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«Ich bin stolz, wie ich mit dem Druck umging»

Stanislas Wawrinka spricht nach dem US-Open-Coup gegen Andy Murray über sein neues Selbstvertrauen, den Schlüsselmoment der Partie und eine Nachricht von Roger Federer.

Das war eine grossartige Vorstellung, wie fühlen Sie sich? Ich fühle mich grossartig, das ist klar. Es ist aufregend für mich, erstmals in einem Grand-Slam-Halbfinal zu stehen. Erst recht nach einem Sieg über Andy Murray, den Titelverteidiger. Er hat gerade erst Wimbledon gewonnen und ist ein grosser Champion.

Worauf sind Sie am meisten stolz? Auf meinen Umgang mit dem Druck in diesem Match. Gewöhnlich kann mich die Nervosität ein paar Games kosten, aber diesmal war ich total auf mein Spiel fokussiert. Mein Plan war es, Andy nach hinten zu drücken und aggressiv zu sein, da ich weiss, dass er manchmal ein wenig zu defensiv agiert. Ich mag es, wenn er weit hinter der Grundlinie steht. Das habe ich erreicht.

Das ist Ihr Moment. Wie fühlt er sich an? Wie ist es, auf einem solchen Level zu spielen und aus dem gleichen Land zu kommen wie die Legende Roger Federer? Sicher, das ist mein Moment. Danke. Ich geniesse ihn. Es ist auch nicht so, dass Roger mir meine Karriere verdorben hätte. Ich bin wirklich dankbar, dass es ihn gibt. Er hat mir sehr geholfen, als ich neu auf der Tour war.

Sie wirkten, als könnten Sie in diesem Spiel nichts falsch machen. Haben Sie sich auch so gefühlt? Nicht wirklich. Man weiss ja nie. Ein Match kann schnell drehen. Ich denke aber, dass ich schon vorher angefangen habe, besser zu spielen und die Kontrolle über meine Partien zu haben.

Haben Sie schon einmal einen Top-10-Spieler geschlagen, ohne ihm eine einzige Breakchance zuzugestehen? Ich denke nicht. Vor allem nicht Andy Murray, der beim Return einer der Allerbesten ist.

Wie erklären Sie es sich, dass Sie das geschafft haben? Damit, dass mein Tennis im Moment ziemlich stark ist. Und heute habe ich beim Aufschlag gut variiert, viel Serve-and-Volley eingebaut. Auch nach dem zweiten Service habe ich sehr aggressiv agiert.

Sie haben erwähnt, wie wichtig Roger Federer früher für Sie war. Hatten Sie jetzt schon Kontakt mit ihm? Ja, er hat mir direkt nach dem Match eine Nachricht geschrieben.

Was hat er geschrieben? Private Dinge, das möchten Sie nicht wissen.

Hat er Ihnen einen Rat gegeben? Er hat mir gratuliert.

Wenn Sie Ihre Saison betrachten: Wie wichtig war der Match gegen Djokovic in Australien? Ich habe schon mehrmals gesagt, dass dies einer der Schlüssel war. Es war ein harter Moment, aber am Ende eine positive Erfahrung, weil ich zuvor noch nie so gut gespielt hatte.

Erklärt die Zusammenarbeit mit Magnus Norman Ihren Erfolg und den Schritt vorwärts, den Sie gemacht haben? Wir arbeiten sehr gut zusammen. Er ist ein ausgezeichneter Coach. Ganz offensichtlich. Ich bin sehr glücklich mit ihm. Ich denke, wir haben seit dem Beginn unserer Zusammenarbeit im April hervorragende Resultate erzielt. Er kennt das Tennis sehr genau. Er ist ein toller Typ und war auch ein erstklassiger Spieler. Alles ist so sehr einfach für mich. Er hat natürlich ein paar Dinge verändert, aber ich werde nicht verraten, was genau.

Können Sie etwas über Ihre starke Backhand sagen? Auf jeden Fall bin ich mit der Rückhand sehr zufrieden. Sie ist einer meiner besten Schläge. Beim Return ist es manchmal aber nicht leicht mit der einhändigen Backhand, vor allem nicht gegen Rafael Nadal auf Sand. Ich habe als Elfjähriger umgestellt, da meine zweihändige Rückhand nicht gut genug war.

Sie haben ein Tattoo. Warum haben Sie sich für den Spruch entschieden – und was bedeutet er Ihnen? Er drückt meine Sicht auf den Beruf und das Leben im Allgemeinen aus. Im Tennis gewinnt man nicht so viele Turniere, wenn man nicht Federer, Nadal, Djokovic oder Murray heisst. Deshalb muss man das Positive aus den Niederlagen ziehen und es wieder versuchen. Wenn einen eine Niederlage umbringt, ist es schwer, Tennis zu spielen. So einfach ist das.

Ist es schon die halbe Miete, wenn man gegen die Topspieler fest an sich glaubt? Ja, ich glaube jetzt viel mehr an mich, und mein Tennis ist auch besser. Ich habe seit Anfang Jahr grosses Selbstvertrauen, das hilft mir natürlich. So bleibe ich fokussiert und muss nicht zu sehr über das Resultat nachdenken.

War das zehnte Game entscheidend? Ja, absolut. Der erste Satz war ziemlich merkwürdig. Ich denke nicht, dass wir besonders gut gespielt haben. Wir waren beide beim Return etwas zögerlich. Dass ich Andy in jenem zehnten Game trotzdem breaken konnte, war sehr wichtig. Vor allem, um mental entspannter zu sein. Danach habe ich viel aggressiver agiert.

(Bearbeitung: Alexander Kühn)

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