Fortschritt dank Rückschritt

Mirco Gerson und Philip Gabathuler blicken auf einen schwierigen Saisonstart zurück. Doch an der WM in Holland haben sie positive Erfahrungen gesammelt – diese wollen sie sich in Gstaad zunutze machen.

Mirco Gerson und Philip Gabathuler sind die neuen Aushängeschilder im Schweizer Beachvolleyball.

Mirco Gerson und Philip Gabathuler sind die neuen Aushängeschilder im Schweizer Beachvolleyball.

(Bild: Andreas Blatter)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Beachvolleyball in der Schweiz – das war einmal eine Erfolgsgeschichte. Wegen Pionieren wie Martin und Paul Laciga, Sascha Heyer, Stefan Kobel oder Patrick Heuscher zählten die helvetischen Athleten in den Anfängen der noch jungen Sportart zur Weltklasse. Doch nach den Olympischen Spielen in London 2012 erfolgte die Zäsur; die Leistungsträger traten zurück und überliessen das Feld der nächsten Generation. Bloss hat es diese nicht mehr so einfach. Die anderen Nationen haben stark aufgerüstet, die Teams in den Top 30 sind so ausgeglichen wie kaum je zuvor. Entsprechend wurden in letzter Zeit Schweizer Erfolgserlebnisse Mangelware.

2014 allerdings sorgten Philip Gabathuler und der Belper Mirco Gerson für ein Revival des helvetischen Beachvolleyballs. Die beiden holten am Open in Sotschi (Russ) und am Grand-Slam-Turnier in Stavanger (No) jeweils den 3.Platz. Dank dieser starken Resultate schafften sie es, zu Beginn dieser Saison an World-Tour-Turnieren direkt im Hauptfeld starten zu können. Doch im Vergleich zu 2014 fehlt heuer der Ausreisser nach oben, der Einzug in den Achtelfinal an der WM vor einer Woche stellt das Saisonbestresultat dar.

Analyse vor der WM

«Die WM war für uns ein Neustart», hält Gabathuler fest. Vor den Titelkämpfen und nach dem enttäuschenden Abschneiden am Grand-Slam-Turnier in St.Petersburg (USA/Out in den Gruppenspielen) hätten sie den bisherigen Saisonverlauf eingehend analysiert. «Wir haben einen Schritt zu weit gedacht», erklärt Gabathuler. Die gestiegene Erwartungshaltung sei an sich gut, hält Gerson fest, «aber es entsteht die Gefahr, dass man die Basis vergisst». Früher hätten sie in der Qualifikation für ein Turnier jeweils Spiel um Spiel genommen und nicht bereits zu Beginn an einen Platz in den Top Ten gedacht. Deshalb hat das Team nach seiner Analyse zurückbuchstabiert: Schritt für Schritt heisst die neue, alte Vorgabe.

In Holland schien dies zu funktionieren. Gabathuler/Gerson überstanden die Gruppenspiele ohne Probleme und schalteten im Sechzehntelfinal die hoch gehandelten Kanadier Chaim Schalk/Ben Saxton aus. Auch wenn das Schweizer Topduo in der nächsten Runde gegen Jefferson/Cherif aus Katar ausschied, blickt Gabathuler mit einem guten Gefühl zurück: «Was wir vor der WM besprochen hatten, konnten wir umsetzen, wir sind die Spiele positiv angegangen und haben gezeigt, dass wir es draufhaben.»

Plötzlich ist Rio ein Thema

Ab morgen versuchen die beiden am Major-Turnier in Gstaad an die in Holland erzielten Fortschritte anzuknüpfen. Es gelte, den Heimvorteil, etwa durch die Unterstützung des Publikums, zu nutzen, sagt Gabathuler. Und Gerson ergänzt: «Es ist wichtig, dass wir die Dinge, die in Holland gut liefen, im Hinterkopf behalten.» Ein Einzug in den Achtelfinal wäre für Gabathuler/Gerson gewiss von Vorteil, schliesslich läuft die Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele – und diesbezüglich konnten die beiden noch nicht viele Punkte sammeln. «2014 hat uns niemand auf Rio angesprochen, jetzt erwartet man diesbezüglich mehr», sagt Gerson.

Das Problem ist, dass die beiden wegen der durchzogenen Resultate zum Saisonauftakt an den Turnieren nach Gstaad wieder den beschwerlichen Weg durch die Qualifikation gehen müssen. Das Tandem allerdings will diesen Rückschritt nicht überbewerten. Und Rio? «Es gibt noch einige Turniere, wir sind ja erst in der Saisonhälfte», betont Gabathuler. Vor zweieinhalb Jahren haben die beiden mit ihrer zweiten Zusammenarbeit begonnen – nachdem sie bereits 2012 kurze Zeit zusammengespielt hatten. «Rio ist das Endziel unseres Projekts», hält der Blocker fest, «es ist das i-Tüpfelchen – wenn wir unsere Arbeit vorher gut genug machen.»

Berner Zeitung

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