Federer reisst New Yorker von den Sitzen

Roger Federer erreicht am US Open mit einem Dreisatzsieg über Nick Kyrgios den Achtelfinal und begeistert das Publikum mit Traumschlägen.

Federers Zauberschlag: Die Zuschauer am US Open sind begeistert. Video: SRF
Adrian Ruch

Roger Federer schlägt am US Open Nick Kyrgios 6:4, 6:1, 7:5. Die Partie ist, nachdem der Schweizer den ersten Satz eher entgegen dem Spielverlauf gewonnen hat, einseitig, aber deswegen nicht weniger unterhaltend. Im zweiten Satz düpiert Federer den 23-Jährigen mehrmals mit brillanten Stoppbällen. Da will der Australier, bekannt für seine unorthodoxe Spielweise, nicht zurückstehen; also packt er selber den Zauberstab aus.

Zum Höhepunkt des Matches wird das siebte Game im dritten Satz: Der Baselbieter schlägt die Kugel mit einem unterschnittenen Vorhandreturn relativ kurz zurück, Kyrgios kontert mit einem noch kürzeren Vorhand-Cross-Schlag – der Ballwechsel scheint entschieden. Doch Federer sprintet mit fünf rasanten Schritten schräg nach vorne, trifft den Ball wenige Zentimeter oberhalb des Bodens und befördert ihn am Netzpfosten vobei für den perplexen Widersacher unerreichbar ins Feld. Die Zuschauer im grössten Tennisstadion der Welt springen vor ihren Sitzen, Kyrgios muss genau wie Federer selber schmunzeln.

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Er sei fast an den Punkt gekommen, in dem er Federer habe zwingen wollen, solche Schläge zu zeigen, sollte Kyrgios später erzählen. «Ich war ziemlich glücklich mit mir.» Noch im selben Game glänzt auch der Aussenseiter mit Punkten, welche für Begeisterung sorgten. Einmal reüssierte er mit einer Stopp-Lob-Volleystopp-Kombination, kurz darauf mit einem fantastischen Halbvolley-Stoppball. Beim Seitenwechsel ruft Kyrgios Federer respektvoll zu: «Das war wahrscheinlich der beste Schlag, den ich je gesehen habe.»

«Ich werde den Punkt wohl auf Instagram posten»

Nach dem Match sagt Kyrgios: «Es war unglaublich, ich werde den Punkt wohl auf Instagram posten.» Der Rechtshänder aus Canberra hat den Humor nicht verloren, jedenfalls erzählt er schmunzelnd: «Roger ist eine Ausnahme. Gelänge jemandem anderen solche Schläge gegen mich, wäre ich wohl nicht zufrieden. Doch es war Roger, also war ich ziemlich glücklich.»

Der Schweizer erklärt, es sei definitiv ein einzigartiger Schlag gewesen. «Denn du hast selten die Möglichkeit, um das Netz herum zu spielen. Und dann kannst du diesen Schlag nicht trainieren, denn meistens hat es wegen des Doppels ein breiteres Netz oder dir fehlt der Platz, du müsstest in den Zaun rennen.» Doch behaupten, es sei sein bester Schlag überhaupt gewesen, will er dann doch nicht. Federer erwähnt als weitere Highlights seinen Kontersmash in Basel gegen Andy Roddick (2002), seinen unglaublichen Rückhand-Lob gegen Andrew Agassi in Dubai (2005) und den Tweener gegen Novak Djokovic in New York (2009).

Federer gegen Roddick. (Video: Youtube/Semiwesternclothing)

Federer gegen Agassi in Dubai. (Video: Dailymotion)

Federer gegen Djokovic. (Video: Youtube/Penabaza)

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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