Zum Hauptinhalt springen

Die Kampfmaschine mit dem Kindergesicht

An Talent mangelte es Laura Robson nie. Doch jetzt hat die 18-jährige Britin auch den Biss, um so etwas wie ein weiblicher Andy Murray zu werden.

«Ich habe nichts zu verlieren»: Laura Robsons Blick geht stets nach vorn. (17. Januar 2013)
«Ich habe nichts zu verlieren»: Laura Robsons Blick geht stets nach vorn. (17. Januar 2013)
Reuters
Einen Breakrückstand im dritten Satz aufgeholt: Robson beweist gegen Petra Kvitova Nehmerqualitäten. (17. Januar 2013)
Einen Breakrückstand im dritten Satz aufgeholt: Robson beweist gegen Petra Kvitova Nehmerqualitäten. (17. Januar 2013)
Keystone
Grosser Moment: Robson strahlt neben Murray mit Olympiasilber um den Hals. (5. August 2012)
Grosser Moment: Robson strahlt neben Murray mit Olympiasilber um den Hals. (5. August 2012)
Keystone
1 / 5

Als sich Laura Robson 2008 mit nur 14 Jahren den Wimbledon-Titel bei den Juniorinnen sicherte, träumten die britischen Tennisfans schon von einer goldenen Zukunft im Frauentennis. So schnell wie erhofft stellten sich die Erfolge nach Robsons Sprung auf die WTA-Tour aber nicht ein. Vereinzelten Highlights wie dem Erstrundensieg gegen Angelique Kerber 2011 in Wimbledon folgten stets Enttäuschungen – bis zum US Open 2012, als die 1,80 Meter grosse Athletin nach Siegen über die Grand-Slam-Champions Kim Clijsters und Li Na erst in den Achtelfinals an Samantha Stosur scheiterte. Am Australian Open bietet sich Robson am Wochenende nun die Chance, erneut die Tür zur Runde der letzten sechzehn Spielerinnen aufzustossen. Dafür muss sie mit der 19-jährigen US-Amerikanerin Sloane Stephens einen anderen Teenager bezwingen.

«Laura hat sich in der letzten Saison definitiv verbessert. Sie hat diese beiden Jahre gebraucht, um von einer Nachwuchs- zu einer Profispielerin zu werden», erklärte das einstige Tennis-Wunderkind Martina Hingis gegenüber der BBC. Die Schweizerin, die 1997 in Australien als 16-Jährige ihren ersten Grand-Slam-Titel gewann, betonte, dass herbe Niederlagen für die Entwicklung unerlässlich seien. «Man braucht die Erfahrung aus Matches gegen die Besten. Ich habe gegen Mary Pierce, Steffi Graf und Conchita Martinez gespielt. Am Anfang haben sie mich getötet, aber nur durch diese direkte Konfrontation kann man die Lösung finden.» Robson habe hart an sich gearbeitet, dies zahle sich nun aus. «Sie besitzt grosses Talent und als Linkshänderin das Spiel, um es noch viel weiter zu bringen», so Hingis. Die läuferischen Defizite, die sie reduzieren, aber noch nicht ganz beseitigen konnte, gleicht Robson mit harten Grundschlägen und einem wuchtigen Service aus.

Schon drei Major-Champions bezwungen

Bemerkenswert ist auch die Fähigkeit der Britin, Rückschläge zu verkraften. In ihrer Drittrundenpartie gegen Petra Kvitova, die Wimbledon-Siegerin des vorletzten Jahres, stellte sie diese Qualität gleich mehrfach unter Beweis. Nichts brachte Robson aus dem Konzept. Nicht der haarsträubende Start mit zwei Doppelfehlern, nicht der Verlust des ersten Satzes, nicht der Breakrückstand im dritten Durchgang, nicht Kvitovas Konter, als sie bei 6:5 zum Match servierte. «Ich habe nie aufgegeben», sagte Robson nach der nächtlichen Abnutzungsschlacht bei über 30 Grad Celsius, die sie 2:6, 6:3, 11:9 gewann. «Am Ende dachte ich mir einfach: ‹Ich habe nichts zu verlieren, ich werde mich bei eigenem Aufschlag entspannen und den Punkt suchen.›»

Eine «hässliche Partie» sei das Aufeinandertreffen mit der Weltranglistenachten Kvitova gewesen, fand Robson. Doch obwohl sie am US Open gegen Kim Clijsters und Li Na besser gespielt habe, zähle der Sieg über die Tschechin zu ihren grössten. «Zumindest ist er der am härtesten erkämpfte», bemerkte sie. Das Tableau scheint für die Nummer 53 des WTA-Rankings weit offen. Schlägt sie Sloane Stephens, der sie vergangene Woche in Hobart allerdings in zwei Sätzen unterlag, würde sie in den Achtelfinals auf Bojana Jovanovski oder die 42-jährige Kimiko Date-Krumm treffen. Beides keine unlösbaren Aufgaben. Die fahrplanmässige Viertelfinalgegnerin hiesse dann allerdings Serena Williams.

McEnroe sieht Robson 2013 in Top 10

Sloane Stephens, deren Stern am French Open 2012 mit dem Vorstoss in die vierte Runde aufging, glaubt, dass es auf Grand-Slam-Stufe noch viele Matches zwischen ihr und Robson geben wird. «Ich möchte eigentlich nicht sagen, dass es eine Rivalität zwischen uns gibt, aber wir sind gleich alt, und deshalb ist es wohl so. Mit Federer gegen Nadal kann man es nicht vergleichen, aber das kann ja noch werden», so die physisch überaus starke US-Amerikanerin, die in der Heimat schon als Nachfolgerin der Williams-Schwestern gilt. Nicht nur, weil sie wie diese afroamerikanischer Abstammung ist.

Der grosse John McEnroe sieht Laura Robson schon in dieser Saison auf dem Weg in die Top 10 der Weltrangliste. Ihr langjähriger Coach Sven Groeneveld sieht als einen Grund dafür die Bekanntschaft mit Andy Murray, dem amtierenden Olympia- und US-Open-Champion. «Kann man eine bessere Inspiration an seiner Seite haben?», fragte er im Gespräch mit dem «Guardian». «Ich denke, die grösste Motivation für Laura war der Gewinn von Olympiasilber im Mixed mit Andy. Das hat wirklich etwas in ihr ausgelöst und ihr den Extraimpuls gegeben, der nötig war, damit sie sich ganz dem Tennis verschreibt.» Auf physischer Ebene profitierte Robson ebenfalls von Murray. Dessen Fitnesscoach Jez Green ist massgeblich daran beteiligt, dass die etwas behäbige 18-Jährige auf dem Court schneller und agiler geworden ist. Zu Greens Spezialitäten gehören einmonatige Fitnessblöcke in der Hitze oder 90-minütige Bikram-Yoga-Sessions bei 40 Grad.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch