Unten ohne

Mehrere Spitzenspieler fehlen verletzt, diverse Gesetzte sind ausgeschieden. An den US Open in New York sind die Perspektiven für Aussenseiter so gut wie lange nicht mehr – vor allem in der unteren Tableauhälfte.

Auf einmal im Fokus: Diego Schwartzman steht in New York im Achtelfinal.

Auf einmal im Fokus: Diego Schwartzman steht in New York im Achtelfinal.

An den 40 Grand-Slam-Turnieren in den vergangenen 10 Jahren verteilten sich die 80 Finalplätze gerade einmal auf 14 verschiedene Spieler. Die Dominanz von Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic, Andy Murray und zuletzt auch Stan Wawrinka ist erdrückend, kaum einer hat die Phalanx durchbrechen können.

Und wenn sich wie nun am US Open nach Absagen von gleich 5 Top-11-Spielern die Gelegenheit bieten würde, will offenbar niemand zugreifen. In der oberen Tableauhälfte scheiterten mit Nick Kyrgios, Grigor Dimitrov und Tomas Berdych drei Akteure mit Aussenseiterchancen früh; neben Nadal und Federer sind aber zumindest Dominic Thiem, Juan Martin Del Potro und David Goffin in Runde 3 vorgestossen.

Ein neuer Finalist

Aber in der unteren Hälfte? Da fällt es ziemlich schwer, Finalkandidaten zu eruieren. Alles schien angerichtet für den deutschen Shootingstar Alexander Zverev, welcher zuletzt in Mont­real triumphiert hatte. In New York jedoch schied er in Runde zwei gegen Borna Coric aus, meinte danach lakonisch, er habe «überragend schlecht gespielt». Am Freitag scheiterte zudem Marin Cilic, als Nummer 7 der Welt war er der bestklassierte und einzige Akteur im zweiten Tableauteil mit Finalerfahrung auf Grand-Slam-Stufe. Der Kroate aber hatte vor dem US Open verletzungsbedingt wochenlang nicht trainieren können.

In den Achtelfinals stehen dagegen Pablo Carreño Busta (ATP 19), Lucas Pouille (20), Cilic-Bezwinger Diego Schwartzman (33), Paolo Lorenzi (40) sowie Denis Shapovalov (67). Es handelt sich zwar nicht um Nobodys, ausserhalb der Szene aber dürften deren Namen den wenigsten geläufig sein. Nach Redaktionsschluss standen die aufschlagstarken Einheimischen John Isner (15) und Sam Querrey (21) im Einsatz; Letzterer hatte zuletzt mit dem Einzug in den Wimbledon-Halbfinal und einem Turniersieg in Mexiko überzeugt. TV-Experte John McEnroe traut Querrey einiges zu. Der 58-Jährige meinte, nun werde sich zeigen, wer unter Druck bestehen könne und aufgrund der günstigen Aussichten nicht «die Hosen vollkriege. So einfach war es wohl nie, einen Final zu erreichen.»

McEnroes Vorschlag

Die ungewöhnliche Konstellation ermöglicht hat vorab Andy Murray. Als Nummer 2 der Welt war der Brite in die untere Hälfte gesetzt worden, zog sich aber wenige Stunden nach der Auslosung wegen Hüftbeschwerden zurück. Hätte er vor der Erstellung des Tableaus abgesagt, würde nun ­Federer in der unteren Hälfte stehen – ergo wäre der Traumfinal gegen Nadal möglich. Murrays Vorgehen ist nach wie vor ein viel diskutiertes Thema, da und dort sorgt es für Kopfschütteln.

Den Zeitpunkt des Entscheids bezeichnete etwa Nadal als «schwierig zu verstehen», es sei komisch, dass er gleich am Morgen danach abgesagt habe. Wie viele Fans ist McEnroe der Meinung, die Verantwortlichen hätten eingreifen und Federer nach unten setzen müssen. «Keine Ahnung, ob das den Regeln entsprochen hätte. Aber alle Probleme wären gelöst und die Leute glücklich.»

Berner Zeitung

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