«Ich freue mich auf die Herausforderung»

Mirjam Ott beendet mit 42 Jahren ihre Karriere und wird Coach des jungen Teams aus Baden. Die Bernerin spricht über ihren Rücktritt, ihre neue Aufgabe und die Zukunft des Schweizer Curlings.

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Marco Oppliger@BernerZeitung

Nur selten wird ein Sport so stark von einer Person geprägt, wie das in den letzten Jahren in der Schweiz mit dem Curling und Mirjam Ott der Fall war. 29 Jahre spielte die Bernerin auf höchstem Niveau, sie wurde Welt- und Europameisterin und gewann zweimal Olympiasilber. Ott ist weltweit – die Männer eingerechnet – die einzige Curlerin, die an vier Olympischen Spielen gespielt hat. Nun zieht die 42-Jährige einen Schlussstrich. Obschon sie ein Comeback nicht kategorisch ausschliesst, wird Ott künftig das talentierte Team Baden Regio (Skip Alina Pätz) betreuen. Nun äussert sich Ott über...

... die Gründe für ihren Rücktritt: Nach Sotschi habe ich mir Zeit genommen und überlegt, wie es weitergehen soll. Der erste Schritt war danach die Auflösung unseres Teams (Anm. der Red.: Davos). Ich hatte diverse Angebote aus anderen Teams, aber es gab auch Anfragen für einen Posten als Coach. Ich habe gemerkt, dass ich im Moment die Motivation nicht habe, die es für eine Zwei- oder Vierjahresplanung bräuchte. Sicher wäre es auf der einen Seite reizvoll gewesen weiterzufahren, es gibt junge Spielerinnen, mit denen das durchaus gegangen wäre. Aber auf der anderen Seite habe ich so viel erlebt, in den letzten Jahren so intensiv Sport betrieben. Noch einmal etwas Neues aufzubauen, hätte sehr viel Zeit in Anspruch genommen, und international ist es nicht einfacher geworden, mit der Spitze mitzuhalten. Letztlich habe ich noch andere Hobbys, zudem habe ich in den letzten Jahren nur Teilzeit als Betriebswirtschafterin gearbeitet, nun will ich mich beruflich weiterentwickeln. Und ich freue mich auf die Herausforderung, ein Team als Coach zu unterstützen.

...den Zeitpunkt des Rücktritts: Es war ein laufender Prozess, ich habe die diversen Anfragen gegeneinander abgewogen. Letzte Woche habe ich schliesslich Alina Pätz zugesagt.

... ihre neue Rolle:Ich werde Baden Regio vorwiegend im Training und an einzelnen Turnieren in der Schweiz unterstützen. Ins Ausland werde ich das Team hingegen nicht begleiten, daher hält sich mein Aufwand in Grenzen. Das ist auch in meinem Sinne, damit ich wieder 80 oder 100 Prozent arbeiten und nebenbei meine Freizeit anderweitig nutzen kann. Darauf freue ich mich.

... ihr neues Team:Ich kenne Alina gut, da sie uns als Ersatz an den Olympischen Spielen und an der WM unterstützt hat. Die Badenerinnen sind hervorragende Athletinnen, die gewillt sind, etwas zu erreichen und dafür auch einen entsprechenden Aufwand zu betreiben. Dieses Team hat grosses Potenzial, und ich hoffe, dass ich ihm weiterhelfen kann. Aber es ist nicht gesagt, dass man als gute Athletin auch ein guter Coach ist. Wenn es zwischen uns nicht harmonieren sollte, würde ich meinen Posten freiwillig räumen.

... ihre grössten Erfolge: Sicher die gewonnenen Medaillen an internationalen Anlässen. Spezielle Momente waren die Olympischen Spiele, insbesondere 2002 und 2006, als ich auf das Podest steigen durfte. Aber auch der Weltmeister- und die beiden Europameistertitel waren emotional schöne Momente. Grundsätzlich ist es so: Wenn man sich als Team hohe Ziele steckt und diese auch erreichen kann, ist das etwas vom Schönsten.

... ihre grössten Enttäuschungen: Sie gehören zum Leben eines Sportlers, insbesondere, wenn die Ziele hoch gesteckt werden. Diesbezüglich waren die beiden letzten Olympischen Spiele, an denen wir eine Medaille knapp verpasst haben, die schwierigsten Momente meiner Karriere. Auch wenn wir darüber ausgiebig gesprochen haben, bleibt ein Wermutstropfen übrig. Mein Rücktritt hat allerdings nichts mit dieser Enttäuschung zu tun. Wir haben mit Davos 7 Jahre zusammengespielt, da ist es normal, wenn sich jede beruflich und familiär neu ausrichten will. Das wäre auch bei einer Medaille der Fall gewesen. Mit 42 gehöre ich zudem zu den ältesten Spielerinnen, sicher kann man mit der Erfahrung im Curling sehr viel wettmachen. Aber das intensive Training auf und neben dem Eis spürt man, gerade bei der Erholungszeit.

... die Aussichten der Schweizer Frauen: Es wurde intensiv und gut gearbeitet, insbesondere seit Andreas Schwaller als Nationalcoach tätig ist (Anm. der Red.: seit 2011). Unsere Teams sind international schlagkräftig, das hat jüngst Flims mit der WM-Goldmedaille bewiesen. Aber die Konkurrenz ist stark, Medaillen sind keine Selbstverständlichkeit.

Berner Zeitung

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