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Was wir von Wawrinka lernen können

Das Leben bringt immer wieder Niederlagen, kleine und grosse. Entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen. In dieser Hinsicht kann der Romand ein Vorbild sein.

Der grosse Moment: Stanislas Wawrinka streckt nach dem verwandelten Matchball die Arme in die Höhe. Nun trifft der Lausanner im Halbfinal von New York auf den Serben Novak Djokovic.
Der grosse Moment: Stanislas Wawrinka streckt nach dem verwandelten Matchball die Arme in die Höhe. Nun trifft der Lausanner im Halbfinal von New York auf den Serben Novak Djokovic.
Keystone
Gratulation am Netz: Der unterlegene Andy Murray mit Wawrinka.
Gratulation am Netz: Der unterlegene Andy Murray mit Wawrinka.
Reuters
Zeter und Mordillo: Immer wieder brach der Zorn aus Murray heraus.
Zeter und Mordillo: Immer wieder brach der Zorn aus Murray heraus.
Keystone
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Ich kann mich noch gut erinnern an die Szenerie in der Palexpo-Halle in Genf, Anfang Februar im Davis-Cup. Stanislas Wawrinka hatte zusammen mit Marco Chiudinelli nach grossem Kampf ein siebenstündiges Marathondoppel gegen die Tschechen verloren, stand wieder mit leeren Händen da. Wie schon am Australian Open, als er Novak Djokovic über fünf Stunden gefordert und doch verloren hatte. Wir Journalisten fragten in der obligaten Pressekonferenz bei ihm nach, wie es in ihm drinnen aussehe, so wie es halt unser Job ist. Wawrinka beantwortete ein paar Fragen, hielt plötzlich inne, brach in Tränen aus und stürmte davon. Und wir alle schauten uns nur betroffen an.

Ich fragte mich damals, wie er das wohl verdauen würde. Doch statt sich entmutigen zu lassen, nahm er seine bitteren Niederlagen als Quelle der Inspiration. Vor allem jene gegen Djokovic. Immer wieder redete er davon, dass es ihm Zuversicht gegeben habe, dem weltbesten Spieler ebenbürtig gewesen zu sein. Und bald einmal liess er sich ein Zitat von Samuel Beckett auf den linken Unterarm tätowieren, das zu seinem Mantra wurde: «Immer wieder versucht, immer wieder gescheitert. Egal. Wieder versucht, nochmals gescheitert. Besser gescheitert.»

Wenn man nicht Federer, Nadal, Murray oder Djokovic heisse, müsse man sich als Tennisprofi damit abfinden, fast überall zu verlieren, wo man antrete, erklärte er. Die Kunst sei, aus diesen Niederlagen das Positive mitzunehmen, sich von ihnen nicht herunterziehen zu lassen. Und immer besser zu scheitern, heisst eben nicht nur, dass man immer wieder scheitert. Sondern auch, dass man besser wird. Und besser ist Wawrinka geworden, kontinuierlich, weil er immer weiter an sich arbeitete, sich nicht beirren liess von Rückschlägen.

Von seinem Weg können auch wir etwas lernen. Denn das Leben ist gepflastert mit Niederlagen. Kleineren und grösseren. Sie treffen uns meist nicht mit der Intensität wie einen Einzelsportler Wawrinka auf dem Court, wo er sich stundenlang bis ans Limit fordert. Aber das ist nicht das Entscheidende. Entscheidend ist, was wir aus ihnen machen. Man darf durchaus traurig sein und auch einmal weinen, wenn man gescheitert ist, sich die Dinge nicht so entwickelt haben, wie man sich das erhofft hat. Aber dann gilt es, wieder nach vorne zu blicken, weiter an sich zu glauben, umso entschlossener seine Ziele zu verfolgen.

Wie Wawrinka, der in New York, nur sieben Monate nach jenem prägenden Erlebnis in Genf, mit dem Einzug in seinen ersten Grand-Slam-Halbfinal neue Höhen in seiner Tenniskarriere erreicht hat.

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