Eine Ansage an die Konkurrenz

Roger Federer nimmt noch einmal eine Mutation im Trainerstaff vor. Mit der Verpflichtung des Kroaten Ivan Ljubicic zeigt Federer der Konkurrenz, dass er noch immer hungrig ist.

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Die Ankündigung Federers in der Nacht auf Mittwoch kam zeitlich unerwartet und auch von den Resultaten her hatte sich kein Wechsel aufgedrängt. Im Gegenteil: Federer hatte 2014 unter der Ägide von Severin Lüthi und Edberg ein enorm konstantes Jahr mit sechs Turniersiegen absolviert. Zur Krönung fehlte einzig ein Sieg in einem der drei grossen Endspiele gegen Novak Djokovic (Wimbledon, US Open, ATP World Tour Finals).

Edbergs Einfluss war auch spielerisch unverkennbar gewesen. Der Baselbieter ging 2015 so oft ans Netz wie noch nie in seiner Laufbahn und erinnerte punkto Konsequenz und Erfolgsquote an den Serve-and-Volley-König aus Västervik. Teilweise übertraf er diesen sogar, vor allem mit der Erfindung des ballistisch fast unmöglichen SABR, des Halbvolley-Returns in der Nähe der Servicelinie. Die Lust an Neuem lebte er in den letzten beiden Jahren extensiv aus.

Der Schwede war in diesem Jahr weniger bei Federers Turniereinsätzen dabei als noch bei Beginn ihrer Zusammenarbeit 2013. Sein Wunsch, wieder vermehrt Zeit zu Hause zu verbringen, korrespondierte nicht vollständig mit den Anforderungen der heutigen Tour und den Bedürfnissen Federers. So unerwartet der Moment der Trennung kam, so logisch ist sie deshalb auch.

Der «sanfte Riese»

Ivan Ljubicic ist viel stärker ins heutige Tennis involviert als Edberg. Der ehemalige Weltranglistendritte war 2008 Präsident des Spielerrates und damit Vorgänger Federers. In den letzten Jahren unternahm er den nicht einfachen Versuch, das monothematische Tennis des kanadischen Servicespezialisten Milos Raonic auf ein anderes Niveau zu führen. Einen respektablen Teil seines Wissens hat er sich in der jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit dem filigranen italienischen Strategen Riccardo Piatti erworben.

Ljubicic ist zudem mit der grössten Herausforderung bestens vertraut, die Federer heute auf der Tour vor allem in Partien über drei Gewinnsätze kennt. Er kennt Djokovics Spiel in- und auswendig. Der Serbe wird sich in der Zwischensaison seine Gedanken zur neuen Konstellation machen. Generell kann Ljubicic zur Bereicherung für das eingespielte Team werden: Der «sanfte Riese» ist kommunikativ, mit pointierten Meinungen, verfügt über ein enormes Netzwerk und scheut sich auch nicht, seine Meinung offen kundzutun. Unvergessen bleibt ein Disput, den er sich einst am US Open mit Andy Roddick lieferte.

Falls der auch taktisch versierte Ljubicic wieder ein paar zusätzliche Inputs liefern, einen neuen Blickwinkel einbringen und so das eingespielte Team um Lüthi verstärken kann, so wie dies Edberg tat, ist das Ziel erreicht. Und davon ist auszugehen. Direkte Folge davon wäre ein noch erfolgreicherer Federer. So oder so hat dieser aber mit der Verpflichtung eines der profiliertesten Experten angekündigt, dass er nicht daran denkt nachzulassen: noch lange nicht.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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