An der Aufgabe wachsen

Skorpion Emmental steht nach zwei Halbfinalniederlagen (3:4, 1:5) gegen Dietlikon vor dem Playoff-Out. Für das junge Team dienen diese Partien vorab als «Lehrblätz».

Bild mit Symbolcharakter: Skorpion Emmental (Nathalie Spichiger, vorne) bekundet gegen die physisch starken Dietlikerinnen zuweilen Mühe.

Bild mit Symbolcharakter: Skorpion Emmental (Nathalie Spichiger, vorne) bekundet gegen die physisch starken Dietlikerinnen zuweilen Mühe.

(Bild: Marcel Bieri)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Das Gebimmel der Kuhglocken verhallt, ein erstes Mal hadert der Grossteil der 295 Zuschauer in der Ballsporthalle Oberemmental in Zollbrück. Eben hat das Schiedsrichterduo auf Penalty für Dietlikon entschieden – ein etwas harter Entscheid. Michelle Wiki ist dies egal, die Zürcherin bezwingt Stefanie Blaser im Tor von Skorpion Emmental souverän zum 2:1.

Es ist aus Sicht der Gastgeberinnen der Anfang vom Ende. Sie verlieren den Faden und ermöglichen Dietlikon innert dreier Minuten zwei weitere Treffer, erzielt von Nationalspielerin Wiki. Das junge Team aus Zollbrück fängt sich in der Folge zwar wieder auf, kann die Partie jedoch nicht mehr wenden – am Schluss steht es 1:5.

Damit führt Dietlikon im Playoff-Halbfinal 2:0, weil die Zürcherinnen die Ouvertüre 4:3 gewannen. Am nächsten Samstag können sie mit einem weiteren Sieg den Einzug in den Superfinal – wie bei den Männern wird der Meister in einem Spiel ermittelt – schaffen.

«Können nur profitieren»

«Um dieses Team bezwingen zu können, müssten wir 60 Minuten lang so spielen wie im ersten Drittel», hält Aldo Casanova fest. Im Startabschnitt agierte die Equipe des Skorpion-Trainers auf Augenhöhe mit dem Favoriten, ging nach einem sehenswerten Drehschuss Nathalie Spichigers (13.) verdient in Führung. Doch lediglich 64 Sekunden später gelang Nina Bärtschi – notabene eine Emmentalerin in Zürcher Diensten – der Ausgleich.

Was hernach folgte, ist bekannt. «Im zweiten Drittel haben wir 7, 8Minuten lang den Fokus verloren, die Hypothek wog danach zu schwer. Wir können nicht jedes Mal einem Rückstand hinterherrennen», sagt Casanova. Im ersten Playoff-Spiel war sein Team 0:3 in Rückstand geraten, glich danach aus, um schliesslich trotzdem mit leeren Händen dazustehen.

Derweil betont Spichiger, dass der Penalty dem Team einen Knick gegeben habe: «Wir können eine solche Aktion nicht abhaken. Einige wurden danach hektisch, mental sind wir diesbezüglich noch nicht so weit.» Gewiss, es handelt sich für Spichiger und ihre Teamkolleginnen um die erste Playoff-Teilnahme.

Skorpion spielte vor 3 Jahren noch in der 1. Liga, stieg seither zweimal de suite auf und verpasste im letzten Frühjahr die Playoffs erst in der letzten Qualifikationsrunde. 21 Jahre beträgt der Altersdurchschnitt im Team, es überrascht deshalb kaum, bezeichnet Spichiger die derzeitige Situation als «Lehrblätz». «Wir können nur lernen und profitieren.» Casanova stimmt ihr zu, sagt, sein Team könne an der jetzigen Aufgabe wachsen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Wechsel als Wegbegleiter

Freilich soll der eingeschlagene Weg für die Emmentalerinnen noch nicht zu Ende sein. Es gelte jetzt den Grundstein dafür zu legen, sich auf längere Zeit in den Top 3 der Schweiz etablieren zu können, sagt Spichiger. Die 20-Jährige steht exemplarisch für das Potenzial, welches im Oberemmental vorhanden ist – das NLA-Team besteht grösstenteils aus Spielerinnen aus der Region. «Mit exakt derselben Equipe könnten wir in 3, 4 Jahren weiss was herausholen», sagt Casanova. Der Konjunktiv verrät: Er weiss, dass dieser Fall nicht eintreten wird.

Wechsel und Rücktritte sind im Frauenunihockey ständige Begleiter, Ende Saison werden sechs Spielerinnen den Klub verlassen. Sie sollen grösstenteils mit eigenen Juniorinnen ersetzt werden, Skorpion will seiner Philosophie treu bleiben. Viel anderes bleibt dem Verein nicht übrig – der Schweizer Markt ist ausgetrocknet.

Auch deshalb blickt der Klub erstmals über die Landesgrenzen hinaus. «Die Defensive ist dünn besetzt», begründet Casanova diesen Schritt, fügt aber an: «Wir werden nur aktiv, wenn wir eine wirklich gute ausländische Verteidigerin finden.»

Berner Zeitung

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