«Meine Reaktion steht hier, auf diesem Blatt»

Roger Federer versetzte Wimbledon mit einem Fehlstart in Alarmbereitschaft. Nur er selber blieb ruhig.

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René Stauffer@staffsky

«Wir waren geschockt. Roger sah platt aus, menschlich.» Wie John McEnroe ging es in Wimbledon an diesem Dienstag vielen. Auf dem Centre Court spielte sich aber auch Ungewöhnliches ab: Roger Federer verlor gegen den krassen Aussenseiter Lloyd Harris (ATP 86) schon sein drittes Aufschlagspiel, und nach nur 28 Minuten hatte er den ersten Satz der ersten Runde abgegeben, als achtfacher Sieger und zweiter Favorit nach Novak Djokovic.

Zum letzten Mal war er in einer Startrunde von Wimbledon vor sieben Jahren gebreakt worden (von Albert Ramos-Vinolas), und einen Satzverlust hatte er in dieser Runde letztmals 2010 hinnehmen müssen. Damals musste er gegen Alejandro Falla sogar einen 0:2-Satzrückstand hinnehmen, gewann aber 5:7, 4:6, 6:4, 7:6, 6:0.

Federers souveräne Reaktion

Gegen den 22-jährigen Harris korrigierte er den Fehlstart aber viel souveräner. Den zweiten Satz gewann er in 22 Minuten, und nach 1:51 stand er mit einem 3:6, 6:1, 6:2, 6:2 in der zweiten Runde. Dort trifft er mit dem 20-jährigen Engländer Jay Clarke erneut auf einen Aussenseiter. Die Nummer 169 hatte eine Wildcard erhalten und schlug in der 1. Runde etwas überraschend den Amerikaner Noah Rubin.

Wie er den Satzverlust wegstecken konnte, erklärte Federer mit Genugtuung. «Meine Reaktion steht hier, auf diesem Blatt», sagte er, während er vor sich auf dem Interviewpult die Matchstatistik betrachtete. «Ich hatte keine Panik, sonst wäre diese nicht gekommen. Und meine Reaktion gefiel mir. Ich sagte mir mit Selbstvertrauen: Ich habe mehrere Möglichkeiten, eine Partie zu gewinnen, ich habe noch andere Tricks auf Lager. Und deshalb gibt es auch keinen Grund, in Panik zu verfallen. Einen Startsatz kann man immer einmal verlieren, wenn man langsam beginnt oder sich etwas kalt fühlt, wenn die Beine nicht richtig wollen.»

Geholfen habe ihm auch seine grosse Erfahrung: «Ich wusste, dass der Weg noch weit war für ihn, dass ich mich mit der Zeit besser bewegen und sein Spiel besser lesen würde. Und auch, dass es schnell gehen kann, wenn die Partie sich einmal zu wenden beginnt. Aber ich musste diese Differenz auch suchen und ausmachen, die kam nicht von alleine.» Er gab gegenüber Schweizer Journalisten aber zu: «Der Druck war sicher erhöht, und der Puls auch, bis zum 3:6, 1:1. Aber zum Glück kam es gut heraus.»

«Fühlte mich langsam wie eine Schnecke»

Besonders nervös sei er vor der Partie nicht gewesen, sagte Federer. «Es war eine Kombination von verschiedenen Dingen. Die ersten zwei, drei Matches in Wimbledon sind immer ungewohnt, weil die Plätze so anders sind als anderswo. Ich fühlte mich langsam wie eine Schnecke, hatte keine Durchschlagskraft. Und er retournierte gut, weshalb ich in den ersten zwei Sätzen auch kein Ass schlug, obwohl ich nicht einmal schlecht servierte.» Der Belag in Wimbledon fühle sich dieses Jahr speziell langsam an, «dazu sind auch die Bälle nicht besonders lebendig.» Am Schluss waren ihm aber doch neun Asse gelungen.

Gross beunruhigen kann ihn der verlorene Startsatz also nicht. Er ist nun im Turnier drin, und die erste Runde ist an Grand-Slam-Turnieren oft die tückischste. Das mussten dieses Jahr in Wimbledon bereits die Top-10-Spieler Zverev, Tstitsipas und Thiem erfahren, die alle bereits ausgeschieden sind.

Resultate und News zum Turnier in Wimbledon finden Sie im Liveticker.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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