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Läuterung im Dschungelcamp?

Nach dem TV-Abenteuer verspürt Tennisprofi Bernard Tomic wieder Lust auf seinen Beruf. Wie lange seine Motivation anhält, ist allerdings fraglich.

Neustart: Bernard Tomic will seine Karriere noch einmal lancieren.
Neustart: Bernard Tomic will seine Karriere noch einmal lancieren.

Er kam als Tennisflegel ins Dschungelcamp, als unbelehrbarer Talentverschwender, der höchstens noch Schlagzeilen generierte, wenn er sich wieder einmal unflätig benommen hatte. Er ging als geläuterter Mann, der wieder Lust auf eine sportliche Karriere verspürt. Zumindest vermittelte Bernard Tomic diesen Eindruck.

Der Australier erzürnt seit Jahren Fans, Umfeld, Landsleute und Berufskollegen. Auch in den vergangenen Monaten leistete er sich einige Verfehlungen. Nach seinem Erstrunden-Out in Wimbledon erklärte Tomic, er habe sich auf dem Court gelangweilt. Trophäen zu gewinnen, bedeute ihm längst nichts mehr. Als er jüngst in der Qualifikation des Australian Open scheiterte, sagte er, er gehe nun seine Millionen zählen. Immerhin: Unehrlichkeit kann ihm niemand vorwerfen.

Viel Reue, keine Kindheit

Die Suche nach einer Beschäftigung, die den lustlosen Zeitgenossen wenigstens vorübergehend erfüllen sollte, brachte ihn in den Krüger-Nationalpark. Zusammen mit anderen Prominenten liess sich Tomic für die australische Version des Dschungelcamps in die südafrikanische Wildnis verfrachten. Um zu beweisen, dass er doch eigentlich ein «normaler und ziemlich cooler Kerl» sei, von dem die Leute ein falsches Bild hätten.

Im TV-Format, das viel Raum für Selbstreflexion und persönliche Gespräche bietet, formulierte Tomic einige überraschende Sätze. Die fehlende Motivation erklärte er damit, dass er seit seinem achten Lebensjahr kein Leben neben dem Tennis gehabt habe. Drastischer ausgedrückt: «Ich hatte keine Kindheit.» Was viel mit seinem überehrgeizigen Vater John zu tun hat, der zu Gewalt neigt und einst einem Sparringspartner seines Sohnes das Nasenbein brach. Tomic sagte auch: «Ich bereue 80 Prozent von dem, was ich getan habe.» Die Aussage mit dem Millionenzählen fällt in diese Kategorie.

Depression statt Hochgefühl

Die Langeweile im Dschungel setzte dem 25-Jährigen schon bald zu. Er hatte gehofft, das Campieren und die neuen Leute würden ihn «glücklich machen und verändern». Stattdessen fiel er in ein Loch. «Ich bin den halben Tag deprimiert. Ich will nicht ständig darüber nachdenken, wie ich im letzten Jahr gespielt habe und wo ich eigentlich stehen sollte», gestand der in der Weltrangliste auf Platz 168 Gefallene vor laufender Kamera. Er versicherte: «Jetzt werde ich mich wieder auf meine Karriere konzentrieren. Ich werde versuchen, mehr zu spielen und das zu tun, was ich am besten kann.»

Also blieb ihm nur eine Option: Er verliess das Camp. Gereift und geläutert. Diesen Anschein erweckte er jedenfalls. Und doch muss eine Frage erlaubt sein: Wie lange dauert es, bis Bernard Tomic die Lust an seinem Beruf erneut vergeht? Im Dschungel hielt er es drei Tage aus.

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