Das Pferd und die Abgebrühten

Im Halbfinalderby zwischen Wiler-Ersigen und Tigers Langnau steht es 2:1 zugunsten des Meisters, dessen produktivste Sturmreihe beim 6:4-Sieg im dritten Spiel fünf Treffer erzielt.

Produktive Formation: Lassi Vänttinen, Adrian Zimmermann und Patrick Mendelin (von links) freuen sich über Zimmermanns Treffer zum 4:1.

Produktive Formation: Lassi Vänttinen, Adrian Zimmermann und Patrick Mendelin (von links) freuen sich über Zimmermanns Treffer zum 4:1.

(Bild: Hans Wüthrich)

Es gibt Unihockeyaner, die weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick den Eindruck erwecken, als wären sie zu Aussergewöhnlichem fähig. Lassi Vänttinen lässt sich dieser Kategorie zuordnen. Oft wirkt der Finne, als stünde er nur auf dem Feld, weil er dort stehen muss; in der Rückwärtsbewegung gibt es Agilere.

Seine Stunde schlägt, wenn sich die Chance eröffnet, etwas Zählbares zu erreichen. In solchen Momenten steht der 34-Jährige häufig am richtigen Ort, ist meistens einen Schritt schneller als der Gegenspieler, glänzt als Vorbereiter oder Vollstrecker.

Im Kader Wiler-Ersigens findet sich mit Patrick Mendelin ein zweiter Vertreter dieser raren Spezies, und es überrascht ein wenig, beordert Johan Schönbeck Vänttinen und Mendelin gemeinsam aufs Feld. Des Trainers Taktik basiert auf dem Leistungsvermögen von Adrian Zimmermann. Der Center, vom ehemaligen Nationaltrainer Petteri Nykky «das Pferd» genannt, ackert auch mal für zwei, wenn sich einer der Flügel eine Pause gönnt.

Und er verfügt über die Qualitäten, die Abgebrühten passend zu bedienen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Im dritten Halbfinalvergleich mit den Langnauer Tigers geht Schönbecks Plan auf. Wiler-Ersigen gewinnt 6:4, liegt in der Serie mit 2:1-Siegen in Führung. Mendelin und Vänttinen treffen je zweimal, Zimmermann lässt sich ein Tor notieren.

Die Tigers rücken näher

Neun der letzten elf Meisterschaften gingen mit dem Triumph der Unteremmentaler zu Ende. Die Tigers gehören seit 2007 zu den stärksten Herausforderern des Branchenleaders. Waren sie in erwähntem Jahr nahezu ebenbürtig, wurde die Differenz in den Folgesaisons grösser. Im letzten Winter gelang die Kehrtwende, seither rücken die Langnauer wieder näher an den Rivalen heran. In der laufenden Serie treten dann Unterschiede zutage, wenn sich der Aussenseiter gezwungen sieht, das Spieldiktat zu übernehmen. Erzeugt Wiler-Ersigen Druck, lauern die Tigers auf Gegenstösse. Das schnelle Umschalten beherrschen sie ausgezeichnet. Müssen sie die Initiative ergreifen, bekunden sie zuweilen Probleme.

Es gibt Bereiche, in denen die Vorteile aufseiten der Langnauer liegen. «Im Powerplay sind die Tigers besser als wir», gesteht Schönbeck und ergänzt, an dieser Baustelle werde in den nächsten Tagen gearbeitet. Defizite offenbarte der Titelhalter zuletzt auch in Sachen Effizienz.

Hatte der Chancenverschleiss am Samstag in Biglen zu einer 3:7-Niederlage geführt, stand Wiler-Ersigen gestern auf der Sonnenseite, obwohl Matthias Hofbauer, Deny Känzig, Isaac Rosén und Zimmermann innert dreier Minuten vier nahezu 100-prozentige Möglichkeiten ausliessen – Lassi Vänttinen und Konsorten sei Dank. Dessen Qualitäten sind übrigens nicht nur im Emmental bekannt, hatte er doch Finnland 2008 in Prag mit drei Finaltoren den ersten WM-Titel beschert.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...