Störfaktor in der Superliga

Auf die Young Boys hat in der Champions League niemand gewartet. In Valencia kann der kleine Schweizer Meister das Establishment am Mittwoch weiter ärgern.

Aussenseiter in der Liga der Stars: Kevin Mbabu (links) trifft am Mittwoch mit YB auswärts wieder auf Valencia.

Aussenseiter in der Liga der Stars: Kevin Mbabu (links) trifft am Mittwoch mit YB auswärts wieder auf Valencia.

(Bild: Raphael Moser)

Die Football-Leaks-Enthüllungen werden hier und dort mächtig aufgebauscht, branchenübliche Leihtransfers, um sich einen Spieler leisten zu können, schlagzeilenträchtig präsentiert. Und die Idee einer Superliga mit den Giganten des Clubfussballs existiert ohnehin seit Jahren.

Man kann nun eine geschlossene Spielklasse mit Mitgliedern der Kategorie Real Madrid, Juventus, Manchester United doof finden oder schlimm oder uninteressant (oder alles zusammen) - aber sie dürfte unweigerlich kommen. Denn ihre Einführung ist nach marktwirtschaftlichen Überlegungen, und danach richten sich weite Teile nicht nur der Fussballwelt, nachvollziehbar.

Angeblich rund 500 Millionen Franken im Jahr sollen Teilnehmer dieser Superliga verdienen können. Das mag erst mal eine Fantasiesumme sein. Klar ist: Regelmässige Treffen der weltweit beliebten Premiumclubs würden viele Menschen elektrisieren. Vielleicht nicht in der Schweiz. Aber in anderen Ländern Europas, in Asien und Afrika, Süd- und Nordamerika.

Wäre YB morgen Arsenal

Fussball ist längst ein globales Kulturgut, die Champions League wird in über zweihundert Ländern am TV übertragen. Auch die Sternenliga entwickelt sich ja zu einer Art Superliga: mehr Vertreter aus Topligen, weniger Clubs aus kleinen Ländern wie der Schweiz. Mannschaften wie in dieser Saison YB, Viktoria Pilsen und Roter Stern Belgrad sind so gesehen eher Störfaktoren in der Champions League.

Nach der umfassenden Reform auf diese Saison dürfen immer weniger krasse Aussenseiter im Konzert der Mächtigen mitmischen. Und dieser Prozess ist mit angepasstem Verteilschlüssel sowie neuen Anspielzeiten noch lange nicht zu Ende. Etwas anderes zu glauben, zu denken oder zu hoffen, wäre naiv - selbst wenn Fussballromantiker das alles mit Schaudern verfolgen.

Am Mittwochabend treten die Young Boys um 18.55 Uhr in Valencia an, als zweite frühe Begegnung wird morgen das Spiel ZSKA Moskau - AS Roma über die Bühne gehen (russische und ukrainische Teams bestreiten ihre Heimspiele im Spätherbst meistens früher). Und es ist kaum so, dass Valencia vs. YB das Fernsehpublikum in - zum Beispiel - Japan, Neuseeland und Uganda fesseln wird. Würden statt der Young Boys aber Chelsea, Arsenal, Milan oder auch Leverkusen, Marseille, Sporting Lissabon antreten (um sechs prominente Vereine zu nennen, welche die Champions League verpasst haben), wäre das weltweite Interesse ungleich höher.

Die Berner Topwerte

Die Young Boys braucht das nicht zu kümmern. Sie werden nie Mitglied einer Superliga sein, sind aber immerhin Dominatoren in der heimischen Super League. 43 Tore in 13 Partien (3,31 Tore pro Spiel) sind ein fantastischer Wert, nur viermal erzielten die Berner nicht drei oder mehr Treffer, nie weniger als zwei! Wenn der stabile, souveräne Leader in diesem Stil weiter trifft, ist ihm sogar zuzutrauen, die 100-Tore-Marke zu knacken (2,77 Tore pro Spiel).

Den Super-League-Höchstwert hält übrigens Basel mit 92 Treffern in der Spielzeit 2016/2017 (2,55 im Schnitt). In jener Saison stellte der FCB auch den Punkterekord auf: 86 oder im Schnitt 2,38. In dieser Disziplin sind die Young Boys derzeit mit 2,62 Zählern pro Begegnung ebenfalls magistral auf Bestwertkurs.

In seiner hochkarätig besetzten Champions-League-Gruppe dagegen hat YB nach drei Runden erst einen Punkt geholt und ein Tor erzielt. Aber die Young Boys dürfen ihre Auftritte in der Königsklasse weiter geniessen - zumal sie vor einer reizvollen Ausgangslage im magischen Mestalla-Stadion mit rund 1200 Berner Anhängern als Unterstützung stehen. Verlieren sie am Mittwoch beim schwer kriselnden Valencia nicht, bleiben sie auf jeden Fall im Rennen um Rang 3 und den Einzug in die Europa-League-Sechzehntelfinals.

Und vermutlich könnten sie dann in drei Wochen im sehr magischen Old Trafford mit etwa 3000 YB-Fans als Begleitung gegen Manchester United durch einen (zugegeben sehr spektakulären) Auswärtssieg gar auf Platz 2 klettern. Denn Manchester tritt morgen beim überzeugenden Tabellenführer Juventus an. Es ist in Turin ein Fünf-Sterne-Spiel mit jeder Menge Topstars. Ganz im Superligastil. Die Menschen in - zum Beispiel - Japan, Neuseeland und Uganda werden mitfiebern.

Berner Zeitung

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