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«Ich erwarte, dass sich viele bei Federer entschuldigen»

Marc Rosset war einer der Ersten, die Roger Federer nach dessen Final-Niederlage in Wimbledon trösteten. Der frühere Top-10-Spieler spricht von einem hervorragenden Final und wird ziemlich kategorisch.

Widmet seinen Sieg seiner zukünftigen Frau und dem ungeborenen Baby: Novak Djokovic.
Widmet seinen Sieg seiner zukünftigen Frau und dem ungeborenen Baby: Novak Djokovic.
AFP
Geht zu Boden nach dem Sieg: Der Serbe Novak Djokovic.
Geht zu Boden nach dem Sieg: Der Serbe Novak Djokovic.
Reuters
Opium fürs Volk: Wer sich keinen Platz im Stadion leisten konnte, verfolgte den Final vom Henman Hill aus.
Opium fürs Volk: Wer sich keinen Platz im Stadion leisten konnte, verfolgte den Final vom Henman Hill aus.
Keystone
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Welche Eindrücke nehmen Sie von diesem Wimbledonfinal mit? Ich erwarte, dass sich nun viele bei Federer entschuldigen, speziell Medienleute. All jene, die behaupteten, er könnte nichts mehr gewinnen, er sollte aufhören. Und heute fehlten ihm zwei, drei Punkte, um Wimbledonsieger zu werden. Man muss Tennisspieler kennen. Wenn einer verletzt ist und nicht trainieren kann und das Vertrauen verliert, braucht es Zeit, um wieder in Bestform zu kommen. Die Unterschiede sind sehr klein zwischen einem Sieg und einer Niederlage. Mir macht es Spass, ihn wieder so stark zu sehen, denn ich war es müde, ewig die Frage zu beantworten: Es ist fertig, es ist fertig, er soll aufhören. Natürlich hat er nicht gewonnen. Gut. Klar. Alle wollen gewinnen.

Wie stufen Sie die Qualität der Begegnung ein? Einen Final auf diesem Niveau auf Rasen zu sehen ist gewaltig. Das Level des Spiels von Djokovic kennt man, er hat schon Unglaubliches gezeigt, er ist teilweise unspielbar. Aber was er lange nicht mehr schaffte, war diese Kontinuität zu finden. Ich muss ehrlich sein, mea culpa: Ich hatte gedacht, Roger würde in drei oder vier Sätzen gewinnen, nach allem, was ich im Halbfinal gesehen hatte, in dem Djokovic viele Tiefs gehabt hatte. Heute hingegen war er permanent stark, von Anfang bis Ende, mit einer Qualität der ersten Aufschläge, wie ich es noch selten gesehen habe. Abgesehen von einer kurzen Passage bei 5:5 im vierten Satz, als er kurz die Kontrolle verlor.

Waren Sie überrascht, dass er danach wieder zurück ins Spiel fand? Ja. Neun von zehn Spielern hätten den Match verloren, wenn sie wie er den vierten Satz trotz eines 5:2 und eines Matchballs abgegeben hätten. Doch er schaffte es, zurückzukommen, sich neu zu konzentrieren, wieder in Führung zu gehen. Er hat den Match nicht einmal gewonnen, sondern dreimal, viermal. Wie wenn du den Gegner zu Boden bringst, und der immer wieder aufsteht. Das war stark von Roger, wie er alle Risiken einging, um bei 2:5 zurückzukommen.

Muss sich Federer etwas vorwerfen? Nein. Vier, fünf Punkte machen in einer solchen Partie den Unterschied, und wenn die nicht für dich laufen, verlierst du. Was ich gut fand an Roger war, dass er extrem aggressiv war, chip and charge spielte, Risiken einging. Dabei spielte er gegen den besten Konterspieler auf diesem Belag. Für mich ist Djokovic stärker auf Rasen als Nadal. Und ich habe ihn seit einem Jahr nicht mehr auf diesem Niveau spielen sehen, während vier Stunden so konstant, abgesehen von jenen zehn Minuten. Ein solcher Final muss einfach Freude machen. Wenn alle Partien so wären, wäre das wunderbar.

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