Auf dem Weg nach ganz oben

Köniz empfängt am Samstag im Duell zweier Teams, die Voléro Zürich herausfordern möchten, Kanti Schaffhausen. Eine der Hauptattraktionen der Gastgeberinnen ist die Venezolanerin Roslandy Acosta.

Noch viel Arbeit vor sich: Die Venezolanerin Roslandy Acosta möchte sich in Köniz das Rüstzeug dafür holen, dereinst in einer Topliga zu spielen.

Noch viel Arbeit vor sich: Die Venezolanerin Roslandy Acosta möchte sich in Köniz das Rüstzeug dafür holen, dereinst in einer Topliga zu spielen.

(Bild: Urs Baumann)

Sie zuckt kurz zusammen. Angesprochen auf das hiesige Wetter, beginnt Roslandy Acosta leicht zu frösteln, obwohl in der Weissenstein-Halle angenehme Temperaturen herrschen. Ein Blick in den dunkelgrauen, verregneten Nachmittagshimmel macht aber klar, wie weit der Sommer entfernt ist.

Vor allem für eine Venezolanerin. Zum Vergleich: In der Hauptstadt Caracas, nur eine halbe Stunde von Acostas Wohnort entfernt, wurden gestern 28 Grad gemessen. «Das Wetter ist schon der Hauptunterschied», sagt Acosta, «insgesamt habe ich mich aber sehr gut eingelebt.»

Drei Monate weilt sie nun hier, feilt weiter an ihrem Spiel, um sich das Rüstzeug für eine der grossen Ligen zu holen. «Italien, Türkei oder Aserbeidschan» bezeichnet sie als mögliche Fernziele. Länder, in denen Volleyball einen ganz anderen Stellenwert geniesst, auch finanziell. «Um in einer solchen Liga zu spielen, muss ich mich aber noch in allen Bereichen verbessern.»

Das Küken und Kobe Bryant

Fortschritte erzielen will die Angriffsspezialistin, die sich selbst als «trabajadora», als Arbeiterin bezeichnet, auch in nächster Zeit: «Ich bin vor allem bei Köniz, weil ich sehr viel Gutes über den Trainer gehört habe.»

Und was sie über den Argentinier Guillermo Gallardo gehört hatte, sei bisher bestätigt worden: «Er ist ein hervorragender Trainer. Er fordert und fördert, legt grossen Wert auf harte Arbeit und darauf, dass wir als Team harmonieren.»

Roslandy Acosta ist 22 Jahre jung, ihr Name in der Szene aber schon lange ein Begriff. 2008 nahm sie mit 16 Jahren an den Olympischen Spielen teil und war in Peking die Jüngste im Volleyballturnier. «Es war eine unglaubliche Erfahrung», blickt sie zurück. Geblieben ist ihr von dort auch ein Foto von Kobe Bryant samt Unterschrift.

Das Gesamterlebnis unter den fünf Ringen hat Spuren hinterlassen: «Das war meine bisher schönste Erfahrung im Sport, und das möchte ich unbedingt noch einmal erleben. Es gibt nichts Schöneres, als für mein Land zu spielen.»

Dass es überhaupt zu einer Volleyballkarriere gekommen ist, hat sie Überzeugungskünsten zu verdanken, sie selber hatte sich anfänglich schwergetan mit dieser Sportart. «In der Schule spielte ich viel lieber Fussball, mit Volleyball konnte ich nicht viel anfangen und habe erst wegen meiner Mutter damit begonnen.»

Längst hat sich herausgestellt, dass es die richtige Wahl war, auch, um ihr Gardemass von 190 Zentimetern ideal einzusetzen. Mittlerweile hat sie von der Welt viel gesehen, spielte in Finnland und studierte vier Jahre an der University of Arkansas, wo sie in Wirtschaft und Soziologie abschloss. Am meisten vermisst das Einzelkind ihre Familie. «Aber wir telefonieren täglich.»

Von der Schweiz hat Roslandy Acosta ausser einem Abstecher nach Luzern noch nicht viel gesehen. Sie spaziert aber mit Teamkolleginnen gerne durch die Berner Innenstadt und trinkt gerne eine heisse Schokolade. Auf den Winter ist sie vorbereitet.

In Finnland war das Quecksilber sogar auf Minus 21 Grad abgesunken. «Da bin ich nur noch für Training und Spiele aus der Wohnung gegangen», erklärt sie ihr Notfallszenario. Ganz so schlimm dürfte es in Bern nicht werden.

Berner Zeitung

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