Der Pionier tritt kürzer

René Berliat hat sich seinen Abschied als Cheftrainer mit dem Gewinn des ersten Meistertitels in der Clubgeschichte von Floorball Köniz selber versüsst. Nun tritt der 49-Jährige kürzer.

Am Ziel der sportlichen Träume: Köniz-Coach René Berliat mit der Meistermedaille.

Am Ziel der sportlichen Träume: Köniz-Coach René Berliat mit der Meistermedaille.

(Bild: Fabian Trees (imagepower.ch))

Adrian Lüpold

Vier Tage nach dem Gewinn des Meistertitels mit Floorball Köniz sind durchaus noch leichte Spuren der ausschweifenden Feierlichkeiten vernehmbar: Die Stimme von Erfolgscoach René Ber­liat tönt angeschlagen und ein My heiser, seine Stimmung ist indes ausgezeichnet. «Ich fühle mich wunderbar. Es ist ein schönes, versöhnliches Gefühl, den Titel nach all den Jahren doch noch geholt zu haben.»

Die Spieler hätten bis zum Mittwoch quasi durch­gefeiert, sagt der 49-Jährige und ergänzt: «Am Sonntag habe ich kräftig mitgezogen. Am Montag waren die Spieler dann bei mir zu einer Gartenparty eingeladen, wo man in Ruhe auch noch das eine oder andere gute Gespräch führen konnte. Danach musste ich mich wieder etwas erholen», erklärt Berliat lachend.

Kein Aufwand zu klein

Seit fast 30 Jahren ist Berliat mit Floorball Köniz und seinem Vorgängerclub verbandelt – er ist ein Mann der ersten Stunde, ein Pionier. Ob als Spieler, Junioren­coach, Ausbildungschef oder Trainer der ersten Equipe: Für den Erfolg war ihm kein Aufwand zu gross, dafür ging er auch unkonventionelle Wege.

«Es ist ein schönes, versöhnliches Gefühl, den Titel nach all den Jahren doch noch geholt  zu haben.»Kulttrainer René Berliat

So reiste er in den 1990er-Jahren auf eigene Faust nach Schweden, um im Mutterland des Unihockeys taktische Kniffe zu erlangen und sich fortzubilden. Er las Bücher, betrieb Videostudium, saugte alles auf, was ihn weiterbrachte. Dazu gehörte auch eine Auslandsstation als Coach beim schwedischen Verein Alba (2002–2004).

«Dort oben wartet niemand auf einen Schweizer. Das brachte mich weiter», sagt Berliat über jene Zeit. Zwischen 2007 und 2011 fungierte er ­– teilweise im Doppelmandat – auch als Nationaltrainer.

Mehr Zeit fürs Privatleben

Nun tritt der Kultcoach kürzer. Den Rücktritt hatte er schon zum Ende des letzten Jahres kommuniziert. Nach jahrzehntelanger Priorisierung des Sports freut er sich, künftig mehr Zeit für das Privatleben zu haben.

In fast all den Jahren, in denen er wie ein Besessener fürs Unihockey un­terwegs war, lebte Berliat als Single. «Ich hatte gar keine Zeit für eine Beziehung», sagte er einst. Bald wird seine Freundin, die er 2016 an einem Rockfestival kennen lernte, zu ihm ziehen.

Ohne seine Leidenschaft wird Ber­liat indes auch in Zukunft nicht auskommen. Bei Köniz wird er ein Mandat in der Ausbildung des Nachwuchses übernehmen, zudem leitet er nach wie vor das regionale Leistungszentrum Bern West. Mit dem ersehnten Meistertitel erfüllte sich Berliat einen Traum. Gänzlich leben ohne seinen Sport will er aber doch nicht. Und das ist für das Schweizer Unihockey eine tolle Nachricht.

Berner Zeitung

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