Wawrinkas Absage ist ein Affront

Sportchef Adrian Ruch zu Stan Wawrinkas Absage am Swiss Open Gstaad.

Adrian Ruch

Mit dem kroatischen Aufsteiger Borna Coric und dem Holländer Robin Haase, im Saanenland bereits zweimal im Final, haben sich für das Swiss Open Gstaad weitere Spieler angemeldet, die für ausgezeichnetes Tennis bürgen.

Überhaupt präsentiert sich das Feld kompakter als in den vergangenen Jahren; Denis Istomin (ATP 100) müsste nach jetzigem Stand die Qualifikation bestreiten. Doch diese erfreuliche Erkenntnis wird durch die Absage von Stan Wawrinka überschattet.

Wawrinka macht nach seiner schwerwiegenden Knieoperation eine schwierige Zeit durch. Insofern erscheint seine Begründung, die Teilnahme an den Turnieren in Bastad und Gstaad zurückzuziehen, auf den ersten Blick einleuchtend. Sein medizinisches Team habe ihm von häufigen Belagwechseln abgeraten, liess sein Management am Mittwoch per Pressemitteilung verlauten.

Und Wawrinka selber wurde folgendermassen zitiert: «Abzusagen ist nie schön, aber ich muss den Rat der Mediziner befolgen. Ich arbeite seit fast einem Jahr hart, damit ich da stehe, wo ich jetzt stehe. Ich will keine Risiken eingehen, einen Rückschritt zu machen.»

Auf den zweiten Blick ist das Vorgehen des 33-Jährigen unprofessionell. Denn seit seiner Zusage vor einem knappen Monat hat sich an seiner Situation nichts Grundsätzliches geändert. Schon damals war klar, dass für sein linkes Knie mehrere Belagwechsel in kurzer Zeit heikel sein könnten.

Nun erklärt der Waadtländer noch vor dem ersten Match auf Rasen für die nachfolgenden Sandplatzwettbewerbe Forfait. Ironischerweise hatte sich sein Kumpel Roger Federer am Dienstag in Stuttgart genau zu dieser Thematik geäussert: «Was ich nicht will: sagen, ich spiele ein Turnier, und dann später absagen. So verarscht man die Zuschauer.»

Der Superstar führte noch aus, wenn er kurzfristig irgendwo antreten möchte, ­bekomme er stets eine Wildcard. Das gilt im Normalfall auch für Wawrinka, der als Gewinner dreier Grand-Slam-Titel im Welttennis zu den Grossen gehört.

Viele kleinere Turniere kämpfen um ihre Existenz. Für sie ist es fatal, wenn Aushängeschilder nicht teilnehmen. Die ­Verantwortlichen des J. Safra Sarasin Swiss Open müssen die Absage Wawrinkas als Affront empfinden. Es ist bereits das dritte Mal, dass der Romand trotz gültigem Vertrag in Gstaad nicht aufschlägt – und das stets mit nicht allzu stichhaltigen Begründungen.

Trotzdem macht Turnierdirektor Jean-François Collet gute Miene zum bösen Spiel. Schliesslich will er sich nicht die Chance verbauen, Wawrinka doch noch mal zu präsentieren. Die Stars sind stets am längeren Hebel. Trotzdem würde es ihnen gut anstehen, für ihren Sport, der ihnen hohe Einkommen garantiert, Verantwortung zu übernehmen.

adrian.ruch@tamedia.ch

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