Beilagen statt Filetsteak

Am Schluss überlässt Volero Zürich seinem Gegner nur die Brosamen. Nach einem Steigerungslauf gewinnt der Favorit in Köniz das zweite Playoff-Finalspiel 3:1. Der Branchenprimus steht vor der Titelverteidigung.

Nicht zum Zunge-Schnalzen: Die Könizerinnen Michelle Nogueras, Anika Schulz und Patricia Schauss bringen ihre Enttäuschung zum Ausdruck.

Nicht zum Zunge-Schnalzen: Die Könizerinnen Michelle Nogueras, Anika Schulz und Patricia Schauss bringen ihre Enttäuschung zum Ausdruck.

(Bild: Raphael Moser)

«Wird Volero Zürich gegrillt?», haben die Könizer Verantwortlichen vor dem Playoff-Final-Heimspiel auf dem Titelblatt des Matchprogramms etwas unverschämt gefragt. Im ersten Satz beantworten die Bernerinnen diese vorwitzige Frage gleich selbst.

Sie erweisen sich gegen den Champions-League-Viertelfinalisten als wahre Grillmeisterinnen und brutzeln den 648 Gästen in der Weissensteinhalle ein Filetsteak. 25:13 gewinnt Köniz den ersten Durchgang sensationell deutlich – für die Zürcher Volleyballerinnen ist es ein Public Grilling, sie erhalten vom Festmenü nur die Beilagen.

Granvorkas Impulse

«Meine Spielerinnen traten unkonzentriert auf, ich vermisste bei ihnen die richtige Einstellung», kritisiert Avital Selinger später. Dann sagt der neue Volero-Trainer: «Köniz ist im ersten Satz aber auch alles gelungen.» Er habe im zweiten Durchgang reagiert und im Aussenangriff einen entscheidenden Wechsel vorgenommen. «Ich brachte Inès Granvorka für Laura Unternährer. Das war der Schlüssel zum Erfolg. Inès war hungrig. Mit ihrer Präsenz verlieh sie dem Team Sicherheit», meint Selinger nach dem 3:1 (13:25, 25:14, 25:11, 25:19).

Granvorka gab der ersten Garde einen neuen Impuls. Weil die 23 Jahre alte Quotenschweizerin im international zusammengestellten Zürcher Starensemble auch defensive Drecksarbeit verrichtete, blühten die Weltklasseangreiferinnen Dobriana Rabadzhieva (21 Punkte) und Olesia Rykhliuk (18) erst auf.

Die Erkenntnis von Schulz

«Wir hätten den ersten Satz nicht so hoch gewinnen sollen, Voleros Spielerinnen waren danach mächtig angefressen. Die Reaktion ist nicht ausgeblieben. Sie haben aggressiv gespielt, den Block hervorragend verschoben und mit dem Service Druck gemacht», sagt Anika Schulz nach der eindrücklichen Korrektur von Volero, das in der finalen Best-of-5-Serie nun 2:0 führt und am Donnerstag (20 Uhr, Im Birch, Oerlikon) einen ersten Matchball zur Schweizer Meisterschaft 2015 hat.

Es wäre der zehnte Double-Gewinn in den letzten elf Jahren für den Branchenprimus. Angesichts dieser erdrückenden Dominanz kann die nach Spielschluss an Guillermo Gallardo gerichtete Frage nicht erstaunen, ob er schon Wehmut verspüre nach seinem womöglich letzten Auftritt als Trainer vor eigenem Publikum. «Nein», entgegnet der scheidende Könizer Teamchef kämpferisch, «damit beschäftige ich mich noch nicht. Wir sind Profis. Wir werden jetzt drei gute Trainingseinheiten absolvieren. Am Donnerstag wollen wir in Zürich keine Dummheiten machen.»

Stolz nach Satzgewinn

Er sei stolz auf seine «Mädels», betont Gallardo. «Im ersten Satz waren wir sehr präsent. Ich habe immer gesagt, dass es schön wäre, einen Satz gegen Volero zu gewinnen. Das haben wir geschafft.» Natürlich habe der Gegner nach dem Satzverlust einen Gang höher geschaltet, meint der Argentinier. Auch wenn das Resultat an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt, will Gallardo das 1:3 relativieren: «Meine Spielerinnen sind mental sehr müde. Es erfordert viel Energie, sich dem hohen Niveau von Volero Zürich anzupassen. Gerade deshalb bin ich stolz auf den Satzgewinn.»

Nach dem Duschen versammeln sich die Könizer Volleyballerinnen vor der Halle am Grill. Sie füllen ihre Teller mit Fleisch. Auf die Beilagen können sie verzichten.

Berner Zeitung

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