armadacups auf dem Wohlensee zum ersten Mal getroffen und tauschen sich gerade über das Rennen und über ihre Erlebnisse im Rudersport aus.

Zwei Seiten des Ergometers

Der 16-jährige Heiniger aus Biel wirkt zu Anfang noch schüchtern – einem vierfachen Weltmeister begegnet man auch nicht alle Tage. Die Zurückhaltung ist aber schnell abgelegt, nachdem er sich dem Tschechen in solidem Schulenglisch vorstellt.

Heiniger trainiert seit zwei Jahren seriös und geht jeden Tag entweder ins Fitness oder ins Wasser rudern. Im Winter setzt er sich dazu auf den Ruderergometer; ein Gerät, auf dem man wie auf einem normalen Boot sitzt und Ruderbewegungen vollführt.

«Langweilig», wie Heiniger findet, «entspannend», wie Synek meint. Der 33-jährige Profi lacht und erklärt, dass ihm die Monotonie der Übung helfe, abzuschalten und alles zu vergessen. Vor allem in der Winterpause sei der Ergometer praktisch, um sich für die Frühlingssaison fit zu halten.

In dem Alter, als Synek in Tschechien noch Goldschmied lernte, ist Heiniger jetzt. Zwischen einer Profikarriere und dem Abbruch der Ausbildung braucht er sich indes nicht zu entscheiden. Der Trainingsplan stimmt mit dem Privatleben überein. Auf die Frage, wo er sich in zehn Jahren sehe, antwortet der Teenager entspannt: «So weit plane ich nicht. Ich konzentriere mich lieber auf das Jetzt.»

Im Jetzt scheint Heiniger etwas enttäuscht. Mit einer Zeit von 43:27 Minuten hat er sein Ziel nicht erreicht. Heiniger beklagte Mühe beim Start. Auch auf dem Rest der Strecke habe er sich nicht wohl gefühlt. «Ich fand nie den richtigen Rhythmus», analysiert der junge Bieler nachdenklich.

Sein Gegenüber macht Anstalten, etwas darauf zu erwidern, da wird er von einem Kollegen unterbrochen. Er solle nach draussen kommen, sie wollten noch eine Runde rudern gehen in einem Drachenboot. «Zehn Minuten», erwidert Synek höflich und wendet sich, nachdem sein?Freund gegangen ist, wieder Heiniger zu.

Ruderer auf Instagram

Wie Heiniger hat auch Synek eine Leistung unter dem Möglichen abgeliefert, sieht diese hingegen gelassener. Mit der Endzeit von 34:49 Minuten errang er lediglich den 15. Platz im Gesamtklassement. «Ich habe erst am Montag mit dem Training angefangen», bemerkt er. «Deshalb bin ich mit meiner Leistung trotzdem zufrieden.»

Der Armadacup sei sportlich gesehen nicht von erster Priorität, sagt Synek, «es ist aber eine gute Gelegenheit, einige meiner Freunde hier wieder zu treffen». Zudem könne er hier einmal richtig ausschlafen – um 9 Uhr ist er aufgestanden –, ohne dass er von den Kindern am frühen Morgen geweckt werde. Für Heiniger hingegen war es die erste Teilnahme am Armadacup. Er hatte Synek vorher nicht gekannt. «Ich hörte bereits von ihm. Ich verfolge aber in erster Linie die Schweizer Ruderer auf Instagram», erklärt er und grinst. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.11.2015, 07:52 Uhr

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