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Klare Hierarchie, sanfte Annäherung

Die früheren Beachvolleyballprofis Martin und Paul Laciga bestreiten im Tennis die Interclubmeisterschaft – und hinterlassen auch mit der Filzkugel einen guten Eindruck.

Auf statt im Sand: Paul (links) und Martin Laciga.
Auf statt im Sand: Paul (links) und Martin Laciga.
Stefan Anderegg

Nun spielen sie auf und nicht mehr im Sand. Ihre Beachvolleyballkarriere haben Paul und Martin Laciga längst beendet, um Punkte kämpfen sie mittlerweile im Tennis, in diesen Wochen in der Interclubmeisterschaft. Die beiden Kerzerser sind dabei ­keine Statisten, sie machen eine ordentliche Falle. Martin ist R2-klassiert; er ist die Nummer 457 der Schweiz, hat Akteure aus den Top 150 des nationalen Rankings bezwungen und spielt mit den Jungsenioren (Altersklasse 35+) des TC Murten in der National­liga C. Paul wird als R3 (Nummer 681) geführt, mit den Senioren (45+) des TC Dählhölzli Bern scheint in der NLA gar der Gewinn des Schweizer-Meister-Titels möglich zu sein.

Manch einer in der regionalen Tennisszene staunt ob der Leistungen der mehrfachen Olympiateilnehmer. Wobei es anzumerken gilt, dass die Lacigas schon als ­Jugendliche eifrig trainierten, es sich beim Tennis um ihre erste Leidenschaft handelt. «Im Alter zwischen 8 und 18 war ich ziemlich ambitioniert», sagt Martin, den der Ehrgeiz wieder gepackt hat. Er spielt rund dreimal pro Woche, wobei er die Folgen seiner Karriere spürt.

«Langsam, aber sicher hat der Kopf den Körper im Griff», konstatiert der Familienvater. Will heissen: Er handelt vernünftig, hält die Belastungen in Grenzen. Mit seinem guten Aufschlag und den schnellen Grundschlägen wäre sein Spiel für die Halle prädestiniert. «Aber die harten Beläge sind für meine Knie und den Rücken Gift. Nach einem Turnier kann ich drei Tage lang kaum laufen.»

«Ich bin cooler geworden»

Paul Laciga lacht laut, als er auf die Blessuren seines Bruders angesprochen wird. «Meine Nachwehen sind weitaus grösser, körperlich bin ich auf einem viel schlechteren Niveau.» Viermal hat er sich am Knie operieren lassen müssen, was ihn nicht davon abhält, im Winter Eishockey und im Sommer Tennis zu spielen. Er sei nicht mehr so verbissen wie früher, hält er fest, «ich bin cooler geworden, stehe über der Sache. Etwas mehr Gelassenheit hätte mir wohl auch während der Profikarriere nicht geschadet.» Im Seniorenensemble Dählhölzli, zu dem ein Australier und ein Kolumbianer gehören, ist Laciga Stammkraft, seine Bilanz nach vier Runden makellos.

Stellt sich die Frage, wer im Direktduell die Oberhand behalten würde. «Er ist leider besser», sagt Paul Laciga (46), während der Bruder (42) meint, es habe lange gedauert, bis sich der Altersunterschied von gut vier Jahren nun endlich zu seinen Gunsten auswirke. Die klare Hierarchie führe dazu, dass es ein wenig entspannter zu- und hergeht, wenn sich die beiden auf dem Platz gegenüberstehen. «Früher flogen schon ziemlich die Fetzen», erzählt Paul Laciga.

«Wir klebten nie aneinander»

Die Lacigas haben sich also wieder etwas zu sagen – was in der Vergangenheit nicht immer so war. Zu Aktivzeiten beschimpften sich die Brüder während der Partien oft lautstark, gegen Ende der Partnerschaft schwiegen sie sich primär an. Es wirkte zuweilen ­etwa so, als wären sie von einem Militärgericht dazu verurteilt worden, zusammen zu spielen. «Komplimente waren tabu», meint Martin Laciga, «das wäre ein Zeichen von Schwäche gewesen. Es hätte bedeutet, dass man selber schlechter gespielt hätte.» Er könne sich nicht daran erinnern, dass er mit dem Bruder früher jemals eine Sandburg gebaut habe, ergänzt der 42-Jährige. «Jeder baute seine eigene Burg. Und zerstörte dann die des anderen.»

Die Disharmonie hinderte das Duo nicht daran, die Nummer 1 der Welt zu werden, dreimal an der Europameisterschaft zu triumphieren, WM-Silber zu gewinnen. «Uns vereinte der Siegeswille», sagt Paul Laciga. Der heute selbstständig tätige Vermögensverwalter verpasste einst in Buenos Aires das Flugzeug, weil er in der Wartehalle eingeschlafen war. Martin bestieg die Maschine nach Zürich, bemerkte erst nach der Landung, dass der Bruder nicht an Bord war. «Wir klebten nie aneinander», meint Martin lachend.

Nun ist das Verhältnis etwas entspannter, «wir sind erwachsen geworden», sagt Paul Laciga schmunzelnd, derweil Martin konstatiert, es sei heute kein Geld, kein Druck mehr im Spiel. Ab und zu treffen sich die beiden zu einem Trainingsspielchen, noch in der vergangenen Saison gehörten sie in Kerzers derselben Mannschaft an. Und seit kurzem teilen sie eine weitere Leidenschaft: das Beachtennis. Gespielt wird mit kleineren Schlägern. Auf dem Beachvolleyballfeld. Natürlich im Sand.

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