STB und GP: Der rüstige Rentner mit der vitalen Tochter

Nur zwei Schweizer haben in den letzten sechzig Jahren Leichtathletik-Olympiamedaillen gewonnen - beide im Dienste des ST Bern. Dessen Leichtathletiksektion wird 2017 hundertjährig – und jubiliert im Rahmen des GP von Bern.

Bronze: Werner Günthör reiht sich 1988 hinter Ulf Timmermann und Randy Barnes ein, nachdem er ein Jahr zuvor Weltmeister geworden ist (l.). Silber: Markus Ryffel wird 1984 nur von Said Aouita geschlagen (r.).

Bronze: Werner Günthör reiht sich 1988 hinter Ulf Timmermann und Randy Barnes ein, nachdem er ein Jahr zuvor Weltmeister geworden ist (l.). Silber: Markus Ryffel wird 1984 nur von Said Aouita geschlagen (r.). Bild: Keystone

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Sandra Gasser erzählt, wie sie mehrfach vom LC Zürich geködert worden sei, der monetären Versuchung aber widerstanden habe. Christian Belz bejaht die Frage des Moderators, sagt, «in meinem Kinderzimmer hing wirklich ein Poster von Markus Ryffel». Maja Neuenschwander wiederum spricht über vergan­gene Vereinsmeisterschaftszeiten, hält fest, sie habe ihren ersten Medaillengewinn im Speerwerfen realisiert.

Anlässlich des ersten Jubiläumsanlasses zum hundertsten Geburtstag der Leichtathletikabteilung des Stadtturnvereins Bern (STB) auf dem Expo-Gelände plaudern ehemalige und aktuelle Aushängeschilder des Vereins aus dem Nähkästchen. Viele sind gekommen, einer musste sich entschuldigen lassen. Es handelt sich um Werner Günthör – in jeder Hinsicht eine gewichtige Absenz.

Schild und Ogi

Die Veranstaltung findet nicht zufällig am Vorabend des 36. Grand Prix von Bern statt, der STB und das Lauffest sind eng miteinander verbunden. GP-OK-Präsident Matthias Aebischer spricht von Mutter und Tochter, augenzwinkernd ergänzend, dass die Mutter im Alter tendenziell stärker von der Tochter abhängig werde. Markus Ryffel bezeichnet die Relation als «Traumpaar», verweist auf seinen langjährigen Trainer Heinz Schild und sagt, dieser sei dem Zeitgeist Jahrzehnte voraus gewesen.

Der 76-jährige Berner, Gründer des Grand Prix und Vater des aktuellen Streckenchefs Mike Schild, vermag sich bestens an die Anfänge zu erinnern. Ideen seien reichlich vorhanden, die engagierten Leute im STB jedoch ausgelastet gewesen, sagt der ehe­malige Radiojournalist. «Wir brauchten ein bekanntes Gesicht mit freien Kapazitäten.» Worauf Schild den damaligen Nationalrat und Skiverbandspräsidenten Adolf Ogi anrief. «Wir kannten uns nicht, aber er war von unserem Vorhaben begeistert und meinte, dass wir dieses Projekt sofort lancieren sollten.» In der Folge amtete der spätere Bundesrat aus Kandersteg drei Jahre lang als Präsident. «Er stellte nicht nur seinen Namen zur Verfügung, er hat auch angepackt», erzählt Schild.

Ryffel und Günthör

Der Visionär lässt sich auch, was die sportlichen Höhepunkte in der STB-Geschichte betrifft, als Schlüsselfigur bezeichnen. In den letzten sechzig Jahren haben lediglich zwei Schweizer Leichtathleten Olympiamedaillen gewonnen. Beide stammen aus der östlichen Landeshälfte, beide standen zum Zeitpunkt des Erfolgserlebnisses in Diensten des STB, und in beiden Fällen war Schild am Wechsel in die Bundesstadt beteiligt.

Ryffel, 1984 in Los Angeles Zweiter über 5000 Meter, hatte er aus Uster nach Bern gelotst. Der Thurgauer Günthör, 1988 in Seoul Dritter im Kugelstossen, war ihm von dessen Bruder und Berater Roland ange­boten worden.

In den 1990er-Jahren begann die Bedeutung der Leichtathletikvereine zu sinken – wohl nicht zuletzt, weil die Spitzenergebnisse rarer wurden. Seit der EM 2014 in Zürich geht es mit der Sportart wieder bergauf, selbiges gilt für die Mitgliederzahlen des STB. 1092 Personen sind registriert, der rüstige Rentner ist mit Abstand der grösste Leichtathletikklub des Landes. Vielleicht auch ein wenig der überaus vitalen Tochter wegen.

Erstellt: 13.05.2017, 10:08 Uhr

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