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YB ist nur ein ehrfürchtiger Zuschauer

Schwache Young Boys verlieren auch das zweite Gruppenspiel 0:3 und sind in Turin überfordert. Der überragende Dybala erzielt alle Tore.

Drei Tore des Argentiniers entscheiden das Spiel: Paulo Dybala präsentierte sich gegen YB in Topform. Video: Teleclub.

Die über 2000 YB-Fans im Stadion von Juventus singen irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit lautstark: «Schweizer Meister, Schweizer Meister.» Es ist ihr Trost an diesem für die Young Boys ernüchternden Abend, an dessen Ende eine 0:3-Niederlage gegen Juventus resultiert. Und die Erkenntnis, auf diesem Niveau überfordert zu sein. Die Champions League ist nicht die Super League, in der ein überlegenes YB von Sieg zu Sieg spaziert. Manchester United und Juventus sind nicht St. Gallen und Thun. Das ist keine exklusive Feststellung, erstaunlich ist der harmlose Auftritt der Berner in Turin gleichwohl.

Auch in der Schlussphase agieren sie ungenügend, beim 3:0 in der 69. Minute durch den überragenden Argentinier Paulo Dybala darf sich der Gastgeber wie beim 5-gegen-2-Trainingsspielchen den Ball hin- und herspielen – in einer 5-gegen-8-Unterzahl. Die zahmen YB-­Spieler nehmen ehrfürchtig allerbeste Zuschauerplätze ein.

Für die Young Boys ist das Spiel gegen Juventus Turin eine Lehrstunde. Wie schon gegen Manchester United verliert der Schweizer Meister 0:3.
Für die Young Boys ist das Spiel gegen Juventus Turin eine Lehrstunde. Wie schon gegen Manchester United verliert der Schweizer Meister 0:3.
Christian Pfander
YB-Goalie David von Ballmoos muss getröstet werden.
YB-Goalie David von Ballmoos muss getröstet werden.
Christian Pfander
Imposante Kulisse: Die YB-Spieler laufen in das Allianz Stadium ein. Das Gastspiel in Turin ist der erste Auswärts-Auftritt in der Champions League für die Young Boys.
Imposante Kulisse: Die YB-Spieler laufen in das Allianz Stadium ein. Das Gastspiel in Turin ist der erste Auswärts-Auftritt in der Champions League für die Young Boys.
Christian Pfander
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Der flinke, spielfreudige Dybala krönt damit seinen Monolog. Er trifft dreimal ins Tor und einmal den Pfosten, hätte nach einem Foul von Steve von Bergen einen Elfmeter zugesprochen ­erhalten können, holt gegen ­Mohamed Ali Camara kurz vor Spielende dessen zweite Verwarnung heraus. Der Platzverweis des jungen Innenverteidigers steht sinnbildlich für die schwache Darbietung der Gäste. Auch Guillaume Hoarau leistet sich in der Schlussphase noch ein übles Foulspiel.

Blitzstart von Juventus

Dabei ist es eigentlich ein Abend, an dem die Young Boys überhaupt keinen Druck und nichts zu verlieren, aber sehr viel zu gewinnen haben. Das spürt man nie, was auch mit dem für sie unvorteilhaften Spielbeginn zu tun hat. Fünf Minuten sind erst gespielt, als Leonardo Bonucci an der Mittellinie nicht angegriffen wird, sich den Ball in aller Ruhe zurechtlegen und einen seiner hochpräzisen 50-Meter-Pässe schlagen darf.

Camara verschätzt sich im Strafraum während des langen Fluges, er antizipiert erst gar nicht und schliesslich falsch, was Dybala die Gelegenheit ermöglicht, seine fabelhafte Schusstechnik zu demonstrieren. Der 24-Jährige spediert den Ball herrlich und direkt zum 1:0 ins Tor. Es ist ein in Entstehung und Vollendung wunderbarer Treffer.

Bonucci und Dybala zählen beide zur erweiterten Weltklasse, aber das sollte die Young Boys nicht daran hindern, angemessen zu verteidigen. Camaras Desorientierungslauf ist der Anfang vom Berner Untergang.

Ein Auswärtssieg wäre eine riesige Überraschung gewesen, nach dem frühen Gegentreffer rückt der YB-Coup in derart weite Ferne, dass manche Beobachter bereits geneigt sind, die ­Begegnung als entschieden zu betrachten.

Juventus hat sich in den letzten Jahrzehnten mit bewundernswerter Abgeklärtheit den Ruf erarbeitet, das wohl welt­beste Team in der Disziplin Vorsprungverwalten zu sein. Der ­italienische Serienmeister lässt die Berner nun ein bisschen kombinieren, aber er kontrolliert Spiel, Ball und Gegner jederzeit stilsicher. Sein Goalie Wojciech Szczesny muss in der ersten Halbzeit nie ernsthaft eingreifen, zu leichtgewichtig und kompliziert präsentiert sich der Schweizer Champions-League-Vertreter über weite Strecken.

Platzverweis für Camara

Und die Defensive der Young Boys ist wie bereits beim 0:3 zum Start in die Königsklasse gegen Manchester United regelmässig unsortiert. Thorsten Schick ist hinten rechts kein Ersatz für den verletzten Kevin Mbabu, Camara tut sich nach seinem frühen Patzer schwer, auch von Bergen behält nicht immer die Übersicht. Links bleibt Loris Benito unter seinen Möglichkeiten.

Erstaunen darf es deshalb niemanden, gelingt Juventus noch vor der Pause das 2:0. Frankreichs Weltmeister Blaise Matuidi darf ungehindert aus 16 Metern schiessen, Torhüter David von Ballmoos wehrt ungenügend ab, die Berner Abwehr lässt erneut Handlungsschnelligkeit vermissen. Nach dem Abpraller stehen gleich drei Juventus-Spieler allein vor dem YB-Tor, Dybala realisiert mühelos seinen zweiten Treffer.

Und das ohne Ronaldo

Der Rest der spannungsfreien Veranstaltung ist ein Schaulaufen des Favoriten gegen einen Sparringpartner ohne Spannkraft – ohne auch nur annähernd an die Leistungsgrenze gehen zu müssen, ohne mehrere Stammkräfte, ohne den gesperrten Superstar Cristiano Ronaldo, der von der Tribüne aus zuschaut.

Man möchte sich aus Berner Sicht nicht vorstellen, wie es herausgekommen wäre, hätte auch der Portugiese an diesem lauen Herbstabend an seiner imposanten Champions-League-Torbilanz arbeiten können.

Für die Young Boys geht es in den zwei Partien gegen Valencia nun darum, nicht bereits frühzeitig den Anschluss an alle drei Gruppengegner zu verlieren. Zunächst am 23. Oktober in Bern.

Juventus Turin - Young Boys 3:0 (2:0)

40'961 Zuschauer. SR Karassew (RUS). Tore: 5. Dybala 1:0. 33. Dybala 2:0. 69. Dybala 3.0.Juventus Turin: Szczesny; Barzagli, Bonucci, Benatia; Cuadrado, Pjanic (70. Khedira), Matuidi (46. Can), Alex Sandro; Bernardeschi; Dybala, Mandzukic (78. Kean).Young Boys: Von Ballmoos; Schick, Camara, von Bergen, Benito; Fassnacht (70. Assalé), Bertone, Sanogo (46. Lauper), Sow, Sulejmani (70. Moumi Ngamaleu)); Hoarau.Bemerkungen: Juventus Turin ohne Ronaldo (gesperrt) und Douglas Costa (verletzt). Young Boys ohne Mbabu, Wüthrich, Lotomba und Teixeira (alle verletzt). 48. Pfostenschuss von Dybala. 79. Gelb-Rote Karte gegen Camara. Verwarnungen: 24. Bertone. 41. Sanogo. 75. Camara (alle Foul).Rangliste: 1. Juventus Turin 2/6 (5:0). 2. Manchester United 1/3 (3:0). 3. Valencia 1/0 (0:2). 4. Young Boys 2/0 (0:6).

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