Ein Jubiläum ohne Perspektive

YB-Landhockey

YB-Landhockey hat sein 60-Jahr-Jubiläum gefeiert. Ein Fest in Turnierform mit allerdings fahlem Beigeschmack. Die einst erfolgreichste Berner Teamssportart steckt in der Krise. Es fehlt wortwörtlich der Boden für eine Zukunft.

«Es gibt im ganzen Kanton Bern keinen fürs Landhockey geeigneten Kunstrasen», sagt Pierre Bayerdörfer . Insofern war es anlässlich des 60-Jahr-Jubiläums der YB-Landhockeyanerinnen und -Landhockeyaner nicht bloss dem Präsidenten nicht ausschliesslich nach Feiern zumute. Die einst erfolgreichste Berner Teamsportart ist durch die fehlende Infrastruktur in ihrer Existenz bedroht.

Von Erfolg zu Erfolg Zwischen 1985 und 1998 waren es die Damen des BSC YB, die allein während dieser Periode zehn Meister- und vier Cuptitel gewannen. Im Landhockeysport spricht man übrigens auf Grund der langen Tradition der Sportart, die Damen spielen schon seit 1900, damals noch in langen Röcken, Hockey, explizit von Damen- und nicht von Frauenhockey.

Die YBlerinnen traten beinahe jährlich im Europacup auf und wurden auf Grund ihrer Erfolge an internationale Turniere eingeladen. So beispielsweise 1993 auf die Bermudas (2. Rang). All das zu einer Zeit, in welcher die Fussballer vorwiegend mit sportlichen Misserfolgen bis hin zum Abstieg in die NLB, steten Präsidentenwechseln, leeren Versprechungen und einer Schuldenwirtschaft bis an den Rand des Ruins für Schlagzeilen sorgten. Es war die Landhockeysektion, welche damals für die positivsten YB-Überschriften in den Medien gesorgt hat. Inzwischen haben die Landhockeyanerinnen mit den Fussballern nur noch den Namen gemeinsam.

Zwei Sportarten

«Ich würde den Sport, den ich so gern ausübe, auch in Zukunft gern Jungen vermitteln und sie dafür begeistern», sagt Tanja Jegerlehner. Die 29-Jährige hat die Glanzzeiten als Spielerin miterlebt und ist heute wieder im Fanionteam aktiv. Viele ihrer ehemaligen Teamkolleginnen traten Ende der 90-er-Jahre zurück. Zuletzt spielte die Teamleaderin acht Jahre in Basel, ehe sie nun in ihrer zweiten Saison wieder für YB engagiert ist.

Die jetzige Situation habe «leider» nichts mehr mit früher zu tun, sagt Tanja Jegerlehner. «Es ist alles ziemlich chaotisch. Es fehlt an Ansprechpersonen, es fehlt an klaren Strukturen, den Trainer für die Hallensaison mussten wir Spielerinnen selber suchen, und die Trainings finden leider oft nur noch mit einer Hand voll Spielerinnen statt.» Die Trainings draussen finden auf dem im Vorjahr zu einem reinen Fussball-Kunstrasen umgebauten Platz in Gümligen statt. Auf einem Boden notabene, auf dem modernes und leistungsorientiertes Landhockey nicht mehr vermittelbar ist. «Wir üben praktisch zwei verschiedene Sportarten aus», sagt Tanja Jegerlehner. Es leuchtet ein, dass der Ball auf einem für Fussball ausgelegten Kunstrasen, so wie im Stade de Suisse, nie so schnell und präzis läuft wie auf einem «kurzhaarigen» und gewässerten Untergrund. Spielerinnen mit Ambitionen verlassen folglich den Verein. So wie zuletzt die beiden Nationalspielerinnen Karin Bugmann (zu Wettingen) und Tamara Funiciello (zu Luzern).

Kurz: Die Motiavationskurve rund ums YB-Landhockey befindet sich im akuten Sinkflug. Fast logische Konsequenz: Die Damen figurieren nach der Vorrunde mit null Punkten auf dem letzten Platz in der NLA – es droht nebst dem Zwangs- also auch der sportliche Abstieg. Dies, nachdem man sich zuletzt noch regelmässig im Mittelfeld hat behaupten können.

Düstere Prognose

«Ich hoffe nicht, dass ich es noch erlebe, dass es in Bern kein Landhockey mehr gibt», sagt Theres Feissly. «Das wäre schlimm für mich.» Seit 1955 ist sie mit der olympischen Sportart eng verbunden. Gut 30 Jahre davon als Präsidentin und Nachwuchstrainerin. Die Meistertitel, Cupsiege und internationalen Auftritte waren auch für Theres Feissly «die Höhepunkte der Klubgeschichte». Was 1948 mit einigen engagierten Spielerfrauen von YB-Fussballern begann, wuchs zwischenzeitlich zu einer stattlichen und vor allen Dingen erfolgreichen Organisation von vier bis fünf Aktiv- und ebenso vielen Nachwuchsmannschaften. Nun droht das einst stolze Gebilde in sich zusammenzubrechen. Der Nachwuchs ist heute mit dem Berner HC gekoppelt. «Gegenwärtig gibts in Bern zwischen siebzig und achtzig Junioren», sagt Trainerin Manuela Rindlisbacher. Nach 60 Jahren YB-Landhockey bleibt die düstere Prognose: Es wird für YB kein 70-Jahr-Jubiläum mehr geben, wenn sich punkto Kunstrasen im Kanton Bern nicht sehr schnell etwas ändert.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt