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Eine 12-Jährige ist McEnroes Wiedergeburt

Amerikas Tennis-Legende John McEnroe sieht in der Schülerin Ingrid Neel seine weibliche Entsprechung und eine kommende Grand-Slam-Siegerin.

Vom Bösewicht zum Jugendförderer: John McEnroe.
Vom Bösewicht zum Jugendförderer: John McEnroe.
Keystone

Ingrid Neel ist das, was dem Frauen-Tennis derzeit fehlt: eine Spielerin mit Ideen, viel Ballgefühl und dem Mut, ans Netz zu stürmen. Schon bei ihrem ersten Training mit John McEnroe im vergangenen Oktober überraschte die 12-Jährige den früheren Weltranglistenersten mit einem Stoppball à la Martina Hingis und einem Lob in den hintersten Winkel des Feldes. Diese Respektlosigkeit gefällt McEnroe. «Wenn ich sehe, wie Ingrid spielt und blickt, sehe ich in ihr den jungen John McEnroe, einfach als Mädchen», sagte er der «New York Times».

McEnroe glaubt, dass das gleichförmige Power-Tennis von der Grundlinie, das in den Akademien in Florida gepredigt wird, dem Sport schadet. Er will seinen Eleven und Elevinnen einen spielerischen Zugang zum Tennis vermitteln und ihre Kreativität fördern. Wer in seiner New Yorker Tennisschule trainiert, soll nicht ständig auf dem Platz stehen, dann aber mit ganzem Herzen zu Werke gehen. McEnroe ermuntert die jungen Juniorinnen und Junioren auch, neben dem Tennis andere Hobbys auszuprobieren. Ingrid Neel etwa spielt in ihrer Freizeit gerne Geige und Eishockey.

Wegen fehlender Konkurrenz spielt Ingrid gegen Jungen

Dem grossen John McEnroe begegnet das Mädchen trotz aller Bewunderung ohne Hemmungen. «Ich muss immer lachen, wenn er ans Netz geht, weil er diesen kleinen Hopser macht. Ich liebe aber seinen Spielstil, da die Netzangriffe in meinen Augen das Beste am Tennis sind», sagt sie. Bei ihren Gegnerinnen sorge ihr angriffiges Tennis für Verwunderung: «Die meisten sind darauf gar nicht vorbereitet, weil sie es sonst nie zu sehen bekommen.»

Im Bundesstaat Minnesota, wo Ingrid Neel mit ihren Eltern lebt, hat das Ausnahmetalent bei Jugendturnieren keine ernsthaften Gegnerinnen mehr. Selbst die 18-Jährigen sind ihr nicht gewachsen, deshalb misst sie sich nun mit männlichen Rivalen. Eine ständige Zusammenarbeit mit McEnroe und dessen hochqualifiziertem Staff würde ihr neue Perspektiven eröffnen. Noch aber haben ihre Eltern nicht beschlossen, ob sie mit der Tochter nach New York ziehen wollen. Der Entscheid soll in den nächsten zwei Jahren fallen.

Ingrids Mutter Hildy Neel will verhindern, dass das Leben ihrer Tochter zu sehr vom Tennis bestimmt wird. Sie scheut auch die emotionalen Risiken, die ein Wegzug aus der vertrauten Umgebung mit sich bringen würde. McEnroe hat für das Zögern Verständnis. Schliesslich war der Hauptgrund für den Aufbau seiner Tennisschule die Ablehnung gegen das Internats-System der arrivierten Akademien. McEnroe möchte beweisen, dass man auch dann den Weg an die Spitze schaffen kann, wenn man zu Hause bei der Familie ein normales Leben führt.

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