«Damals war ich sauer»

Guillermo Gallardo (43) hat Köniz in den Playoff-Final geführt. Der Erfolgstrainer zieht Bilanz – und lobt ein Talent.

Nicht auf Augenhöhe: «Als ehrgeiziger Trainer will ich versuchen, dass Köniz den Abstand zu Volero verringern kann», sagt Guillermo Gallardo.

Nicht auf Augenhöhe: «Als ehrgeiziger Trainer will ich versuchen, dass Köniz den Abstand zu Volero verringern kann», sagt Guillermo Gallardo.

(Bild: Andreas Blatter)

Volley Köniz hat sich vorzeitig für den Playoff-Final gegen Titelverteidiger Volero Zürich qualifiziert – Sie müssen zufrieden sein.
Guillermo Gallardo: Das bin ich. Es ist nicht selbstverständlich, mit einem solchen Team derart Erfolg zu haben. Anfang Saison schätzte ich Schaffhausen und Neuenburg als gleich stark ein. Beide Konkurrenten konnten gegen uns aus verschiedenen Gründen nie ihr Potenzial abrufen. Das hatte auch mit unseren Auftritten zu tun. Man muss die Chance ergreifen, wenn sie sich bietet.

Ausser gegen Volero hat Köniz heuer im Championat und im Cup alle Ernstkämpfe gewonnen und dabei nur gegen Aesch-Pfeffingen einen Extrapunkt abgegeben – eine nahezu perfekte Bilanz?
Ja. Ich muss meinen Mädels ein Kompliment aussprechen. Sie haben fast in jedem Spiel die Spannung gehalten. Ich freue mich auch über zwei Entdeckungen: Passeuse Marta Ostrowska und die heuer neu auf der Diagonalposition eingesetzte Benavia Jenkins entwickelten sich vielversprechend. Wir sind nicht mehr abhängig von Sarka Kubinova und Anika Schulz. Das macht unser Spiel variabler.

Macht es Sinn, wenn sich Köniz an Volero Zürich orientiert?
Nein. Volero gehört zu den 7 besten Teams in Europa. Mit dem Champions-League-Viertelfinalisten können wir noch nicht mithalten. Wir müssen unseren eigenen Weg gehen. Als ehrgeiziger Trainer will ich versuchen, dass Köniz den Abstand zu Volero verringern kann. Wir müssen uns über schöne Momente freuen.

Wie meinen Sie das?
1999 befand ich mich als Trainer von Benidorm in einer ähnlichen Lage. Wir wurden hinter Teneriffa Zweiter. In der Qualifikation waren wir gegen den spanischen Serienmeister in jedem Satz chancenlos. Im Playoff-Final jedoch konnten wir gegen das hochkarätig besetzte Team in der Best-of-5-Serie einzelne Sätze gewinnen, eine Partie verloren wir 2:3. Das sind wunderschöne Momente.

Was bedeuten die drei Matchbälle, die Köniz gegen Volero in der Qualifikation vergeben hat, im Hinblick auf den Playoff-Final?
Damals war ich sauer. Wann bekommen wir je wieder die Chance, Volero Zürich zu besiegen? Einer dieser Matchbälle hätten wir nutzen müssen. Aber erst muss man sich solche Chancen erarbeiten. Die drei Matchbälle geben uns Selbstvertrauen. Wir wissen, dass wir an den Zürcherinnen dran sein können, wenn bei uns alles zusammenpasst und sie schwächeln. In einer Best-of-5-Serie wäre es aber eine Sensation, wenn wir gegen Volero gewännen.

Die Schweizerinnen Sarina Schafflützel und Marina Kühner sind verletzt. Patricia Schauss ist als Quotenspielerin so gut wie gesetzt. Am Samstag zauberten Sie gegen Düdingen die 16-jährige Zoé Vergé-Dépré aus dem Hut.
Sie ist ein Talent und machte mit einem Block sogar einen Punkt (schmunzelt). Ich möchte Zoé Vergé-Dépré behutsam an die NLA heranführen. Ich stelle mir vor, dass sie nächste Saison zweimal pro Woche mit dem Fanionteam trainiert. Zoé Vergé-Dépré erinnert mich an Lenka Dürr. Auch sie entdeckte ich im Alter von 16 Jahren. Dürr brachte im Bundesligateam der Roten Raben Vilsbiburg drei Monate lang keinen Ball nach vorne, so aufgeregt war sie. Heute ist Dürr Libera des deutschen Nationalteams.

Berner Zeitung

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