Wawrinka gewinnt die US Open zum zweiten Mal...

...und Federers goldener Herbst geht in die Verlängerung: 19 unerschrockene Prognosen zum Tennisjahr 2019.

Eine von 19 Voraussagen: Wawrinka holt an den US Open seinen vierten Grand-Slam-Titel. Bild: Getty Images.

Eine von 19 Voraussagen: Wawrinka holt an den US Open seinen vierten Grand-Slam-Titel. Bild: Getty Images.

Simon Graf@SimonGraf1
René Stauffer@staffsky

1Wawrinka siegt zum zweiten Mal am US Open

Wir haben nicht zu viel versprochen mit unerschrockenen Prognosen: Richtig, der Romand kehrt 2019 nach eineinhalb schwierigen Jahren in den erlauchten Kreis der Grand-Slam-Champions zurück. Wenn er gesund ist, spielt der 33-Jährige um die grossen Titel mit – im Sommer 2017 stand er vor seiner Knieoperation ja noch im Paris-­Final. Inzwischen ist er nach der zähen Rückkehr vom vergangenen Jahr wieder fit, verspürt kaum mehr Schmerzen. Er schloss die letzte Saison frühzeitig ab und arbeitete danach zwei Monate hart. Aber Wawrinka ist ein Diesel, die grossen Resultate kommen noch nicht sofort. Ende August am US Open ist er wieder bereit für Grosstaten.

2Alexis Olympia übertrifft die Million

Die 15-monatige Tochter von ­Serena Williams ist der neue Social-Media-Star des Tennis. Als sie am Hopman-Cup auf dem Schoss des stolzen Vaters einem Punkt ihrer Mutter enthusiastisch applaudierte, ging die Sequenz viral. Auf Instagram hat sie mit über 538 000 Followern bereits ihren Vater überholt, den Gründer der Social-News-Plattform Reddit. Wenn der Hype so weitergeht, übertrifft sie bald die Million. Aktuell ist sie beim Füttern ihrer sozialen Kanäle aber noch ein bisschen auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen.

3Federers 100. Titel wird zum Geduldspiel

So nahe dran – und doch so fern: Die Jagd auf den 100. Titel wird für Federer zur Nervenprobe. Schon im Juni 2018 holte er in ­Halle seinen 98. Pokal, seither ist nur noch einer dazugekommen (in Basel). Weil es mit der Titelverteidigung in Melbourne – seiner ersten Möglichkeit 2019 – nicht klappt, hält das Warten an und die Spannung steigt. Da im März nur grosse Turniere anstehen (Indian Wells und Miami), könnte er das Jubiläum im Februar in Rotterdam und/oder Dubai anstreben.

4Djokovic startet in Melbourne zum Solo

Nachdem Federer 2017/18 mit seinen Titeln 5 und 6 am Australian Open zu Rekordsieger Novak Djokovic aufschloss, legt der Serbe wieder vor. Nach Wimbledon und dem US Open gewinnt er 2019 seinen dritten Grand-Slam-Titel in Folge, den 15. insgesamt. Er bleibt als Nummer 1 zwar unangetastet, ein weiterer Majortitel wird dieses Jahr aber nicht mehr dazukommen (siehe Prognosen 1, 8, 11).

5Bencic erreicht wieder die Top 20

Im Jahr ihres 22. Geburtstags (im März) schafft Belinda Bencic die Rückkehr in die Top 20. Diesen Zirkel hatte sie schon mit zarten 18 Jahren erreicht, als sie bis auf Rang 7 vorstiess. Darauf begann, bedingt durch Verletzungen, Planungsfehler und den Ablösungsprozess von ihrem alten Umfeld, ihr Abstieg, der 2017 bis auf Position 318 führte. Seither hat sie sich gefangen und sich kontinuierlich verbessert. Dank der Rückkehr zu Vater Ivan als Betreuer und der verbesserten Fitness unter Konditionstrainer und Freund Martin Hromkovic geht es weiter aufwärts.

6Scharapowa und Murray treten ab

Der im Mai 32-jährige Schotte Andy Murray findet nach seiner Hüftoperation nicht mehr die körperliche Form, um vorne mitzuspielen, und erklärt unter Tränen seinen Rücktritt. Gefasster als der zweifache Olympiasieger vollzieht Maria Scharapowa diesen Schritt. Die gleichaltrige fünffache Majorturniersiegerin hat den Sprung ganz an die Spitze nach ihrer ­Dopingsperre nicht mehr geschafft und konzentriert sich nun voll auf ihre kommerziellen Aktivitäten.

7Federer spielt ein letztes Mal in Paris

Noch lässt der Maestro seine französischen Tennisfans zappeln. Doch sofern er sich nicht verletzt, wird er ein letztes Mal am French Open antreten. Erstmals seit 2015, als er im Viertelfinal dem späteren Sieger Stan Wawrinka unterlag. Federer richtet seine Planung natürlich nicht auf Paris aus, doch er spielt zwei oder drei Sandturniere, um im Rhythmus zu bleiben. Denn 2018 hatte er nach einer fast dreimonatigen Wettkampfpause Mühe, seine Maschine auf Rasen wieder anzuwerfen.

8Thiem gewinnt das French Open

Es gibt einen neuen Grand-Slam-Sieger in diesem Jahr, aber der heisst nicht Alexander Zverev, sondern Dominic Thiem. Der Österreicher steckt seine ganze Energie in die Sandsaison und hat sich an seinem Lieblingsturnier kontinuierlich gesteigert. Zuletzt scheiterte er in Paris im Halbfinal und ­Final jeweils an Rafael Nadal. Während der Spanier mit körperlichen Problemen kämpft, ist Thiem mit 25 voll im Saft.

9Sabalenka wird Grand-Slam-Siegerin

2018 brachte bei den Frauen drei erstmalige Grand-Slam-Champions hervor: Wozniacki, Halep und Osaka. Letztere zwei werden auch dieses Jahr um die grossen Titel mitspielen, wir werden aber auch wieder eine neue Siegerin sehen: Aryna Sabalenka. Die 20-jährige Powerspielerin aus Minsk hat ­alles, um auf den schnellen Unterlagen zu siegen. Und inzwischen hat sie auch gelernt, nicht mit jedem Schlag den Winner anzustreben. Ihre beste Chance: das US Open.

10Serena Williams macht das 2. Dutzend voll

Der 23. Grand-Slam-Titel von ­Serena Williams liegt nun schon zwei Jahre zurück. Nach ihrem ausgedehnten Mutterschaftsurlaub vergab die 37-Jährige ihre ersten drei Chancen, mit dem 24. Titel zu Rekordsiegerin Margaret Court aufzuschliessen, verlor aber in Wimbledon (Kerber) und am US Open (Osaka) erst im Endspiel. Dieses Jahr klappt es: Mit ihrem 8. Wimbledonsieg egalisiert sie den Rekord der Australierin. «Ich kämpfe weiter, bis mir dieser allein gehört», kündigt sie darauf an.

11Der Wimbledonsieger ist ein Altbekannter

Auch bei den Männern gibt es im All England Club keinen neuen Sieger. Nachdem er 2018 trotz Matchball mit 11:13 im 5. Satz gegen Kevin Anderson im Viertelfinal auf Court 1 ausgeschieden ist, kann sich Federer zum neunten Mal als «King Roger» feiern lassen. Die Gentlemen vom AELTC lassen ihn dieses Jahr wieder alle Partien auf dem Centre Court bestreiten. Als er sagt: «Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr den Titel verteidigen kann», kommt es zu tumultartigen Szenen mit ­Jubel- und Tränenausbrüchen.

12Die jungen Schweizer zeigen sich

Es gibt doch eine Zukunft des Schweizer Männertennis nach ­Federer und Wawrinka. Eine Gruppe Junger hat sich in Position gebracht, um 2019 auf sich aufmerksam zu machen. Dominic Stricker (16) qualifizierte sich fürs Juniorenturnier des Australian Open. ­Jérôme Kym (15) sorgte mit dem Finalvorstoss an den Schweizer Meisterschaften für Aufsehen. Weiter zu beachten: Jeffrey von der Schulenburg und Leandro Riedi (beide 16).

13Hingis kehrt als Mutter ins Tennis zurück

Bald wird Martina Hingis erstmals Mutter, doch das heisst nicht, dass sie sich ganz vom Tennis abwenden wird. Vielmehr glauben wir, dass sie nach dieser Saison die Nachfolgerin von Heinz Günthardt als Fed-Cup-Captain wird. Und falls Not ist, könnte sie gelegentlich ja auch noch im Doppel einspringen. Denn wer ein solches Händchen hat wie sie, bringt es einfach nie mehr weg.

14Der Laver-Cup fasziniert auch Genf

So umstritten der Laver-Cup sportlich und politisch ist, so gross ist auch bei seiner dritten Austragung seine Beliebtheit und Faszination auf die Fans. Wie schon in Prag und Chicago sind die rund 20 000 Tickets in der Genfer ­Palexpo-Halle im Februar in Windeseile ausverkauft, obwohl die billigsten Dauerkarten für alle fünf Sessionen vom 20. bis 22. September 250 Franken kosten. Angeführt von ­Federer und Nadal gewinnt Björn Borgs Team auch das dritte Duell gegen John McEnroes Weltauswahl.

15Boris Becker wird Zverev-Coach

Fast alle glauben, dass Alexander Zverev nach dem Titel am ATP-­Finale nun auch erstmals einen Grand-Slam-Titel erringen wird. Wir nicht. Denn sein Problem ist, dass er noch nicht die Konstanz mitbringt, um siebenmal über drei Gewinnsätze zu siegen. Nach Wimbledon kommt es daher zu einem weiteren Trainerwechsel, zu einem spektakulären: Zverev trennt sich von Ivan Lendl und spannt mit Boris Becker zusammen.

16Federer findet ein neues Ziel: Tokio 2020

Der Schweizer beantwortet die immer drängender werdende Fragerei, ob 2019 sein letztes Jahr auf der Profitour sei. Bei einem Showkampf in Tokio zugunsten seiner Stiftung verkündet er, 2020 hier nun doch auch die Olympischen Spiele bestreiten zu wollen. Es wären seine fünften, nachdem er Rio 2016 auslassen musste. Mit seinem neuen Ausrüster habe das nichts zu tun, erklärt er. «Ich habe in meiner Karriere einfach viel zu selten in Japan gespielt.»

17Gerard Piqué landet auf hartem Boden

2018 krempelte Barcelonas Fussballstar Gerard Piqué zusammen mit dem internationalen Tennisverband und der Investorengruppe Kosmos den Davis-Cup komplett um. Im ersten Jahr leidet das neue Finalturnier mit 18 Nationen in Madrid aber unter dem späten Datum im November, einer Absagenflut prominenter Spieler und anhaltender Kritik am Modus.

18Die Turnierszene in der Schweiz schrumpft

2019 wird zum Rekordjahr, was Profianlässe in der Schweiz betrifft: ATP-Turniere in Genf, Gstaad und Basel, WTA-Turniere in Lugano und Lausanne (das aus Gstaad abgezogen wurde), dazu der Laver-Cup in Genf, Davis-Cup- und Fed-Cup-Partien in Biel… So geht es nicht weiter. Eines der beiden Frauenturniere wird dieses Jahr seine Dernière erleben.

19Grand-Slam-Nationen darben weiter

Der beste Beweis, dass man ­Major-Champions nicht mit Geld produzieren kann, ist die Misere der vier Grand-Slam-Nationen bei den Männern. Seit Andy Murray 2016 Wimbledon gewann, stand kein Vertreter dieser Länder mehr in einem Majorfinal. Der letzte ­Finalist aus den USA war 2009 Andy Roddick in Wimbledon, der letzte aus Frankreich 2008 Jo-Wilfried Tsonga und der letzte aus Australien 2005 Lleyton Hewitt, beide in Melbourne. Sorry, aber diese Durststrecken gehen weiter.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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