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Kerber besiegt Williams und die Nervosität

Im Final des Australian Open schlägt Angelique Kerber die grosse Favoritin Serena Williams. Sie ist die erste deutsche Major-Siegerin seit 1999.

Die 28-jährige Deutsche Angelique Kerber hat sensationell das Australian Open gewonnen. Die Aussenseiterin schlug im Final Serena Williams in zwei Stunden und neun Minuten 6:4, 3:6, 6:4. Angelique Kerber, in Polen sesshaft, triumphierte gleich in ihrem ersten Grand-Slam-Final. Sie ist die erste deutsche Siegerin an einem Major-Turnier seit Steffi Graf 1999 am French Open.

Erster grosser Turniersieg: Angelique Kerber schreit ihre Freude heraus. (30. Januar 2016)
Erster grosser Turniersieg: Angelique Kerber schreit ihre Freude heraus. (30. Januar 2016)
Rick Rycroft, Keystone
Angelique Kerber kann ihr Glück kaum fassen: Zum ersten Mal gewinnt sie ein Grand-Slam-Turnier.
Angelique Kerber kann ihr Glück kaum fassen: Zum ersten Mal gewinnt sie ein Grand-Slam-Turnier.
Rick Rycroft), Keystone
Am Ende realisiert Angelique Kerber (r.) ihren ersten Grand-Slam-Titel, derweil Verliererin Serena Williams ihren 22.Grand-Slam-Turniersieg deutlich verpasst.
Am Ende realisiert Angelique Kerber (r.) ihren ersten Grand-Slam-Titel, derweil Verliererin Serena Williams ihren 22.Grand-Slam-Turniersieg deutlich verpasst.
Rick Rycroft, Keystone
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Die Weltranglistensechste qualifizierte sich mit fünf Siegen gegen ungesetzte Spielerinnen plus einem Viertelfinalerfolg über Viktoria Asarenka (WTA 14) für den Final. Im Erstrundenspiel gegen die Japanerin Misaki Doi hatte sie einen Matchball abwehren müssen (6:7, 7:6, 6:3). Dank ihrem ersten grossen Turniersieg verbessert sich Kerber in der Weltrangliste auf den zweiten Platz.

Kerber blieb standhaft

Kerber schaffte, was zuvor Maria Scharapowa (WTA 5) im Viertelfinal und Agnieszka Radwanska (WTA 2) im Halbfinal nicht geschafft hatten: Sie liess sich vom druckvollen Spiel Serena Williams nicht erdrücken. Weil die Deutsche die Ballwechsel immer wieder in die Länge ziehen konnte, unterliefen Williams enorm viele Fehler. Ausserdem war die 34-jährige Amerikanerin diesmal nicht in der Lage, sich mit dem Aufschlag aus heiklen Situationen zu befreien. Serena Williams unterliefen fast so viele Doppelfehler (6) wie Asse (7); zwei alleine im sechsten Game des dritten Satzes, in dem Kerber mit einem Break 4:2 in Führung ging. Kerber führte sogar 5:2, ehe Serena Williams nochmals auf 4:5 verkürzte, ehe Kerber mit ihrem ersten Matchball die Partie beenden konnte.

«Angie, Du bist der Tennis-Wahnsinn!», titelte «bild.de» nach dem Sieg. Auch die Siegerin konnte ihr Glück kaum fassen: «Mein Traum ist heute wahr geworden. Ich bin Grand-Slam-Champion! Das klingt verrückt! Danke an mein Team, danke an meine Familie», sagte eine vor Freude weinende Kerber nach dem Spiel.

Williams zeigte sich nach der Niederlage als faire Verliererin: «Gratulation! Du hast toll gespielt, du bist die verdiente Siegerin!» Kerber solle den Moment geniessen. Das habe sie auch getan, sagte Kerber später an der Pressekonferenz. Sie habe jede Sekunde genossen, vom Augenblick an als sie auf den Platz getreten sei. Und sie zollte Serena Williams Respekt, die in der Niederlage Grösse zeigte.

Mit Steffi Grafs Hilfe zum Sieg

Dank Angelique Kerber darf Steffi Graf ihren Grand-Slam-Rekord in der Profi-Ära (22 Titel) noch mindestens weitere fünf Monate lang alleine halten. Serena Williams hätte mit einem siebten Triumph in Melbourne zu Graf aufschliessen können.

Steffi Graf, die 1994 in Melbourne als bisher letzte Deutsche den Titel geholt hatte, unterstützte Kerber in den letzten Monaten. Nach einer enttäuschenden 2014-Saison besuchte Kerber letzten April Steffi Graf in Las Vegas. Die beiden Deutschen trainierten zusammen. Steffi Graf verhalf Kerber so auch zurück Richtung Weltspitze. Vor dem Final hatte die «Gräfin» Angelique Kerber aufmunternde SMS geschickt.

Und nach dem Sieg im Halbfinal? «Steffi, bitte schreib' mir!», rief Kerber noch auf dem Platz Richtung Graf. Und sie wurde erhört: «Steffi hat wirklich geschrieben», sagte Kerber später in der Pressekonferenz und holte strahlend ihr Handy aus der Tasche und las vor: «Ich gratuliere dir. Ich freue mich riesig. Lieben Gruss aus Las Vegas». Grafs SMS war für Kerber das Tüpfelchen auf dem i.

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