Eine Niederlage für Federer – mehr nicht

Der achtfache Sieger ist in Wimbledon überraschend gescheitert. Das gehört zum Sport und wird seine Motivation nicht schmälern. Im Gegenteil.

Ein durchschnittlicher Tag: Roger Federer ist in Wimbledon ausgeschieden.

Ein durchschnittlicher Tag: Roger Federer ist in Wimbledon ausgeschieden. Bild: Ben Curtis/Keystone

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Und plötzlich war es vorbei. Ein krachender Aufschlag Andersons durch die Mitte, Federer kam nur noch knapp an den Ball heran, und sein Return segelte ins Aus. Einen Satz hatte man dem südafrikanischen Hünen im Viertelfinal gegen achtfachen Sieger zugetraut, maximal. Doch dann steigerte sich Anderson gegen Federer nach einem verhaltenen Start in einen Spielrausch, rang er ihn nach einem 0:2-Satzrückstand und einem Matchball gegen ihn noch nieder, mit 13:11 im fünften Durchgang.

Der Schweizer hat an der Stätte seiner grössten Erfolge schon so viele denkwürdige Spiele gewonnen, doch zehn Jahre nach dem epischen Final gegen Rafael Nadal musste er hier wieder eine bittere Niederlage einstecken. Fast alle hatten von ihm den Titel erwartet, er bestimmt auch. Und dass er so locker durch die ersten eineinhalb Wochen gesegelt war, verstärkte diesen Eindruck noch. Vor dem Anderson-Match hatte Federer in Wimbledon 32 Sätze in Serie gewonnen. Doch gegen den Südafrikaner zeigte sich wieder einmal, wie gering die Differenzen auf diesem Niveau sind, wie viel ein nur ganz geringes Nachlassen bewirken kann.

Mit dem Frack im Strassenkampf

Federer dominierte seinen Gegner anfangs, doch als er ihn ins Spiel gelassen hatte, konnte er die Kontrolle nicht mehr an sich reissen. Es war, als ob er mit einem Frack an eine Gala aufgebrochen war, dann in einer dunklen Gasse in einen Strassenkampf verwickelt wurde und so überrascht war, dass er nicht mehr reagieren konnte. Er schaffte es nicht mehr, seine überlegenen spielerischen Möglichkeiten so einzusetzen, um Anderson in seinem wuchtigen Spiel zu stören.

Federer sprach von einem «durchschnittlichen Tag». Gegen die meisten Gegner wäre er trotzdem durchgekommen. Nicht aber gegen Anderson, der seit dem US Open 2017 (Finaleinzug) gemerkt hat, wie gut er spielen kann. Weil es Wimbledon ist, das ihm so viel bedeutet, wird Federer länger brauchen als anderswo, um diese Niederlage zu verdauen. Sie ist ein Rückschlag, aber sie wirft keine grundsätzlichen Fragen auf. Er ist körperlich fit, auch spielerisch ist alles in Ordnung. Er hatte einfach einen durchschnittlichen Tag. Das kann allen passieren. Selbst ihm, dem König von Wimbledon.

Er wird 2019 zurück sein

Sein überraschendes Scheitern ist also kein Indiz dafür, dass bei ihm etwas im Argen ist. Es unterstreicht vielmehr, wie erstaunlich seine Erfolgsgeschichte seit seinem Comeback Anfang 2017 ist, mit drei Grand-Slam-Titeln und der Rückkehr zur Nummer 1. Federers Motiviation wird dieser Dämpfer keinen Abbruch tun. Der bald 37-Jährige wird alles unternehmen, um weitere grosse Erfolge zu feiern. Und nur, damit es festgehalten ist: Er wird 2019 zurück sein im All England Club, um seinen Thron zurückzuerobern.

Erstellt: 11.07.2018, 20:30 Uhr

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