Schweizerinnen nehmen Kurs auf Budapest

Das Schweizer Fed-Cup-Team braucht nach zwei Siegen gegen die Kanadierinnen nur noch einen Punkt. Die Qualifikation fürs Finalturnier im April ist zum Greifen nah.

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Simon Graf@SimonGraf1

Timea Bacsinzsky ist noch nicht so weit, dass sie dem Schweizer Fed-Cup-Team sportlich weiterhelfen könnte. Aber durchaus als Motivatorin. Denn die 30-Jährige mit ungarischen Wurzeln spricht fliessend Ungarisch und kennt Budapest bestens. So dürfte sie ihren Kolleginnen in den vergangenen Tagen beim Kartenspiel oder Essen von der Donaustadt vorgeschwärmt haben.

In Budapest findet vom 14. bis 19. April das neue Fed-Cup-Finale statt, wo um 18 Millionen Dollar Preisgeld gespielt wird. Und die Schweizerinnen dürfen ihren Trip in die ungarische Metropole nach dem ersten Tag der Begegnung gegen Kanada eigentlich schon buchen. Sie sind auf dem Weg nach Budapest zumindest in Wien angelangt, haben das meiste ihrer Wegstrecke schon zurückgelegt. Nur ein Sieg trennt sie nach zwei gewonnenen Einzeln noch zur Qualifikation.

Zuerst legte Jil Teichmann (WTA 68) gegen die 17-jährige Leylah Fernandez (185) mit einem 7:6, 6:4 vor, danach liess Belinda Bencic (5) der Doppelspezialistin Gabriela Dabrowski (448) keine Chance und siegte 6:1, 6:2.

Für die Kanadierinnen, ohnehin als Aussenseiterinnen angereist, kam erschwerend dazu, dass ihre Nummern 1 und 2 zumindest für Freitag Forfait geben mussten: Für US-Open-Siegerin Bianca Andreescu (6), die seit dem WTA-Finale in Shenzhen wegen ihres Knies nie mehr gespielt hatte, kam ein Einsatz zu früh. Und dann fiel auch noch Eugenie Bouchard (267) aus – sie hatte sich im Training am Handgelenk verletzt.

Bencics Selbstverständnis

Für sie spiele es keinen Unterschied, wer auf der anderen Seite des Netzes stehe, sagte Bencic nach ihrem überzeugenden Erfolg mit dem Selbstverständnis einer Top-5-Spielerin. Das Australian Open, wo sie in Runde 3 von der Estin Anett Kontaveit 6:0, 6:1 vom Court gefegt worden war, scheint kaum Spuren hinterlassen zu haben. Bencic trainierte nach ihrer Rückkehr nach Europa in Bratislava und macht einen guten Eindruck.

Dass die 22-Jährige die Teamleaderin ist, steht ausser Frage. Dahinter hat Captain Heinz Günthardt aber die Qual der Wahl. Er entschied sich fürs Debüt Teichmanns im Einzel und durfte danach zufrieden feststellen: «Es war schön zu sehen, wie sie in Drucksituationen ihre Leistung brachte.» Günthardt sprach vor allem die Phase gegen Ende des ersten Satzes an, als Teichmann vor lauter Nervosität kaum mehr einen Ball ins Feld spielte und zwölf Punkte in Serie abgab, sich im Tiebreak aber wieder fasste.

Und Günthardt blieb ruhig

«Die Nerven haben mir phasenweise einen Streich gespielt», sagte Teichmann. «Solche Erfahrungen lassen dich als Spielerin wie als Person wachsen.» Und sie dankte Günthardt, der in dieser heiklen Phase ruhig geblieben sei, ihr Vertrauen zugesprochen habe. Der Zürcher hat es geschafft, aus dem Fed-Cup-Team eine verschworene Gemeinschaft zu machen, in der jede die andere unterstützt.

Den dritten Punkt soll nun Bencic im dritten Einzel gegen die junge Fernandez einfahren. Die Montrealerin, 2019 Juniorensiegerin in Paris, zeigte gegen Teichmann, wie talentiert sie ist. Doch Bencic erhielt auf der Bank guten Anschauungsunterricht, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Und in Teichmann hat sie die ideale Partnerin fürs Einspielen: Auch die ist Linkshänderin.

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