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Beim FCZ abgeschoben – jetzt ist er unverzichtbar

Berat Djimsiti ist lange unterschätzt worden. Am Mittwoch spielt er an seinem Geburtstag im Champions-League-Achtelfinal.

Berat Djimsiti spielt in der Saison 19/20 so oft wie kein anderer Feldspieler von Atalanta. Nur der Torhüter der Bergamasken, Pierluigi Gollini, kommt auf mehr Spielminuten.
Berat Djimsiti spielt in der Saison 19/20 so oft wie kein anderer Feldspieler von Atalanta. Nur der Torhüter der Bergamasken, Pierluigi Gollini, kommt auf mehr Spielminuten.
Robbie Jay Barratt - AMA/Getty Images
Der Albaner formt mit dem Argentinier José Palomino und dem Brasilianer Rafael Toloi eine solide Dreierkette.
Der Albaner formt mit dem Argentinier José Palomino und dem Brasilianer Rafael Toloi eine solide Dreierkette.
Simon Stacpoole/Offside/Offside via Getty Images
Mit dem FC Zürich spielte der gebürtige Zürcher 135 Partien (davon 110 in der Super League), erzielte sechs Tore und bereitete vier vor.
Mit dem FC Zürich spielte der gebürtige Zürcher 135 Partien (davon 110 in der Super League), erzielte sechs Tore und bereitete vier vor.
Steffen Schmidt/Keystone
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Wenn Atalanta am Mittwochabend im Champions-League-Achtelfinal auf Valencia trifft, dürfte das Augenmerk der Fussballschweiz Remo Freuler gelten. Doch in den Reihen der Italiener gibt es noch einen weiteren Spieler mit einem Schweizer Pass: Berat Djimsiti. Der in Zürich-Affoltern aufgewachsene Innenverteidiger hat vor fünf Jahren das Abenteuer Ausland in Angriff genommen und gehört inzwischen zu den Leistungsträgern der Bergamasken.

Dies mag erstaunen. So hat sein Name hierzulande nie grosse Emotionen geweckt. Kaum Titel stehen in seinem Palmarès. Lediglich einmal stemmte er mit dem FC Zürich am Ende der Spielzeit einen Pokal in die Höhe. Auch sein Entscheid, für die albanische Nationalmannschaft aufzulaufen – und nicht für die hiesige –, sorgte nicht für die grossen Schlagzeilen. Dies, obwohl er die Jugendauswahlen der Schweiz durchlief.

Mehr zu reden gab sein Abschied aus der Super League. Es war ein trister Sonntagnachmittag im November 2015, als die Beziehung zwischen dem FC Zürich und Djimsiti in die Brüche ging. Mit einem völlig unbedarften Rückpass lenkte der Innenverteidiger das 244. Stadtderby für seinen Club in eine völlig schiefe Bahn. Munas Dabbur bedankte sich und schob zum 1:0 ein. Am Ende schickten die Grasshoppers den FCZ mit 5:0 nach Hause.

Da war die GC-Welt noch in Ordnung: Munas Dabbur trifft zum 1:0 gegen FCZ. Dank einem Fehler von Berat Djimsiti. (Video: SRF)

Ablösefrei nach Italien

Nach Hause ging es für Djimsiti im wahrsten Sinne des Wortes. Für die restlichen zwei Partien vor der Winterpause kippte ihn der damalige FCZ-Coach Sami Hyypiä aus dem Kader. Kurze Zeit später einigte sich der Albaner mit der Vereinsführung einvernehmlich auf eine sofortige Vertragsauflösung. Nach drei Jahren als gesetzter Verteidiger und 110 Spielen in der Super League liess ihn FCZ-Präsident Ancillo Canepa gratis ziehen: «Wir wollen Berat die Chance geben, im Hinblick auf die kommende Europameisterschaft Spielpraxis zu holen.»

Die Chance bekam Djimsiti in Norditalien – in der Stadt Bergamo. Nur einen Tag nach der Vertragsauflösung beim FCZ unterzeichnete er bei Atalanta einen Dreijahresvertrag. Für manche Fussballexperten ein zu grosser Schritt. Sie belächelten ihn. Viele verstanden nicht, dass einer seines Formats in der Serie A unterkommen konnte. In Fussballforen lautete der Tenor noch harscher: «Ein Djimsiti wäre sogar in der 2. Liga interregional auf der Ersatzbank.»

Die Skeptiker behielten zunächst recht. Djimsiti stand in der Hierarchie der Innenverteidiger an vierter Stelle. Sein Debüt feierte er erst in der drittletzten Runde. Dies war nicht einmal sein Verdienst. Denn am Spieltag zuvor verletzten sich gleich zwei Abwehrkollegen. So stand er in den restlichen Partien völlig unverhofft in der Startformation. Für den damaligen albanischen Nationalmannschaftstrainer Gianni De Biasi waren es aber zu wenig Einsätze, um den 190 cm grossen Hünen mit einem Aufgebot für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich zu belohnen. Und so verfolgte der Albaner die EM von zu Hause auf dem Sofa.

Im Panini-Album zur EM 2016 war Djimsiti zwar zu finden. An die EM-Endrunde reiste er allerdings nicht.

Meist eingesetzter Spieler

Die verpasste Europameisterschaft brachte Djimsiti zum Umdenken. Zusammen mit seinem Berater und der Vereinsführung entschloss er, die Bergamasken auf Leihbasis zu verlassen. Das Sammeln von Spielpraxis und das Kennenlernen des italienischen Fussballs waren das Ziel. Für zwei Jahre ging es ab in den Süden Italiens – eines davon verbrachte er in der Serie B bei Avellino und das andere bei Benevento, dem damaligen Serie-A-Aufsteiger. In beiden Mannschaften überzeugte er, und so beorderte Atalanta-Trainer Gian Piero Gasperini ihn wenig überraschend im Sommer 2018 nach Bergamo zurück.

Doch wieder stagnierte Djimsitis Entwicklung. In der ersten Saisonhälfte kam er nur auf 536 Spielminuten. Ein weiterer Transfer stand zur Debatte. «Doch dann hat es klick gemacht. Ich habe verstanden, wie wichtig es ist, dass ich meinem Coach aufzeige, dass auch ich hier bin», offenbarte er jüngst dem «Corriere della Sera». Es gelang ihm, und Gasperini wollte nicht mehr auf den Albaner verzichten. In der Rückrunde verpasste der Innenverteidiger lediglich drei Spiele und stand von 1710 möglichen Minuten deren 1267 auf dem Feld.

In der laufenden Meisterschaft läuft es für Djimsiti noch besser. Mitte Februar sind es bereits 1870 absolvierte Spielminuten. Dies sind mehr als in der gesamten vergangenen Saison. Damit ist er auch der meist eingesetzte Feldspieler von Atalanta. Remo Freuler kommt auf deutlich weniger. Im ligaweiten Vergleich reicht das unter Verteidigern für Platz zwanzig. «Ich habe nicht erwartet, dass ich so viel spielen werde. Doch es gefällt mir und gibt mir Selbstvertrauen.»

Die Dauerbrenner von Atalanta 2019/2020:

Selber beschenken

Nicht nur Djimsiti ist derzeit mit breiter Brust unterwegs. Der gesamten Mannschaft läuft es derzeit rund, wie er der «Gazzetta dello Sport» im Vorfeld des Champions-League-Achtelfinals gegen Valencia bestätigt: «Wir sind in einer guten Verfassung. Die Spanier haben zwar mehr Erfahrung auf internationaler Ebene. Aber wir spüren, dass etwas möglich ist.»

Ermöglichen soll es der mit 63 Toren dritterfolgreichste Sturm unter Europas Topligen. Der gebürtige Zürcher hat dazu erst ein Tor beigesteuert. Wenn es nach ihm geht, sollen es künftig mehr sein: «Mein neues persönliches Ziel ist es, mehr Tore zu schiessen.» Vielleicht gelingt es ihm schon an diesem Mittwoch, wenn er nicht nur sein erstes Champions-League-Achtelfinal spielt, sondern auch seinen 27. Geburtstag feiert. Es wäre das perfekte Geschenk für den vom FCZ voreilig abgeschobenen und lange Zeit unterschätzten Innenverteidiger.

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