Eine Stadt, eine Sportart, zwei Philosophien

Die Flying Angels und die Panthers kämpfen um die Vorherrschaft auf Berner Boden. Letztere glauben, in Bälde die Nummer eins zu sein.

Marco Spycher

Gehört zu den Herausforderinnen: Leonie Lendenmann. (Foto: Manuel Zingg)

«Die Zukunft gehört den Panthers»

«Entweder gehörst Du zu den Panthers oder zu den Flying Angels. Das ist eine Mentalitätsfrage, ein Wechsel kommt nicht infrage.» Es sind klare Worte, die Leonie Lendenmann angesprochen auf den Konkurrenten aus dem Kanton Bern findet. Lendenmann, ihrerseits Vizepräsidentin und Spielertrainerin bei den Panthers, sagt aber auch, dass man sich gegenseitig unterstütze.

«Es ist kein böser Konkurrenzkampf, vielmehr auf einer freundschaftlichen Ebene.» Vor den Schweizer Meisterschaften habe man sich beispielsweise dreimal zu Testspielen getroffen. Und wenn ein Team zu wenige Spielerinnen für internationale Turniere habe, helfe der Kantonsrivale aus. Wieso also schliesst man die beiden Teams nicht zu einem Berner Verein zusammen? «Ultimate Frisbee ist in Bern etabliert und es hat genügend begeisterte Frisbeespieler für zwei Clubs. Die Konkurrenz sorgt vielmehr für Bereicherung, Inspiration und Förderung von kompetitivem Ultimate», sagt die 33-Jährige.

Die Panthers haben bei den Frauen wie auch bei den Männern seit Jahren das Nachsehen im Vergleich zu den Flying Angels. Das wird sich ändern, ist Lendenmann überzeugt. «In ein paar Jahren werden wir besser sein als FAB. Die Zukunft gehört uns.» Lendenmann, die heute ebenfalls in der Nationalmannschaft spielt, hat mit 18 Jahren begonnen, Ultimate zu spielen.

Zuerst in Zürich, Luzern, zwischenzeitlich sogar im Ausland in München und London. Als sie aber vor fünf Jahren nach Bern zog, hatte sie die Qual der Wahl. Nicht zuletzt, weil ihr Freund und ihre Schwester bereits bei den Panthers spielten, war der Fall für sie klar. «Ich sah es auch ein wenig als mein eigenes Entwicklungsprojekt», sagt sie. Und nun ist sie also Spielertrainerin und unterstützt junge Spielerinnen bei ihrer Entwicklung. Das macht sie auch in der Nationalmannschaft, mit der sie am Wochenende in Ungarn in die EM startet. Dann ist es egal, ob Panthers oder Flying Angels.

Ist Teil des dominierenden Vereins: Severin Ris. (Foto: Manuel Zingg)

«Ich habe keine Angst»

Das Verhältnis zwischen den Panthers Bern und den Flying Angels Bern (FAB) bezeichnet Severin Ris als «sehr speziell». «Einerseits pflegen wir eine gute Freundschaft zu den Spielern der Panthers», meint Ris. «Andererseits besteht natürlich trotzdem eine lokale Rivalität.» Die Erfolge sprechen für FAB. «Wenn es darauf ankam, konnten wir sie immer schlagen», sagt der 28-Jährige Solothurner.

Ris ist Captain sowie Spielertrainer vom Männerteam der Flying Angels Bern. Seine Ultimate-Karriere hat er vor zehn Jahren lanciert. Nicht etwa in der Schweiz, da habe er diesen Sport nie wahrgenommen, sondern während eines Sprachaufenthalts in Kanada. Er war bei einer Gastfamilie, bei der es nur ein Thema gab: genau, Ultimate. Ris begleitete sie öfters aufs Feld und mit der Zeit fand er Gefallen daran. Zurück in der Schweiz war für ihn klar, dass er seinem neuen Hobby auch in der Heimat nachgehen will. So suchte er im Internet nach einem Ultimate-Team in Bern - und entschied sich für FAB. Warum? «Sie tauchten bei meiner Suchanfrage zuoberst auf», sagt er und lacht.

Ris ist überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war. «Die Philosophie der Panthers und uns unterscheidet sich stark: Wir haben beispielsweise zwei Männerteams, sie nur eines. Während bei ihnen somit keine klare Leistungsausrichtung möglich ist, können wir Spitzen- und Breitensport besser trennen.» Obwohl die zwei Vereine unterschiedlich sind, haben sie etwas gemein: Zu viele Spieler haben beide nicht. «Aber es ist schön zu sehen, dass wir im Juniorenbereich Fortschritte machen.

Die Nachwuchsarbeit gab es zu meiner Zeit noch nicht im heutigen Ausmass. Mit 19 Jahren war ich noch einer der Jüngsten im Kader», erinnert sich der 28-Jährige. Ob sich die Machtverhältnisse im Kanton Bern ändern werden, da lässt Ris keine Frage offen: «Wir sind auf dem richtigen Weg, um die Führungsposition zu verteidigen. Ich habe keine Angst.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt