Des Trainers Plädoyer für die Aufstockung

Die Wizards Bern Burgdorf sind gegen Piranha Chur trotz klarer Fortschritte chancenlos. Hinter dem Gefälle verbirgt sich ein Strukturproblem.

Im Aufwind – und trotzdem unterlegen: Die Wizards um Trainer Radomir Malecek (hinten links) stossen im Halbfinal an Grenzen.

Im Aufwind – und trotzdem unterlegen: Die Wizards um Trainer Radomir Malecek (hinten links) stossen im Halbfinal an Grenzen.

(Bild: Hans Wüthrich)

Radomir Malecek schüttelt ob seiner eigenen Aussage den Kopf, ein Lächeln huscht ihm über das Gesicht. Doch der Trainer wiederholt die Worte, sagt, «ich bin stolz auf die Frauen». Die Rede ist von den Wizards, Unihockeyanerinnen aus Bern und Burgdorf, die soeben auch den zweiten Playoff-Halbfinalvergleich mit den Piranhas aus Chur verloren haben.

2:7 lautet das Verdikt, es spiegelt in etwa die Kräfteverhältnisse. War bei den Bündnerinnen kein Gefälle ersichtlich, traten seitens der Bernerinnen in den Bereichen Ballkontrolle und Passqualität erhebliche Unterschiede zutage. Entsprechend sah sich die aus dem Kollektiv herausstechende Simone Wyss in der Regel mit zwei Gegenspielerinnen konfrontiert; Akzente vermochte die Topskorerin keine zu setzen.

Spätestens im Mitteldrittel dürfte fast jedem der 232 Zuschauer in der Kirchberger Grossmatt klar geworden sein, dass die Wizards am nächsten Samstag in Chur ausgezaubert haben werden, sofern in dieser Woche kein Wunder geschieht. Trotzdem wäre es verfehlt, Malecek falschen Stolz zu unterstellen. Sein Ensemble hat in den letzten Monaten markante Fortschritte gemacht, es vom Abstiegskandidaten zur Nummer 4 des Landes gebracht.

In diesem Fakt offenbart sich das Kernproblem, welchem die Sparte unterworfen ist. Die NLA umfasst lediglich acht Teams, welche sich in drei bis vier Leistungsklassen unterteilen lassen; von einer Dichte kann nicht einmal im Ansatz die Rede sein. Malecek sagt, der Weg zur Lösung des Problems sei lang und könne nur über die Aufstockung des Oberhauses führen – auch wenn diese in den ersten Jahren eine noch grössere Verwässerung zur Folge haben würde.

Zehn oder zwölf Equipen müssten es sein, Viertelfinals eingeführt werden. «Ich würde gerne öfter junge Spielerinnen einsetzen, ihnen die Möglichkeit geben, sich zu entfalten», sagt der Tscheche. Müsse er jedoch Vierter werden, damit sein Team die Playoffs erreiche, vertrage es keine Experimente.

Im Fall der Piranhas bestünde selbst in den Playoffs die Option, die Ausbildung zu forcieren; es scheint jedoch die Bereitschaft zu fehlen. Nur so ist zu erklären, dass Trainerin Brigitta Wegmann trotz klarer Überlegenheit mit zwei Linien durchspielen lässt, auf vier Ausländerinnen wie sechs Nationalspielerinnen setzt, und die Aufstrebenden auf der Bank 60 Minuten lang vergeblich auf eine Chance warten.

Berner Zeitung

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