«Ich mag es, wenn der Verein Druck macht»

Volley Köniz steigt mit einem Budget von 950'000 Franken in die Saison – so viel Geld wurde noch nie investiert. Trainer Florian Steingruber spricht über die Transfers, das Saisonziel und sagt, wann sein neues Team in Topform sein wird.

Der Mann im Vordergrund: Der neue Cheftrainer Florian Steingruber will mit seinem Team spektakuläre Spiele zeigen und mit dem Könizer Publikum gemeinsam etwas erleben.Bilder

Der Mann im Vordergrund: Der neue Cheftrainer Florian Steingruber will mit seinem Team spektakuläre Spiele zeigen und mit dem Könizer Publikum gemeinsam etwas erleben.Bilder Bild: Andreas Blatter

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Wir zitieren Ihre Aussage in der «SonntagsZeitung»: «Wir haben keine Bombe.» Was meinten Sie damit?
Florian Steingruber: Wir haben keine Spielerin, die in der entscheidenden Phase regelmässig den Unterschied ausmachen wird. Bei uns beherrscht keine Akteurin Annahme und Angriff gleichermassen. Wir müssen unsere Spiele im Kollektiv gewinnen.

Sarka Kubinova wird als Zuspielerin die Könizer Angriffe koordinieren. Ist sie ein Ass am Pass?
Auf dieser Position sind wir stärker besetzt als in der vergangenen Saison (Kristel Marbach und Elisandra Sebben verteilten die Bälle, die Red.). Sarka Kubinova bringt Champions-League-Erfahrung mit – auch wenn sie bei Prostejov nicht Stammpasseuse war. Sarka spielt sehr intelligent; sie versteht es, das ganze Feld zu nutzen und mit entsprechenden Rhythmuswechseln die bestpostierte Spielerin einzusetzen. Aber auch sie wird von einer stabilen Annahme abhängig sein – in den letzten Jahren jeweils das grosse Problem von Köniz.

In der Mitte werden zwei Kraftwürfel aus den USA die Mauer machen. Was halten Sie von den Rückkehrerinnen Benavia Jenkins und Sabel Moffett?
Ich habe noch nie mit so schnellen Mittelblockerinnen zusammengearbeitet. Allein schon die Einstellung der beiden ist bemerkenswert. Sie sind ehrgeizig und wollen sich ständig verbessern.

Am Dienstag stösst die tschechische Nationalspielerin Ivona Svobodnikova zum Kader von Volley Köniz. Was versprechen Sie sich von der gross gewachsenen Mittelblockerin?
Mit ihr werde ich einen Trumpf im Ärmel haben. Ivona Svobodnikova schlägt ihre Angriffsbälle nicht so hart, aber sehr variantenreich. Wir brauchen in der Mitte eine dritte Spielerin. Physisch ist es fast nicht möglich, eine Saison lang mit zwei Mittelblockerinnen auf konstant hohem Niveau durchzuspielen.

Auch zwei brasilianische Aussenangreiferinnen stehen im Kader – Alves und Ferreira. Mindestens die Namen tönen vielversprechend.
Brasilianische Lebensfreude tut jedem Team gut. Alves und Ferreira müssen aber noch an der Physis arbeiten. Wenn sie einmal fit und integriert sind, können sie viel bringen. Auf Videos und in Gesprächen mit brasilianischen Szenekennern habe ich diesbezüglich einen guten Eindruck bekommen.

Wie macht sich die neue «Verteidigungsministerin» Mélanie Pauli?
Ich garantiere dafür, dass sich der Matchbesuch schon allein wegen Mélanie Pauli lohnen wird. Die Libera ist eine Spektakelmacherin. Sie kam nach Köniz, um im Hinblick auf die Europameisterschaft 2013 in einem professionellen Umfeld Fortschritte zu machen. Gegenwärtig arbeite ich mit ihr an einer neuen Technik, es braucht noch etwas Zeit, bis Mélanie Pauli in Topform ist.

Der schillerndste Transfer war jener von Mandy Wigger – letzte Saison Captain von Volero Zürich. Die rekonvaleszente Diagonalangreiferin gilt als stärkste Volleyballerin mit Schweizer Pass. Wann wird sie erstmals für Volley Köniz auflaufen?
Wir wollen Mandy Wigger behutsam an das NLA-Team heranführen. Nach ihrer Kreuzband- und Meniskusoperation im vergangenen März befindet sie sich im Aufbautraining. Ich hoffe, dass ich sie im November erstmals einsetzen kann. Mandy kann zu einem entscheidenden Trumpf werden – gerade im Hinblick auf das Gentlemen’s Agreement.

Dieses besagt, dass in der Meisterschaft und im Cup mindestens eine Schweizer Spielerin permanent im Einsatz stehen muss. Das gilt jedoch nicht für die Libera. Mit welcher Schweizerin werden Sie am Samstag zum Auftakt gegen Volero Zürich beginnen?
Mit Sarina Schafflützel, Marina Kühner und Linda Kronenberg stehen mir drei Schweizer Aussenangreiferinnen zur Verfügung. Ich habe mich noch nicht festgelegt, wen ich in die Anfangsaufstellung beordern werde. Wenn Mandy Wigger einsatzbereit sein wird, habe ich auf der Diagonalposition eine valable Alternative. Aber auch für Wigger gilt: Sie muss sich aufdrängen.

«Wir wollen Volero Zürich schlagen, wir machen nicht mit, um Zweiter zu werden», fordert Beat Ackermann, Delegierter des Verwaltungsrates. Köniz steigt mit einem Budget von 950'000 Franken – so hoch wie nie zuvor – in die Saison. Der Verein ist ungeduldig und macht Druck. Stört Sie das?
Nein, ich mag es, wenn der Verein Druck macht. Bei Franches-Montagnes musste ich ihn selber aufbauen. Wenn man hohe Ziele ansteuert, heisst das, dass man noch härter arbeiten muss, dass die Spielerinnen noch intelligenter spielen müssen. Das wiederum wird uns stärker machen. Hohe Ziele muss man sich im Sport setzen – die Sommerspiele in London sind das beste Beispiel dafür.

Wann wird Volley Köniz in Bestform antreten?
Wir gehen strategisch vor und durchschreiten erst einen Reifeprozess. Das Team muss zusammenfinden. Ich werde viel ausprobieren, Schweizerinnen integrieren und das Krafttraining so anpassen, dass wir ab Dezember in Topform sind.

Was erwarten Sie von der Saison?
Volero Zürich steigt als Favorit in die Meisterschaft; Neuenburg ist extrem eingespielt und gefährlicher Aussenseiter, Kanti Schaffhausen könnte für eine Überraschung sorgen. Wir gehören zu den Top 4 und wollen um die Goldmedaille kämpfen. Wir möchten spektakuläre Volleyballspiele zeigen und gemeinsam mit unserem Publikum etwas erleben. «Emotionen hautnah», heisst unser Motto. Im Europacup bemühen wir uns, so weit wie möglich vorzustossen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.09.2012, 10:15 Uhr

Italienisches Trainermodell

Florian Steingruber (44) ist seit August Trainer von Volley Köniz. Der gebürtige Appenzeller hat die Nachfolge von Jürgen Schreier angetreten und beim NLA-Dritten einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Zuvor hatte Steingruber beim NLA-Klub Franches-Montagnes gearbeitet. Seit 10 Jahren trainiert der Sportlehrer auch die Schweizer Juniorinnen. Steingruber wohnt mit seiner Frau und den zwei Kindern in Corminboeuf. Inspiriert von der Mentalität im volleyballverrückten Italien – der Könizer Übungsleiter war 2001 beim Cupfinalisten Ancona als Co-Trainer tätig gewesen – bringt Steingruber seinen Stab mit nach Köniz. «Allein kann man nicht erfolgreich sein – Details entscheiden.» Zdenek Sklenar wird im Training assistieren und als Statistiker tätig sein. Zum Staff gehört auch Mélanie Pauli. Die Libera wird sich als Konditionstrainerin um die Fitness ihrer Kolleginnen kümmern.

Eine Neue und zwei Rückkehrerinnen: Die Amerikanerinnen Benavia Jenkins (links) und Sabel Moffett nehmen Neuling Sarka Kubinova in die Mitte. (Bild: Andreas Blatter)

US-Power in der Mitte

«Hello, hier spricht Benavia Jenkins, haben Sie Interesse an mir?», meldete sich im Sommer eine Stimme am Telefon. Der Transfer der amerikanischen Mittelblockerin fiel Beat Ackermann in den Schoss. Der Delegierte des Verwaltungsrates von Volley Köniz überlegte nicht lange und griff zu. Jenkins’ Spuren konnte er zurückverfolgen, das 31 Jahre alte Kraftpaket aus Florida hatte vor fünf Jahren eine Saison lang beim Berner Vorortsklub gespielt und die Bronzemedaille gewonnen. Nach dem Engagement in Köniz blockte das Temperamentsbündel in der türkischen Liga bei Izmir und später in Spanien (Haro, Las Palmas). Zuletzt hielt sich die Spielerin bei Florida Wave in der Premier Volleyball League fit. «Ich telefonierte Beat Ackermann, weil ich in Köniz meine schönste Zeit als Profi erleben durfte», sagt Jenkins.

Auch die andere Mittelblockerin, Sabel Moffett, kontaktierte von sich aus die Vereinsverantwortlichen. Sie kehrte am Ende der letzten Saison von Köniz in die Heimat zurück, um ihr Knie untersuchen zu lassen. «Ich rechnete mit einer Operation, bangte gar um die Fortsetzung meiner Karriere», sagt die 24 Jahre alte Amerikanerin. Glücklicherweise diagnostizierte der Arzt nur ein muskuläres Problem, nach intensiver Therapie präsentiert sich Moffett heute wieder in einer guten körperlichen Verfassung. «Nach dem erfreulichen Bericht des Arztes wollte ich wieder für Köniz spielen. Ein anderer Klub kam für mich nicht infrage.»
Für Sarka Kubinova hingegen bedeutet Köniz die erste Station im Ausland. Die Zuspielerin aus Tschechien stand zuletzt beim Doublegewinner Prostejov unter Vertrag. Nach ihrer auskurierten Knieverletzung strebt die 24-Jährige die Rückkehr ins Nationalteam an.

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