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Frustrierter Nadal: «Das ist hart zu akzeptieren»

Der Weltranglistenerste gibt gegen Marin Cilic auf und kritisiert die Tourverantwortlichen.

Rafael Nadal muss sich am Australian Open im Viertelfinal zu Beginn des vierten Satzes pflegen lassen.
Rafael Nadal muss sich am Australian Open im Viertelfinal zu Beginn des vierten Satzes pflegen lassen.
Mark Cristino, Keystone

Vor einem Jahr war das Australian Open das Turnier der grossen Comebacks von Roger Federer und Rafael Nadal, die zuvor beide lange pausiert hatten und einen begeisternden Final zeigten. Dieses Jahr hofften andere frühere Grand-Slam-Sieger auf eine ähnlich wundersame Rückkehr, doch einer nach dem anderen scheiterte. Andy Murray (Hüfte) kapitulierte schon vor dem Turnier, Stan Wawrinka überstand nach seiner Knieoperation wenigstens eine Runde, Novak Djokovic scheiterte im Achtelfinal am Koreaner Chung und an seinem rechten Ellbogen, und nun erwischte es Nadal unerwartet früh.

Der Spanier hatte zwar die Saison 2017 fast zu Ende spielen können, ehe er mit einer Knieverletzung in London aufgab. Durch die folgende Zwangspause kam sein Saisonaufbau durcheinander, weshalb er ohne Vorbereitungsturnier ins Australian Open startete. «Ich hatte gedacht, ich wäre bereit», sagte er. Mit einer besseren Vorbereitung wäre ihm das gestrige Malheur aber möglicherweise nicht widerfahren.

Diesmal der Oberschenkel

Der Weltranglistenerste führte gegen Marin Cilic im Viertelfinal 6:3, 3:6, 7:6, als er zu Beginn des vierten Satzes einen Stoppball erlaufen wollte und einen ­stechenden Schmerz im Bereich der rechten Adduktoren spürte. Er liess sich pflegen, spielte humpelnd und mit schmerzverzerrtem Gesicht noch etwas weiter, verlor den Satz 2:6 und gab auf, als er im Entscheidungssatz zum 0:2 ­gebreakt worden war.

Nadal konnte zur Art seiner Verletzung nichts Genaues sagen, das müsse erst abgeklärt werden. «Das sind harte Momente für mich. Und es ist nicht das erste Mal, dass ich so um meine Chance komme, einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Auch hier ist mir das schon geschehen.» Am extremsten 2014, als er im Final gegen Wawrinka an Rückenproblemen litt. «Das ist schon hart zu akzep­tieren, vor allem, nachdem ich einen so harten Dezember hatte», sagte der Mallorquiner. Sein Körper war schon immer verletzungsanfälliger als jene der meisten anderen Spitzenspieler – was ihn ­allerdings nicht daran hinderte, schon 16 Grand-Slam-Titel zu gewinnen.

Roger Federer, der heute (9.30 Uhr) im letzten Viertelfinal auf Tomas Berdych trifft, ist damit der einzige der Big 4, der noch um den Titel kämpfen kann. Cilic, der vergangenes Jahr im Wimbledonfinal selber körperlich geschwächt war (Blase am Fuss), trifft derweil im Halbfinal am Freitag auf den Briten Kyle Edmund, der London-Sieger Grigor Dimitrov eliminierte. Der 23-Jährige hatte zuvor in 14 Anläufen noch ­keinen Top-10-Spieler geschlagen und war an Grand Slams noch nie über die Achtelfinals hinausgekommen.

Cilics erster Sieg seit 2009

Lange hatte auch Cilic warten müssen, bis er gegen Nadal wieder einmal als Sieger vom Platz gehen konnte. Nachdem er 2009 ihre erste Begegnung gewonnen hatte, konnte er in den folgenden fünf Partien nur noch einen Satz gegen ihn gewinnen, 2015 in Basel. Im Moment seines Abgangs beklagte Nadal dann die hohen Anforderungen, die an die Spieler gestellt würden. Die Tourverantwortlichen müssten sich überlegen, weshalb es momentan so viele Verletzte gebe. «Vielleicht sollten sie etwas mehr an die Gesundheit der Spieler denken. Denn es gibt ja auch noch ein Leben nach dem Tennis.» Cilic allerdings stützte diese Kritik nicht. «Es stimmt zwar, dass es zuletzt viele Verletzungen gab. Aber der Turnierkalender ist seit vielen Jahren der gleiche, und es liegt an uns Spielern, ein vernünftiges Programm aufzustellen und auf unsere Körper zu hören.»

Cilic, der am US Open 2014 im Halb­final Federer und im Final Nishikori geschlagen hatte, sprach von einem enorm hochklassigen Spiel. «Ich hatte schon im dritten Satz viele Möglichkeiten. Aber er fand immer wieder einen Weg, sich zu retten. Dann gelang es mir, mich nochmals zu steigern, und darauf schlug ich den Ball unglaublich gut.»

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